Satoshi Nakamoto

Satoshi Nakamoto ist das Pseudonym der unbekannten Person oder Gruppe, die das Bitcoin-Protokoll entwickelt hat.

Wer ist Satoshi Nakamoto?

Der sagenumwobene Bitcoin-Erfinder gehört zu den mysteriösesten Personen der Kryptowelt. Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob es sich wirklich um eine Einzelperson handelt. Die Hypothesen, wer hinter der Mutter aller Kryptowährungen steckt, schließen auch ein Kollektiv nicht aus. So wurde sogar schon der amerikanische Geheimdienst CIA als Erschaffer des Bitcoin gehandelt. Fest steht: Das brillante White Paper „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ hat einen Einfluss auf das Weltgeschehen, der weit über die Erschaffung eines neuen Bezahlsystems hinausgeht. 

Eines vorweg: Niemand, außer Satoshi selbst, kann mit Gewissheit sagen, wer oder was sich hinter dem Pseudonym versteckt. Sicher ist: Im Oktober 2008 wurde mit dem White Paper „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ erstmals die Funktionsweise des Bitcoin und der Blockchain erläutert.  

Im Januar 2009 war es dann soweit: das Konzept „Bitcoin“ hielt Einzug in die Realität, der Genesisblock wurde erschaffen und die ersten Bitcoins wurden gemined. Betrachtet man die Transaktionen aus der Anfangszeit des Bitcoin, sieht man, dass eine Person/Entität den Großteil der Hashrate des Netzwerkes stellte. Das bedeutet auch, dass eine einzelne Person einen ganzen Haufen Bitcoins in Form von Block Rewards verdient hat. 

Das Vermögen von Satoshi Nakamoto 

So wurden zwischen dem 3. Januar 2009 (dem Tag der „Genesis“) und dem 25. Januar 2010 (Block Nummer 36288) insgesamt 1.814.400 BTC „geschürft“– 63 Prozent davon wurden nie ausgegeben. Man ging davon aus, dass diese zu ein und derselben Entität gehörten und dass es sich bei dieser höchstwahrscheinlich um Satoshi Nakomoto handelte. 

Die Logik hinter dieser Behauptung war, dass die Hashrate im Jahr 2009 mit etwa sieben Millionen Hashes pro Sekunde auf einem niedrigen Niveau lag, was mit der hohen Dominanz eines einzelnen Miners in Zusammenhang gebracht werden könne. Das Vermögen dieser Entität wurde lange Zeit auf etwa eine Million Bitcoin geschätzt. Auch wenn aktuelle Schätzungen etwas tiefer liegen – zwischen 600.000 und 700.000 BTC – wer auch immer dieser dominante Miner war, ist heute ein gemachter Mann, eine gemachte Frau oder ein gemachtes Kollektiv. 

Funkstille seit 2011 

Das lauteste, was man seit 2011 von Nakomoto vernehmen kann, ist das Brodeln der Gerüchteküche um seine Identität. Während Nakomoto zwischen 2008 und 2010 noch in regem Kontakt zu anderen Entwicklern stand und zu diesem Zwecke mit bitcointalk.org das wohl wichtigste Forum für Bitcoin-bezogene Diskussionen erschaffen hat, ist es, bis auf eine Ausnahme, seit 2011 um den Schöpfer des Genesis-Blocks still geworden.  

Das hat Spekulationen befeuert, dass Nakamoto verstorben sein könnte. Zumal sich auch die Coins, die auf seiner vermeintlichen Adresse liegen, nach wie vor nicht bewegen. Manche gehen davon aus, dass Satoshi mit dem Projekt Bitcoin abgeschlossen hat, nach dem er es in die Welt entlassen hat. Er legt das Schicksal des Netzwerks in die Hände der Community und lässt die Dinge ihren Lauf nehmen. 

Diese These trägt den Namen „Good Satoshi“. Der noble Erfinder hat etwas geschaffen, das größer als er selbst ist und es dann selbstlos dem Rest der Menschen vermacht. 

Andere mutmaßen über einen weniger noblen Nakamoto. Die „Bad Satoshi“-Hypothese unterstellt dem Bitcoin-Erfinder, a) einen Teil des Geldes abgezwackt und es sich darauf gemütlich gemacht zu haben oder b) der größte HODLER aller Zeiten zu sein, der nur darauf wartet, mit maximalen Gewinn aus dem Bitcoin-Netzwerk auszusteigen. 

Die Kandidaten 

Ob lebendig oder tot, uneigennützig oder egoistisch: Es kursieren diverse Gerüchte über die Identität des Bitcoin-Schöpfers; manche mit besserer, andere mit dürftiger Faktengrundlage. 

Elon Musk: A man took a shit 

Zunächst zu den Spekulationen mit dürftiger Beweislage. Erster Kandidat: Elon Musk. Für die einen Technikvisionär, der die Menschheit mit seiner Firma SpaceX zum Mars befördert, während er auf der Erde den Personen- und Warenverkehr mit Hyperloop und Elektroautos revolutioniert. Für die anderen ist Musk vor allem ein Marketing-Genie, dem es gelingt, halbgare Konzepte mit trendgerechten Namen zu versehen. So auch im Umfeld von Bitcoin. Denn hier entstand das Gerücht, dass er hinter der Erfindung des Bitcoins stecken könnte, aus dem Umstand, dass „Satoshi Nakamoto“ ein Anagramm von „A man took a shit“ ist, was wiederum „typisch“ für den Humor von Elon Musk sei. Das Gerücht wurde von einem ehemaligen SpaceX-Mitarbeiter in Umlauf gebracht. Musk selbst bezeichnete die Vermutung als „lächerlich“. 

„Faketoshi“ Craig Wright 

Manche müssen auf Gerüchte reagieren, andere setzen sie selbst in die Welt. Das ist der Fall beim nächsten Anwärter auf den Thron des Bitcoin Schöpfers: Craig Wright. So hat Chef-Entwickler von nChain selbst behauptet, Satoshi Nakamoto zu sein. Allerdings gelang es ihm noch nicht, einen kryptographischen Beweis dafür zu erbringen. So hat er zwar während einer Präsentation vor Pressevertretern und Bitcoin-Entwicklern Nachrichten mit Private Keys signiert, von denen man ausging, dass sie Satoshi Nakamoto gehören müssten; doch wurden bald Zweifel ob der Gültigkeit der Demonstration laut, unter anderem von einem der anwesenden Entwickler, Gavin Andresen. Diese könnte gestellt gewesen und die Zeugen an der Nase herumgeführt worden sein. Dafür spricht, dass es Craig Wright nicht gelang, Coins aus Adressen, die Nakomoto zugeschrieben sind, zu bewegen. 

Der allgemeine Konsens besteht nun darin, dass Wright mit seiner „I bims Satoshi“-Aktion lediglich seine mediale Reichweite sowie die Chancen, auf wichtige Bitcoin-Konferenzen eingeladen zu werden, vergrößern wollte. Stattdessen erhielt er von der Community ein anderes Branding, mit zweifelhafter Werbewirkung: Craig Wright wurde der „Faketoshi“. 

Nick Szabo – Erfinder des Smart Contract 

Als möglicher Satoshi steht auch Nick Szabo hoch im Kurs. Der US-amerikanische Programmierer und Kryptograph hat bereits 1998 mit „Bit Gold“ ein White Paper geschrieben, das viele Ideen des Bitcoin White Papers vorwegnimmt: Unter anderem den Einsatz von Kryptographie, um das Double Spending Problem digitaler Währungen zu lösen. Außerdem schuf er das Konzept der Smart Contracts, einer Funktion, die heute zu den bestimmenden Merkmalen vieler Krypto-Plattformen (allen voran Ethereum) gehört. 

Aufgrund dieser Parallelen nimmt es nicht Wunder, wenn der Name Szabo immer wieder fällt, wenn es mal wieder an der Zeit ist, über Satoshis Identität zu spekulieren. Hinzu kommt der Umstand, dass Szabo im Sommer 2008 auf seinem Blog die Idee für Bit Gold wieder hat aufleben lassen. Als es darum ging, eine Live-Version seines Projektes zu programmieren, fragte er nach interessierten Unterstützern: „Anyone want to help me code one up?“. Als kurz darauf Bitcoin erschien, datierte Szabo den Blogeintrag nachträglich um – auf ein Datum nach der Erschaffung des Bitcoins. 

Außerdem haben Analysen von Nick Szabos Schreibstil ergeben, dass es erstaunliche stilistische Parallelen zwischen seinem Bit Gold Paper und Satoshis Bitcoin White Paper gibt. Nick Szabo selbst hat indes mehrfach bestritten, dass er es ist, der sich hinter Satoshi Nakamoto verbirgt. So schrieb er 2011, als Bitcoin noch Probleme damit hatte, in Fahrt zu kommen: 

„Ich, Wie Dai und Hal Finney, waren die einzigen Menschen, von denen ich wusste, dass sie genug Gefallen an der Idee gefunden hatten […], um sie bedeutend voran bringen zu wollen. Abgesehen von Nakamoto selbst (vorausgesetzt, bei diesem handelte es sich nicht um Finney oder Dai selbst).“ 

Hal Finney: Ein Mann der ersten Stunde 

Szabo nennt mit Hal Finney einen weiteren potenziellen Nakamoto. Auch für ihn gilt: Es gibt starke Indizien, jedoch keine Beweise dafür, dass es sich bei Finney und Nakamoto um ein und dieselbe Person handelt. 

Fakt ist: Hal Finney war der erste Programmierer, der, neben Nakamoto selbst, aktiv am Bitcoin-Protokoll mitgewirkt hat. Dies belegen unter anderem Auszüge aus dem Emailverkehr zwischen Finney und Nakamoto, in denen die beiden programmiertechnische Probleme des Bitcoin-Protokolls besprachen und zusammen an deren Beseitigung arbeiteten. 

Außerdem war Finney schon lange vor der Entstehung des Bitcoins an Kryptographie interessiert und in den Neunzigern Teil der „Cypherpunks“, einem Kollektiv aus Krypto-Enthusiasten, die alle Teil einer Mailing-Liste waren. Mit von der Partie waren auch heute noch bekannte Namen wie Wikileaks-Gründer Julian Assange. Auch Nick Szabo war mit von der Partie. Ebenfalls dabei: Satoshi Nakamoto. Tatsächlich wurde das Bitcoin White Paper zuerst über die Mailingiste der Cypherpunks veröffentlicht. 

Es gibt einige verblüffende Umstände, die darauf hindeuten, dass Finney und Nakamoto ein und dieselbe Person sind. Der auffälligste: Nur wenige Häuserblocks von Finneys Haus entfernt lebte ein gewisser Programmierer namens Dorian Prentice Satoshi Nakamoto. Geburtsname: Satoshi Nakamoto. 

Dorian Nakamoto 

Nun handelt es sich bei dem Namen „Satoshi Nakamoto“ zwar um einen „Allerweltsnamen“, vergleichbar etwa mit Hans Müller in Deutschland. Doch nicht nur der Name deutet auf eine mögliche Involvierung seines Nachbarn Dorians bei der Erschaffung des Bitcoins hin: Nakomoto war als Physiker an diversen geheimen Projekten im Militärbereich tätig. Nachdem er in den Neunzigern zweimal seinen Job verlor, soll Nakamoto eine libertäre Haltung angenommen und sich zu einem Gegner des „Establishments“ entwickelt haben. Ein Ausschlaggeber für die Entstehung des Bitcoins soll die globale Finanzkrise 2008 gewesen sein. 

Als eine Newsweek-Reporterin Dorian Nakamoto auf Bitcoin ansprach, gab dieser eine enigmatische Antwort, die die Gerüchte eher anfachte, als erstickte. „Ich bin darin nicht länger involviert und kann es nicht besprechen“. Später gab Dorian an, die Frage der Reporterin falsch verstanden zu haben. So dachte er, sie frage ihn über seine früheren Militär-Projekte aus. 

Warum sollte er? 

Dorian Nakamoto bestreitet mittlerweile mit Nachdruck, dass er der Erfinder von Bitcoin sei. Tatsächlich ist man geneigt, ihm zu glauben. Wer auch immer hinter Bitcoin steckt, die Wahrscheinlichkeit, dass das White Paper wirklich unter einem Klarnamen veröffentlicht wurde, ist angesichts der erwartbaren Konsequenzen sehr gering. Auch ohne Aluhut darf man vermuten, dass die disruptive Technologie vielen zentralistischen Akteuren ein Dorn im Auge sein muss. Sollten die Gerüchte um Nakamotos Bitcoin-Vermögen auch nur ein Körnchen Wahrheit enthalten, wäre es zudem mehr als leichtsinnig, sich als dessen Besitzer zu offenbaren – Krypto-Verbrechen sind längst keine Seltenheit mehr. 

Außerdem hat Dorian Nakamoto beklagt, dass seine Familie, insbesondere seine Mutter, unter dem medialen Ansturm, der durch den Newsweek-Artikel entstanden ist, schwer zu leiden hatte. Ein bisschen Schuld daran trägt Dorian jedoch auch selbst. So sagte er im Nachhinein gegenüber der LA Times, dass er auf die Newsweek-Anfrage lediglich eingegangen sei, weil sie ihm ein kostenloses Mittagessen in Aussicht gestellt hatten. 

Braucht es einen Satoshi Nakamoto? 

Man sieht: Es gibt Indizien, interessante Zufälle, und unglückliche Missverständnisse – aber keinen endgültigen Beweis für die Identität des Bitcoins-Erfinders. Möglicherweise war es ein gemeinschaftlicher Aufwand aus dem Kreise der Cypherpunks. Doch bis zum letzten, kryptographischen Beweis muss man sich mit boulevardesken Spekulationen begnügen.  

Davon abgesehen drängt sich die Frage auf, ob es für Bitcoin und Co überhaupt wichtig ist, dass man weiß, wer Satoshi wirklich ist. Oder war. Hal Finney ist leider bereits verstorben.  

Sind wir nicht alle ein bisschen Satoshi? 

Anstatt also seine Zeit mit fruchtloser Spekulation zu verbringen, könnte man sich die Frage stellen, welchem Zweck das Ganze dienen soll. Denn so menschlich das Interesse an der Identität des Bitcoin-Erfinders ist, dem Credo der Dezentralität wäre es sicher abträglich, wenn jene aufgedeckt würde. Vermutlich ist es besser, wenn Nakamotos Identität im Verborgenen bleibt. So kann sich jeder Teilnehmer im Bitcoin-Netzwerk als Teil einer Bewegung sehen, die über keinen personifizierten oder institutionalisierten Mittelpunkt verfügt.  

Halten wir letztlich nicht alle die Fahne der Dezentralisierung hoch? Sehen wir nicht alle das – im besten Sinne – disruptive Potenzial der Blockchain-Technologie? Entwickeln wir nicht alle ein immer stärkeres Bewusstsein für den Wert von Privatsphäre, gerade im Zeitalter der Datenkraken? Kurz: Sind wir nicht alle ein bisschen Satoshi?