Bitcoin, Warum der Krypto-Markt nicht tot ist. Der Blick eines Krypto VC hinter den Vorhang des Bärenmarktes
Bitcoin, Warum der Krypto-Markt nicht tot ist. Der Blick eines Krypto VC hinter den Vorhang des Bärenmarktes

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Warum der Krypto-Markt nicht tot ist. Der Blick eines Krypto VC hinter den Vorhang des Bärenmarktes

Es gibt selten Projekte, die so oft tot gesagt werden wie Bitcoin, die Kryptowährungs-Industrie und das Blockchain-Ökosystem. Warum der Krypto-Markt nicht tot ist.

In meinem letzten Artikel habe ich euch das Gartner Hype Cycle Modell und dessen Verwendbarkeit als Kompass zur Einordnung des Reifegrades neuer Technologien vorgestellt.

Nachstehend eine kurze Wiederholung:

Das, was in 2017 geschah, war ein Hype – ähnlich wie das, was wir in den späten 90er Jahren während des Internet Booms gesehen haben. Wie damals schon musste auch jetzt auf den Boom der Bust folgen. Gemäß Gartner sind übersteigerter Enthusiasmus und Desillusionierung Teil des normalen Zyklus einer neuen Technologie auf dem Weg zu ihrer Marktreife.


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Vieles deutet darauf hin, dass die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen in die „Trough of Disillusionment“ Phase eingetreten sind. Wie lange wir uns in dieser Phase aufhalten werden, ist an dieser Stelle nicht wirklich absehbar.

Wir von KaizenVC sind jedoch davon überzeugt, dass die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen sich ähnlich wie das Internet zu einem Massenphänomen entwickeln. In diesem Artikel möchte ich euch darlegen, weshalb wir diese Auffassung vertreten und woran wir sie festmachen. Im Grunde genommen gibt es für uns zwei Hauptargumente:

  1. Dezentralisierung wird sich langfristig durchsetzen.
  2. Wir sehen vielversprechende Anzeichen, dass Blockchain in den Status der Marktreife eintritt

Dezentralisierung wird sich langfristig durchsetzen

Während es historisch gesehen in der Natur des Kapitalismus liegt, Monopole zu schaffen, wurden solche Monopole seit der Erfindung des Computers letztlich immer wieder durch die Bereitstellung von Open-Source-Software gestürzt. Zumeist geschah dies an einem Punkt, an dem Monopolisten so viel Macht angesammelt hatten, dass Kunden und Geschäftspartner ihrem Willen der Selbstbereicherung hilflos ausgesetzt waren.

IBM hatte ein nahezu Monopol im Personal Computing, welches letztlich durch den offenen PC-Standard beendet wurde. Der offene PC-Standard ermöglichte es Microsoft wiederum, zum de-facto Monopol auf dem Markt für Betriebssysteme aufzusteigen. Die Entstehung von Open-Source-Betriebssystemen (Linux) und Internet-Protokollen hat dieses Monopol zerstört, Technologieriesen wie Google, Amazon oder Facebook traten auf den Markt. Zusammen kontrollieren diese Unternehmen heutzutage einen Großteil der Online- (und Offline-) Datenströme der Welt.

Die Einführung von Open-Source-Software ist ein Mittel, Machtstrukturen auf dem Markt neu zu verteilen.

Während Open-Source-Protokolle unbestritten viel Wert für ihre Nutzer kreieren, konnten sie in der Vergangenheit kaum finanziellen Wert für ihre Entwickler schaffen. Mit blockchain-basierten Token-Systemen ist dies zum ersten Mal in der Geschichte anders. In der Zukunft werden große Teile der Weltwirtschaft auf dezentralen Netzwerken laufen. Die Koordination in diesen Netzwerken wird über limitierte Tokens stattfinden.

Vielversprechende Anzeichen von Marktreife

Bei genauer Betrachtung des Krypto-Marktes sehen wir schon jetzt viele Anzeichen dafür, dass Kryptowährungen, angeführt von Bitcoin, schon bald in die „Slope of Enlightenment“ Phase eintreten werden

  1. Starke Fundamentaldaten

Am Beispiel von Bitcoin können wir eine fortschreitende Adaption beobachten, welche unabhängig vom zu Grunde liegenden Kurswert von Bitcoin erfolgt: Die Entwicklung des Transaktionsvolumens, die Hash-Rate (die Geschwindigkeit, mit der ein Computer eine Operation im Bitcoin-Code durchführt), die Nodes und ihre Verteilung sind allesamt Indikatoren für diesen Reifeprozess.

Die obigen Grafiken zeigen zwei Trends:

  • Ein im Laufe der Zeit steigendes On-Chain-Transaktionsvolumen sowie ein Anstieg des Anteils hochwertiger Transaktionen (d.h. über 1.000 US-Dollar) für grenzüberschreitende Zahlungen (von 34 Prozent im Jahr 2016 auf 46 Prozent im Jahr 2017). Mehr Transaktionsvolumen bedeutet dynamischere Märkte und zunehmende Adaption im Retail-Segment.
  • Eine stetige Zunahme der Ressourcen, die global in Mining fließen. Diese gestiegene Bereitschaft, Ressourcen und Kapital in das weltweite Mining von Bitcoin zu investieren, unterstreicht den wahrgenommenen „Value/Store of Value“ von Bitcoin und den stetigen Fortschritt auf Infrastrukturebene. Mehr Nodes wiederum führen zu einem immer sicherer werdenden Netzwerk. Durch ihre Verteilung wird Bitcoin im Laufe der Zeit immer dezentraler.

Um die aktuelle Marktlage in Kontext zu setzen, schauen wir uns mal die obigen Kennzahlen gemeinsam mit der Preisentwicklung von Bitcoin an:

Das Diagramm zeigt, dass Preis- und Fundamentalkennzahlen (noch) nicht korrelieren. Dies erklärt sich dadurch, dass 2017 irrationale und unerfahrene Investoren die Marktgeschehnisse antrieben. Man schenkte Fundamentalkennzahlen keine Bedeutung und Preisbildung funktionierte fast ausschließlich über übertriebene Erwartungshaltungen gegenüber der Zukunft. Mit dem Ende des Hypes brachen diese Erwartungen zusammen und damit auch der Bitcoin-Kurs. Die Fundamentalkennzahlen entwickeln sich jedoch weiterhin äußerst positiv.

1. Regierungen drängen auf regulatorische Fortschritte

Mittlerweile haben die meisten Regulierungsbehörden erkannt, dass sie Kryptowährungen nicht länger ignorieren können. Während einige Jurisdiktionen zwar immer noch einen abwartenden Ansatz verfolgen und umfassende Rechtsvorschriften vermieden haben, haben viele bereits damit begonnen, Rechtsrahmen zu schaffen. Nachfolgend ein paar Beispiele, welche diese Aussage unterstreichen sollen:

Die Schweiz hat einen regulatorischen Rahmen vorgeschlagen, der darauf abzielt, Vorschriften zu minimieren und gleichzeitig Unternehmen durch sogenannte „Sandboxes“ gesetzeskonform zu halten. Dieser Mechanismus soll es Start-ups ermöglichen, unter kontrollierten Bedingungen zu experimentieren und zu innovieren. Singapur verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Russland hingegen hat einen rechtlichen Rahmen geschaffen, ICOs zu legalisieren. Frankreich hingegen hat Crowdfunding von Fremdkapital auf Basis der Distributed-Ledger-Technologie genehmigt.

2. Unternehmen führen Vollimplementierungen von Blockchain Projekten ein

Nach einer langen Entwicklungsphase gehen große Unternehmen zur vollständigen Umsetzung von Blockchain-Projekten über. Das Weltwirtschaftsforum prognostiziert, dass bis 2025 10% Prozent des globalen Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf der Blockchain umgesetzt wird. Das zeigt, dass globale Führungskräfte sich nicht von dieser seismischen Verschiebung abschotten, sondern vielmehr eine treibende Kraft dahinter sind.

3. Institutionelle Anleger stehen in den Startlöchern

In Abwesenheit ausreichender regulatorischer Sicherheit und notwendiger Infrastruktur wie z.B. Depot Lösungen zur Verwahrung von Kryptowährungen und Private Keys, war es institutionellen Investoren bis vor kurzem vorbehalten, das Marktgeschehen von der Seitenlinie aus zu beobachten. Was wir in den letzten Monaten jedoch gesehen haben, zeigt,  dass sich dies ändert. Große Finanzdienstleister arbeiten an bedeutenden Infrastrukturlösungen. Nachstehend ein paar Beispiele:

  • Fidelity, 7,2 Billionen US-Dollar schwer und damit einer der fünf größten Finanzdienstleister der Welt, hat im Oktober angekündigt, unter der neu geschaffenen Tochter Fidelity Digital Asset Services LLC Kryptowährungsverwahrungs- und Handelsdienstleistungen für Unternehmenskunden anzubieten.
  • Goldman Sachs arbeitet nach eigenen Angaben aufgrund von starker Kundennachfrage an der Umsetzung eines Bitcoin Trading Desks.
  • Bakkt, eine Plattform für den Handel, die Verwahrung und Ausgabe digitaler Assets, wurde Anfang des Jahres vom globalen Börsenbetreiber ICE (Muttergesellschaft der New Yorker Börse, NYSE) gegründet und soll Anfang 2019 den Handel von Bitcoin Futures starten.
  • Die Stiftungen der US Elite-Universitäten Harvad, MIT, Stanford und Yale, deren Vermögenswerte jeweils im deutlich zweistelligen Millardenbereich liegen, haben kürzlich in Kryptowährungsfonds investiert.
  • Nasdaq kooperiert mit der US Kryptobörse Gemini und stellt dieser seine SMARTS-Technologie zur Verfügung – eines der am weitesten verbreitete Finanzhandelsüberwachungssystem der Welt.

Dazu kommt, dass Morgan Stanley, die große US-Investment-Bank, in ihrem zuletzt veröffentlichten Report Kryptowährungen zur neuen institutionellen Anlageklasse erklärte.

Man muss also keine Kristallkugel besitzen, um vorherzusagen, dass institutionelle Anleger schon bald auf den Krypto-Markt drängen werden. Dies wird auch direkte Auswirkungen auf die Verbreitung von Kryptowährungen auf Privatinvestoren haben.

Laut einer Studie von Coinmarketcap haben zwischen Sommer 2010 und 2018 280 unregulierte Krypto-Börsen ihren Betrieb aufgenommen. Die Anzahl der aktiven Krypto-Börsen und die vierteljährlichen Wachstumsraten der Bitcoin Marktkapitalisierung hängen direkt zusammen: Die Korrelation beträgt 72 Prozent.

Nächste Wachstumsphase könnte noch größer werden

Die folgende Grafik verdeutlicht diese Beziehung. Die bisher stärksten Bitcoin Preiswachstumsphasen (2011, 2014 und 2017) haben stets zur Eröffnung neuer Krypto-Börsen und damit zu zusätzlichen Marktzugängen geführt. Mehr Zugänge bedeutet mehr Möglichkeiten sowie gesteigerten Komfort, Kapital in den Krypto-Markt zu schaffen und dort zu veranlagen. Das neu bereitgestellte Kapital selbst ist wiederum ein Treiber für die nächste Wachstumsphase. Es ist denkbar, dass sich dieser Zyklus zukünftig wiederholen wird – dann aber in einem weit größeren Ausmaß als bisher.

Mit dem Beitritt institutioneller Investoren werden einfache Anlageprodukte für Kleinanleger in den Markt drängen. Anstatt sich mit den derzeitigen Unwägbarkeiten und Komplexitäten des Investierens in Bitcoin & Co. selbst rumschlagen zu müssen und dabei stets Gefahr zu laufen, Opfer eines Betrugsversuches oder eines Hacks zu werden, werden Kleinanleger künftig all dies an etablierte Marken auslagern, welche sie bereits kennen und denen sie vertrauen.

Laut einer Umfrage von ING bekunden knapp 100 Millionen Menschen Interesse, in den Krypto-Markt zu investieren. Es ist also davon auszugehen, dass durch die Bereitstellung einfacher Retail-Produkte durch Institutionen die Anzahl der Kleinanleger im Krypto-Markt weiter drastisch ansteigen wird.

Klar, all dies wird nicht von Heute auf Morgen passieren. Aber wir sollten uns bewusst machen, dass heute das Fundament für morgen gelegt wird. In einer Welt, die in den letzten Jahrzehnten so enorm an Komplexität und Wettbewerbsdruck zugenommen hat, sind Kryptowährungen womöglich die letzte Chance jetziger Generationen, auf verhältnismäßig einfachem Wege an Reichtum zu gelangen. Aber eines ist auch klar: Es kann auf dem Weg dahin nicht nur Gewinner geben.

In meinem nächsten Artikel werde ich euch einen Einblick in unsere Investmentstrategie geben. Ich werde euch darlegen, an welche Bereiche wir glauben und von welchen wir uns fernhalten werden.

Mehr zum Thema:

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