SegWit vs Bitcoin Unlimited: BTC oder BTU?

SegWit vs Bitcoin Unlimited: BTC oder BTU?

Ein neuer Bericht der größten Börsen mag vielleicht neues Öl in das Feuer gegossen haben, zeigt aber auch ganz klar, welche Ausmaße die ganze Debatte mittlerweile einnimmt.



20 der weltweit aktiven Bitcoin-Börsen gaben bekannt, dass wenn das Bitcoin-Netzwerk gespalten werden sollte, der Coin des Bitcoin Core Teams (SegWit) weiterhin das Kürzel BTC behalten wird. Bitcoin Unlimited, die Alternative, würde dann das Kürzel BTU bekommen.

Kurz zum Hintergrund: Die Debatte über die Skalierung von Bitcoin zieht sich jetzt schon über viele Monate hinweg. Es ist offensichtlich, dass das Netzwerk mittlerweile an seine Grenzen stößt (ungeachtet der möglichen SPAM Transaktionen, die das Netzwerk weiter in die Knie gezwungen haben), die Bestätigungsdauer für Transaktionen immer länger und die Gebühren immer höher werden. Das Bitcoin Core Team, also die Kernenwtickler von Bitcoin stehen weiterhin für eine Blockgröße von 1MB, da aus ihrer Sicht eine Vergrößerung der Blockgröße nur eine temporäre Lösung bieten würde. In ein paar Jahren müsste man die Blockgröße immer wieder vergrößern um mehr Transaktionen in einem Block zusammenfassen zu können. Deshalb soll SegWit die Lösung mittels eine Off-Chain Lösung bieten. Die Entwickler wollen die Transaktionen „kürzen“ und somit mehr Transaktionen pro Block abwickeln. Zudem soll ein Teil der Transaktionen „off-chain“ abgewickelt werden, also außerhalb der Blockchain. Dies wäre natürlich für die Miner die etwas unkomfortablere Lösung, da sie für diese Transaktionen keinen Reward erhalten. Bitcoin Unlimited hingegen steht für eine variable Vergrößerung der Blockgröße von >1MB. Die Blockgröße läge dann in den Händen der Miner. Dadurch wollen sie dynamisch viele Transaktionen pro Block abwickeln – eine Hard Fork, also eine Spaltung des Netzwerks wäre hier vermutlich die die Folge. Aktuell liegt der Bitcoin Unlimited Node-Anteil bei 34%. Der SegWit Anteil bei 26%.

Auch wenn der Bericht ursprünglich eine große Verwirrung am Markt vorbeugen sollte, so sehen manche Bitcoin Core Verfechter in den Namensgebungen ein klares Ende für das das Bitcoin Unlimited Projekt. Ein Projekt, was die Regeln von Bitcoin auf den Kopf stellen würde:

„Die Mining-Pools mögen vielleicht einen Bitcoin Unlimited Support signalisiert haben, aber aus dem Bericht ist glasklar ersichtlich, dass die Community es nicht akzeptieren wird – Bitcoin Unlimited könnte froh sein wenn ihr Coin BTU überhaupt an den Börsen gelistet wird,“ so der ehemalige BTCC COO Samson Mow.

Den Börsen zufolge dient der Bericht nicht als Provokationen. Er soll vielmehr die Leute dazu anhalten langfristig zu denken, um keine Gelder der Nutzer in Gefahr zu bringen. Zudem wollen sich die Börsen nicht als „Die Entscheider“ positionieren. Sie wollen vielmehr, dass die Debatte auf natürlichem Weg entschieden wird.

Kraken CEO Jesse Powell sagte:

„Es wird niemand dazu verpflichtet sein, die Bitcoin Core Lösung als BTC zu bezeichnen. Zumindest ein Teil der Börsen wird den Ticker vermutlich der längsten Blockchain widmen.“

Powell sagt auch, dass es eine Frage sein wird, welcher Bitcoin bei einer Spaltung des Netzwerks der „wahre Bitcoin“ sein wird und welche Rolle die Börsen bei dem Szenario einnehmen werden.

Die Miner und die Community

Beobachtern zufolge entwickelt sich die Debatte dahin, dass zwei Parteien über die Zukunft des Netzwerks entscheiden werden: Zum einen die Miner und zum anderen die sogenannte „Bitcoin Community“ (Börsen, Wallet-Anbieter und Entwickler).

Michael Perklin, Security Officer bei ShapeShift, sagte zu CoinDesk:

„Die Miner werden die Blocks mit der größten Akzeptanz in der Community hashen. Die Nutzer wiederum werden die Blockchain mit dem höchsten Proof-of-Work, also das Netzwerk mit den meisten Nodes nutzen. Eventuell gibt es hier nur einen Gewinner.“

Aus Sicht der Börsen könnte eine Hard Fork ein sehr kostspieliges Unterfangen werden, nicht zuletzt auch weil historische Daten und Charts schwer darstellbar wären- Teure Upgrades wären hier die Folge.

BTC-ECHO

Über Mark Preuss

Mark Preuss ist Gründer und Geschäftsführer von BTC-ECHO.
Nach seinem Wirtschaftsstudium in den Niederlanden und in China führten ihn verschiedene berufliche Stationen im Finanzwesen zunächst in die Schweiz und schließlich nach Düsseldorf. Schon früh begeisterte er sich für digitale Währungen und die Blockchain-Technologie. In Ermangelung einer Anlaufstelle im deutschsprachigen Raum entschied sich Mark schließlich Ende 2013 dazu, mit BTC-ECHO eine eigene Medienplattform zu digitalen Währungen und Blockchain ins Leben zu rufen. Seither hat er BTC-ECHO zur reichweitenstärksten deutschsprachigen Plattform für Kryptowährungen entwickelt.

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  • Group of people, team pulling line, playing tug of war. Teamwork: © Photocreo Bednarek - Fotolia.com

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