Schreck für Miner: Diskriminierung von Strompreisen in New York erlaubt

Tim Stockschlaeger

von Tim Stockschlaeger

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Tim Stockschlaeger

Tim Stockschläger hat Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finance in Augsburg und Leipzig studiert. Nach dem Studium hat er zunächst für die Deutsche Bank gearbeitet und ist nun freiberuflicher Autor und Berater.

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Quelle: Rise in electric bills ahead yellow warning road sign

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Für Miner von Kryptowährungen wird es teuer im amerikanischen Bundesstaat New York. Stromversorger dürfen von ihnen deutlich mehr Geld verlangen. Die zuständige Regulierungsbehörde (Public Utilities Commission) erlaubt den 36 lokalen Stromversorgern nun gesonderte Tarife für kleine Firmen mit extremem Stromverbrauch. Die Regulierung tritt noch im März in Kraft.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Tanja Giese

Außerhalb der Metropole New York City ist der gleichnamige Bundesstaat sehr weitläufig und gering besiedelt. Wald und Wasser prägen das Landschaftsbild. Die bekannten Niagarafälle liegen im äußersten Norden des Bundesstaats. Die Einwohner beziehen in dieser Gegend Strom zu sehr niedrigen Preisen aus Wasserkraftwerken. Dieser Standortvorteil lockte in den vergangenen Jahren vermehrt Miner an. Die New Yorker Behörden sprechen etwas allgemeiner von „Kryptowährungsunternehmen“.

Für die privaten Haushalte stiegen die Kosten gemäß der behördlichen Veröffentlichung merklich an. Bewohner der Kleinstadt Plattsburgh (20.000 Einwohner) müssen beispielsweise seit diesem Jahr durchschnittlich 10 US-Dollar monatlich mehr für ihre Stromrechnung berappen. Bislang kostete eine Kilowattstunde für Unternehmen knapp 2 Cent. Anwohner mussten bisher ungefähr 4,5 Cent pro kWh zahlen. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 10 Cent je kWh.

Miner treiben laut Behörden Stromkosten in die Höhe

Die steigenden Strompreise sind ein aufreibendes Thema in den wirtschaftlich wenig prosperierenden ländlichen Räumen. Die Schuldigen sind ausgemacht: Serverfarmen, die vorrangig im Zusammenhang mit Kryptowährungen im Einsatz stehen. Der Verbrauch ist enorm: In einigen Gemeinden verbrauchen diese Unternehmen bis zu einem Drittel des gesamten Stromangebots. Plattsburgh hat nun als erstes ein 18-monatiges Memorandum gegen neue Krypto-Firmen verhängt.


Um den hohen Verbrauch sicherzustellen, müssen die Stromversorger Reservekapazitäten ausbauen. Das erfordert hohe Investitionen. Diese werden üblicherweise auf sämtliche Verbraucher umgelegt und so über viele Jahre auf den Strompreis geschlagen. Die Angst der örtlichen Versorger und Politiker ist nun, dass die Firmen ihre Ausrüstung auf die LKW packen und weiterziehen, noch bevor sich die Investitionen amortisiert haben. Es bestehe keine lokale Verbundenheit oder Investition. Im Gegensatz dazu bleiben die lokalen Firmen und Anwohner auf den Investitionen sitzen. Investitionen, die dann niemand mehr braucht.

Höhere Stromkosten für Miner zur Entlastung anderer

Der Bericht bemängelt in erster Linie die geringen wirtschaftlichen Investitionen vor Ort, während die Unternehmen von den niedrigen Stromkosten profitieren. Während Mining-Firmen sehr flexibel seien, müsse eine Stromversorgung langfristig geplant werden.

Unter Wissenschaftlern auch als Trittbrettfahrerproblem bekannt, profitieren die Unternehmen auf Kosten der Gemeinschaft. Ein Problem, das häufig bei Gütern auftritt, wo sich einzelne Gruppen nicht ausschließen lassen. Das ändert sich nun. Zwar wird der Strom nicht abgestellt, aber erstmalig stark in die Regulierung eingegriffen. Die New York Municipal Power Agency (NYMPA) legte als Vertreter der 36 lokalen Stromanbieter bei der zuständigen Regulierungsbehörde Beschwerde ein. Man wolle für diese Unternehmen einen gesonderten Strompreis festlegen. Anders ausgedrückt: den Strompreis diskriminieren und mehr verlangen von denen, die mehr bezahlen können.

Den Stromanbietern kommt in diesem Fall eine regionale Monopolstellung zu. Das macht die Situation kompliziert. Anders als im freien Wettbewerb haben Unternehmen in einem Monopol wenige Alternativen. Aus Sicht der lokalen Bevölkerung ist eine Preisdiskriminierung zweifelsfrei wünschenswert und nachvollziehbar. Überrascht jedoch etwas in einem Land, dass sich so gegen Regulierung ausspricht und auf Freiheit setzt.

New York: Nicht der erste Fall einer Preisdiskriminierung für Miner

In der Vergangenheit kam es bereits zu einer ähnlichen, nicht so drastischen Regelung in Staat Washington. Eine zum Staat New York vergleichbare Situation findet sich aber auch Island: Die Bevölkerung profitiert von günstigen Strompreisen aus Wasser und Windkraft. Auch dort haben sich viele Krypto-Firmen angesiedelt. Dieses Jahr könnte der Verbrauch dieser Unternehmen erstmals den der gesamten Bevölkerung übersteigen. Das zeigt auch deutlich die Belastung für Umwelt und Stromnetze. Die Frage bleibt nur, wie eine faire und gerechte Antwort auf den steigenden Stromverbrauch aussehen kann.

Historische, vor Ort gewachsene Unternehmen, so der Bericht der Regulierungsbehörde weiter, schaffen Arbeitsplätze und beleben die Region. Eine Investition in das Stromnetz vor Ort für solche traditionellen Unternehmen stärkt auch die Wirtschaft und ist somit im Interesse der Gemeinschaft.

Hier ziehen alle an einem Strang, Politiker, Einwohner und Behörden. Sie alle eint ein klar definiertes Feindbild: Niemand der Anwohner profitiere von den Krypto-Firmen – sie würden sogar verlieren. Dazu passt auch die Aussage des Kommissionsvorsitzenden John B. Rhodes: „Wir begrüßen und motivieren Unternehmen, in New York zu bauen und expandieren.“ „Aber“, so die Aussage weiter, sie müssten auch „einen angemessenen Preis für Elektrizität zahlen.“ Dabei scheint das Wort „angemessen“ stark mit der Anzahl von Mitarbeitern im Unternehmen zu korrelieren.

Stromkosten werden 60 % teurer werden

Die neue Regel beschränkt sich in der Theorie nicht direkt auf Firmen im Zusammenhang mit Kryptowährungen, sondern definiert den Verbrauch pro Flächeneinheit. In der Praxis sind das jedoch gerade Firmen im Krypto-Business. Betroffen sind Unternehmen mit einer Verbrauchslast von über 300 kW und einem Verbrauch von über 250 kWh per Quadratfuß (entspricht etwa 0,1 m²). Ausgenommen von dieser Regel sind Unternehmen, die für die Region wirtschaftlich von Bedeutung sind.

Was das ausmacht? Ein Unternehmen in Plattsburgh hätte seit Januar rund 60 % mehr für die Stromrechnung zahlen müssen, schätzt der Bericht. In den nächsten Tagen werden die Betreiber ihre Preise anpassen und es wird klar, wie extrem die Anpassungen ausfallen. Es bleibt sicherlich auch spannend, ob die Stromrechnungen für private Verbraucher wieder sinken werden.

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