PwC-Studie: Blockchain für deutsche Finanzbranche keine Priorität

PwC-Studie: Blockchain für deutsche Finanzbranche keine Priorität

Jeder zweite deutsche Finanzmanager schätzt die Blockchain-Technologie als zukünftig relevant ein. Jedoch investieren nur die Wenigsten. Dies ergibt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens PwC. Dabei offenbaren die Ergebnisse eine deutliche Lücke: Während immer mehr Finanzexperten Distributed-Ledger-Technologien ernst nehmen, liegen hierzulande flächendeckenden Investitionen in weiter Ferne. Dies könnte für die deutsche Finanzbranche bittere Folgen haben, investieren die weltweiten Konkurrenten doch zielstrebig in DLTs.

Auch in diesem Jahr bestimmt die Blockchain weiterhin die weltweiten Schlagzeilen. Das vieldiskutierte Versprechen: einschneidende Kostenersparnisse und wegweisende Transformationspotentiale – besonders für den Banken- und Finanzsektor.

Bloßer Hype oder ernsthafte Hoffnung für die Finanzbranche – diese Frage hat sich das Beratungsunternehmen PwC in seiner aktuellen Studie zur Rolle der Blockchain für das Finanzwesen gestellt.

Hierfür hat man rund 300 Führungskräfte deutscher Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter zu ihren Erwartungen und ihrer Wahrnehmung von Blockchain-Technologie, deren derzeitiger Adaption sowie zu ihren Einschätzungen rund um das Thema Kryptowährungen befragt. Die Ergebnisse offenbaren ein scheinbar widersprüchliches Bild: Während die Blockchain vor allem im Vergleich zum Vorjahr immer deutlicher ins Bewusstsein der Unternehmenslenker rückt, klafft derzeit noch eine Lücke tatsächlicher An- und Zuwendung.

So schätzt mehr als die Hälfte der befragten Manager die Blockchain grundsätzlich als „für das Geschäft relevant“ ein. Weiterhin schätzt knapp ein Drittel der Finanzmanager, dass die Blockchain in den nächsten zehn Jahren einen starken Einfluss auf das Finanzgeschäft ausüben werde. Weitere zwei Drittel glauben, dass sie ihr Geschäftsmodell in den kommenden zehn Jahren mindestens „in mittlerem Umfang“ beeinflussen wird.


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Besonders Banker sind zuversichtlich. Knapp die Hälfte verspricht sich von DLTs langfristig ein Mittel zur Gewinnsteigerung.

Finanzbranche ohne Eile – Kryptowährungen „kein Risiko“

Trotz des hohen Zuspruches scheint sich die Branche dennoch auf keinen kommenden Kurswechsel einzustellen. Praktische Schlüsse verweilen auf der langen Bank, Handlungsbedarf scheint man derzeit nicht zu sehen.

So ergibt die Studie: Derzeit investiert nur ein Bruchteil des Finanzsektors, noch seltener wird das Geschäft auf die Technologie ausgerichtet. Nur knapp zwei Prozent der befragten Banken, Versicherer und Vermögensverwalter gibt an, Budgets von über 100.000 Euro in Forschung und Entwicklung der DLTs zu stecken. Mehr als die Hälfte investiert keinen Cent.

Ein ähnliches Bild bestätigt der Blick auf die Unternehmensstrategie. So ist für knapp zwei Drittel der Befragten die Etablierung von Blockchain-Lösungen kein Teil der Unternehmensausrichtung. Nur drei Prozent der Unternehmen geben an, bereits Blockchain-Lösungen in ihr Tagesgeschäft zu integrieren oder zu planen, dies zeitnah zu tun.

Zurückhaltung erfahren vor allem auch Kryptowährungen. 67 Prozent der befragten Finanzdienstleister gibt an, sich in den nächsten zwei Jahren „auf gar keinen Fall“ im Feld der digitalen Bezahlalternativen engagieren zu wollen. Ganze 83 Prozent schätzen sogar, dass weder Kryptowährungen noch ICOs in den nächsten zwei Jahren nennenswerte Einflüsse auf ihre Geschäftsfelder hätten. Diese waren im letzten Jahr vor allem von weltweiten Großbanken immer wieder für ihre Geschäftsportfolios in Betracht gezogen worden.

Zurückhaltung – Werden deutsche Unternehmen abgehängt?

Somit bestätigen die Ergebnisse dieser Woche abermals einen Trend der Zurückhaltung deutscher Unternehmen. Bereits im Februar hatte eine Umfrage des Branchenverbandes Bitkom ergeben, dass nur ein Bruchteil der Unternehmen bei der Adaption der Technologie vorprescht. Knapp die Hälfte hatte sich als Nachzügler auf dem Gebiet bezeichnet.

Während jedoch weltweit immer mehr Banken und Finanzinstitute ihre Augen fest auf die Blockchain und deren Potentiale künftiger Marktumwälzungen legen und große Summen in deren Entwicklung pumpen, drängt sich eine wegweisende Frage auf. Werden deutsche Unternehmen von der internationalen Konkurrenz abgehängt?

Hier ist sich Dr. Thomas Schönfeld, Leiter der Abteilung für Blockchain-Forschung von PwC, sicher. Zwar sei eine anfängliche Abwartehaltung verständlich, dennoch werde die Blockchain „die Finanzindustrie verändern“.

„Daran kann es wenig Zweifel geben. […] Wer in fünf Jahren mit dabei sein möchte, muss folglich jetzt beginnen, seine Ziele zu bestimmen“,

veranlassen die Ergebnisse der Studie ihn zu mahnenden Worten. Für deutsche Unternehmen gelte es schon heute, die strategischen Weichen zu stellen, so Schönfeld.

Den gleichen Ton schlägt auch Bitkom-Chef Achim Berg an. Zwar führe Deutschland in Forschung und Entwicklung, dennoch mahnt auch er:

„Niemand, der auch morgen noch Geschäfte machen will, kann es sich heute leisten, auf Zukunftstechnologien zu verzichten.“

BTC-ECHO

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