Interview mit Dr. Dominik Stroukal “Bitcoin muss benutzerfreundlicher werden”

Der neue Bullrun steht bevor. Warum Bitcoin die beste Exit-Option aus dem Fiatsystem ist – und die BTC-Community auch toxische Maximalisten braucht.

Tobias Zander
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Beitragsbild: Dominik Stroukal

| Universitätsdozent Dominik Stroukal ist Bitcoiner der ersten Stunde

Prag entwickelt sich immer mehr zur Bitcoin-Hauptstadt Europas. Das zeigte sich kürzlich auf der BTC Prague, die über zehntausend Teilnehmer aus aller Welt begeisterte. Einer der wichtigsten Vertreter der tschechischen Bitcoin-Community ist Dr. Dominik Stroukal. Schon 2013 diskutierte er mit seinen Studierenden über die Kryptowährung. Heute lehrt der erfolgreiche Autor an der Metropolitan University Prague und berät die Regierung als Mitglied des Wirtschaftsrats. Im Gespräch mit BTC-ECHO erklärt er, warum Bitcoin die beste Exit-Option aus unserem vermeintlich korrumpierten Geldsystem ist. Und auch: Weshalb es sowohl Nice Guys als auch toxische Maximalisten wie Michael Saylor braucht.

Dominik, du bist seit über einem Jahrzehnt Teil der tschechischen BTC-Community. Zugleich erklärst du als Universitätsdozent deinen Studierenden das Thema. Warum ist es wichtig, über Kryptowährungen zu unterrichten?

Es hat sich wirklich vieles verändert, wenn man 2013, 2017 und 2024 vergleicht. Zu Beginn wusste fast niemand etwas über Bitcoin. Die Fragen 2013 waren meist: Was ist das? Ist es Geld? Wie kann ich es minen? Und ich habe versucht zu erklären, dass es kein Scam ist. Im Jahr 2017 war die Debatte schon anders. Wenn ich einen Vortrag über Bitcoin hielt, wussten die Leute bereits, dass es existiert und dass es wohl kein Scam ist. Aber was ist mit dem Rest, all diesen anderen Blockchains und Altcoins? Es war ein großes Durcheinander, sodass man als Experte erklären musste, was davon Sinn ergibt und was nicht.

Und heute?

Heutzutage sind wir uns in der Wissenschaft grundsätzlich einig, dass Bitcoin sinnvoll ist und dass es große Unterschiede zwischen Bitcoin und anderen Altcoins gibt. Früher behaupteten viele, dass wir im Jahr 2020 Blockchain-Städte bauen werden und jeder Blockchain für alles verwenden wird. Das ist nicht eingetreten. Deshalb können wir uns jetzt darauf konzentrieren, wie Bitcoin die Gesellschaft positiv beeinflussen kann. Spannend ist vor allem, wie BTC in unser monetäres, wirtschaftliches und politisches Puzzle passt. Die Studierenden fragen mich nicht mehr, ob es ein Scam ist oder wer dieser Typ namens Satoshi Nakamoto ist. Sie interessieren sich eher für Regulierung und wie Regierungen damit umgehen sollten. Sie wollen also wissen, wie man in einer Welt mit Bitcoin lebt.

Worauf fokussierst du dich in deinen Vorlesungen?

In meiner akademischen Laufbahn habe ich noch nie zwölf Wochen lang nur über Bitcoin unterrichtet. Es gibt definitiv Leute, die die Technologie besser verstehen und ich bin letztlich nur Ökonom. Deshalb spreche ich meist allgemeiner über alternative Währungen und Bitcoin ist dann eine von zwölf Ideen dazu, wie man ein anderes Geld haben kann. Ich erkläre, wie unser heutiges Geld funktioniert, und stelle das dann mit einigen Ideen aus der Geschichte und der Gegenwart infrage. Man kann zum Beispiel mit Robert Owen und den Labour Vouchers beginnen und danach die utopischen Marxisten betrachten, die überhaupt kein Geld verwenden wollten. Aber dann gibt es auch den Goldstandard oder Diskussionen über Free Banking. Bitcoin ist natürlich eines der Themen, aber vor kurzem habe ich genauso CBDCs als neue Technologie in den Lehrplan aufgenommen.

“Ich würde nicht darauf wetten, dass Bitcoin direkt zur Währung wird”

Es gibt immer noch begeisterte Goldanhänger wie Peter Schiff. Warum glaubst du, dass Bitcoin in einem Wettbewerb mit Gold erfolgreich ist?

Das kann niemand wissen, vielleicht wäre es im Moment auch gar nicht so. Ich bin ein großer Fan von Bitcoin, aber es ist immer noch nicht sehr benutzerfreundlich. Und nicht verständlich genug für die Generation meiner Eltern, die etwa 60 sind. Sie sind schlau und wissen, wie man mit Computern und dem Internet umgeht. Aber Private Keys und QR-Codes sind für sie eine Art schwarze Magie. Sie mögen Intermediäre und fassen Geld gerne an, weshalb sie Gold vermutlich besser verstehen. Das Durchschnittsalter hier in Tschechien liegt bei 45 Jahren. Wenn du also den roten Knopf drücken und das heutige Geldsystem zerstören würdest, dann würde ich nicht darauf wetten, dass Bitcoin direkt zur Wert- oder Währungseinheit wird. Heute würde ich eher auf Goldbarren setzen. Aber Bitcoin hat alle guten Eigenschaften hat, um eines Tages der Plan B zu werden. Um das zu werden, woran man zuerst denkt, wenn man ein anderes Geld benötigt.

Welche Fortschritte siehst du bei Bitcoin in Bezug auf die Massentauglichkeit?

Bitcoin ist zwar immer noch nicht benutzerfreundlich genug, aber 10.000 Mal benutzerfreundlicher als 2013. Bei der ersten Vorlesung über Bitcoin an der University of Economics hier in Prag war Slush dabei. Und wir beide wollten den Studierenden erklären, wie genau man Bitcoin verwahrt. Es war aus unserer Sicht ziemlich einfach, denn man musste ja “nur” eine neue Linux-Installation starten, am besten auf einem neuen Kompaktcomputer, der noch nie mit dem Internet verbunden war und dann konnte man die Private Keys auf einem Nicht-Wi-Fi-Drucker ausdrucken. Wir haben damals auch einen Trezor-Prototypen vorgestellt, aber jetzt ist natürlich alles viel leichter als damals.

“Ich sehe mich als Maximalist”

Auf der Rednerliste der BTC Prague sind viele überzeugte Bitcoin-Maximalisten wie Michael Saylor. Siehst du einen Platz für Altcoins?

Wir hatten einmal eine Debatte hier in Prag, bei der an einem Tisch alle von den begeisterten Altcoinern bis hin zu den toxischen Bitcoin-Maximalisten saßen, und ich saß direkt neben Letzteren. Ich sehe mich als Maximalist, aber ich muss nicht toxisch sein, zumal ich die anderen Coins nicht gut genug kenne. Ich weiß zu wenig darüber, was Solana macht, und deshalb will ich nicht dagegen polemisieren. Aber trotzdem verstehe ich die Rolle der toxischen Bitcoin-Maximalisten in der Community, denn man muss auch einige von diesen Typen haben. Es braucht die netten Leute, die ihren Mitmenschen langsam und geduldig die Ideen erklären. Aber man benötigt zugleich auch solche Typen, die einem verbal ins Gesicht schlagen, wie es Michael Saylor tut.

Du hast bereits die tschechische BTC-Community erwähnt. Warum hat ein so kleines Land überhaupt eine so dynamische Bitcoin-Landschaft?

Der Startpunkt war der berühmte Slush Pool, der erste Bitcoin-Mining-Pool im Jahr 2010. Dann gab es 2011 die erste europäische Konferenz über Bitcoin hier in Prag mit Tickets für 15 bis 50 Bitcoins das Stück. Bekanntlich verlor Marek “Slush” Palatinus seine 3.094 Bitcoin an einer Krypto-Börse, weshalb er Trezor mitgründete und die Hardware-Wallet-Entwicklung vorantrieb.

Im Jahr 2014 begann General Bytes mit der Entwicklung von Bitcoin-ATMs und wurde bald zum größten Unternehmen der Welt in diesem Bereich. Dann kamen 2016 Künstler und schufen hier viel Kunst mit Bitcoin. Und 2017 hatten wir den Blocksize War, wobei Slush eine der wichtigsten Stimmen in der Debatte war Müsste ich also auf die Frage mit einem Wort antworten, würde ich sagen: Slush. Aber hier in Prag haben wir auch genug Wohlstand, viele Intellektuelle und technisch Hochbegabte. All das hat positiv zusammengewirkt.

“Ich betrachte Bitcoin als einen Plan B”

Sowohl der Euro als auch die tschechische Krone haben zuletzt deutlich an Kaufkraft verloren. Treibt der Inflationsdruck die Menschen zu Bitcoin?

Je schlechter das Geld ist, das wir haben, desto mehr Menschen suchen nach Alternativen. Deshalb habe ich Bitcoin immer als einen Plan B betrachtet. Das ist auch der Grund, warum alternative Währungsideen nach der Finanzkrise 2008 so beliebt waren. All die lokalen Währungsbewegungen, Vollgeld oder Geld, das automatisch an Wert verliert. Nach der Pandemie geriet unser Geldsystem erneut ins Wanken, also suchen wir wieder nach Alternativen. Bei Bitcoin ist es insofern etwas komplizierter, weil der Großteil der Nachfrage eher von Leuten kam, die nach einem alternativen Asset suchten, nicht nach einem besseren Geld. Das gefällt mir zwar nicht, aber ich kann es auch nicht ändern.

Werden wir die Bitcoin-Zyklen immer wieder aufs Neue erleben?

Ökonomisch betrachtet machen diese Vier-Jahres-Zyklen nach den Bitcoin-Halvings eigentlich keinen Sinn. Aber an den Märkten gibt es durchaus auch solche kollektiven Täuschungen. Wenn wir also kollektiv denken, dass ein Narrativ sinnvoll ist, dann erschaffen wir dadurch eben dieses Narrativ. Einige Leute haben mich in der Vergangenheit angegriffen, weil ich das Stock-to-Flow-Modell kritisiert habe, das meiner Ansicht nach unlogisch ist. Wir haben das auf dem Trezor-Blog veröffentlicht und die Leser haben mir daraufhin sehr erboste Tweets und Direktnachrichten geschrieben. Ich halte das Modell immer noch für Unsinn, aber wenn alle daran glauben, dann funktioniert es trotzdem. Es wird also zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung.

“Bitcoin kommt in aller Stille”

Welche Bedeutung hat Bitcoin in zehn Jahren in unserer Welt?

Im Jahr 2014 dachte ich, dass wir heute bereits die Hyperbitcoinisierung haben würden und jeder Bitcoin im Alltag verwendet. Inzwischen glaube ich an Evolution statt Revolution denke deshalb nicht, dass das in den nächsten zehn Jahren passiert. Aber: Bitcoin könnte auf ähnliche Art und Weise Einzug in das Geldsystem halten, wie Gold damals gegangen ist. Das heißt in aller Stille, denn die breite Öffentlichkeit hat es 1971 nicht einmal bemerkt.

Der wichtigste Vorteil von Bitcoin gegenüber Fiat und auch Gold: Es ist einfacher, auszusteigen und die Kontrolle über seine Private Keys zu haben. Die meisten Menschen wollen Drittparteien in der Finanzwelt, weil sie dann bei einem Fehler nicht selbst die Verantwortung tragen müssen. Und die Mehrheit wird auch unter einem Bitcoin-Standard genau wie jetzt digital bezahlen und sich nicht groß darum kümmern, was eigentlich in den Bilanzen dahinter passiert. Aber Menschen wie du und ich, die darauf Wert legen, können dank Bitcoin-Selbstverwahrung die absolute Kontrolle über ihr Geld haben.

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