Libra im Verhör: Internationale Datenschützer veröffentlichen gemeinsamen Fragenkatalog

Quelle: Shutterstock

Libra im Verhör: Internationale Datenschützer veröffentlichen gemeinsamen Fragenkatalog

Facebook hat noch längst nicht alle Fragen hinsichtlich seiner geplanten plattformeigenen Kryptowährung Libra beantwortet. Internationale Datenschützer haben nun einen gemeinsamen Fragenkatalog verfasst, mit dem sie dem Facebook Coin aus datenschutzrechtlicher Sicht auf den Zahn fühlen möchten. Zu den Unterzeichnern gehört auch der oberste Datenschutzbeauftragte der Europäischen Union, Giovanni Buttarelli.

Facebook hat mit der Ankündigung seiner Kryptowährung Libra nicht nur Finanzaufsichtsbehörden dieser Welt aufgeschreckt. Auch Datenschutzbeauftragte haben noch viele Fragen zum „Facebook Coin“. Die australische Datenschutzbehörde OAIC hat gemeinsam mit der Datenschutzaufsicht aus Großbritannien sowie weiteren internationalen Regulierern einen Fragenkatalog für Projekt Libra entwickelt. Das hat das OAIC am 6. August auf seiner Website mitgeteilt:

Als Vertreter der globalen Gemeinschaft der Datenschutz- und Strafverfolgungsbehörden, die gemeinsam für die Förderung der Privatsphäre von vielen Millionen Menschen auf der ganzen Welt verantwortlich sind, kommen wir zusammen, um unsere gemeinsame Besorgnis über die Risiken für die Privatsphäre zum Ausdruck zu bringen, die von der digitalen Währung und Infrastruktur von Libra ausgehen.

Dieses „Wir“ umfasst neben den Initiatoren aus Australien und Großbritannien Datenschutzbeauftragte aus der USA, Kanada, Albanien und Burkina Faso. Auch die Europäische Union ist mit ihrem obersten Datenschutzbeauftragten, Giovanni Buttarelli, vertreten.

Libra auf dem Seziertisch

Dabei treibt die Datenschützer vor allem der Umstand um, dass Facebook mit seiner großen Reichweite praktisch über Nacht zu einem globalen Custodian für Millionen von Menschen werden kann. Und das auch in Ländern, in denen Datenschutz eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Beteiligung von Facebook Inc. als Gründungsmitglied der Libra Association hat das Potenzial, die schnelle Akzeptanz durch die Verbraucher auf der ganzen Welt zu fördern, auch in Ländern, in denen möglicherweise noch keine Datenschutzgesetze gelten. Sobald das Libra-Netzwerk in Betrieb geht, kann es sofort zum Verwalter der personenbezogenen Daten von Millionen von Menschen werden.

Bislang habe Facebook noch nicht erklärt, wie es für einen ausreichenden Datenschutz in Libra sorgen will.

Bislang haben Facebook und Calibra [eine von Facebook gegründete Tochtergesellschaft für den Betrieb von Calibra] zwar allgemeine Erklärungen zum Datenschutz abgegeben, aber sie haben es versäumt, sich speziell mit den Praktiken im Umgang mit Informationen zu befassen, die zum Schutz und zur Sicherung personenbezogener Daten eingeführt werden.

Ein halbes Dutzend Fragen


[Anzeige]
Bitcoin kaufen mit dem Bitwala Konto. Warum ein Bankkonto bei Bitwala? Ein Bankkonto “Made in Germany” mit Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro; 24/7 Bitcoin Handel mit schneller Liquidität; Gehandelt werden ausschließlich ‘echte’ Bitcoin – keine Finanzderivate wie CFDs; Sichere Nutzerkontrolle über das Bitcoin Wallet und den private Schlüssel; Mit der kontaktlosen Debit-Mastercard weltweit abheben und bezahlen.

Jetzt kostenloses Konto eröffnen

Der internationale Zusammenschluss von Datenschützern hat deshalb ein halbes Dutzend Fragen an das Libra-Netzwerk formuliert.

  1. Wie können die globalen Datenschutz- und Strafverfolgungsbehörden darauf vertrauen, dass das Libra-Netzwerk über solide Maßnahmen zum Schutz der personenbezogenen Daten der Netznutzer verfügt?
  2. Wie wird das Libra-Netzwerk die Grundsätze des Datenschutzes bei der Entwicklung seiner Infrastruktur berücksichtigen?
  3. Auf welche Weise wird die Libra Association sicherstellen, dass alle Datenverarbeiter innerhalb des Libra-Netzwerks identifiziert werden und ihren jeweiligen Datenschutzverpflichtungen nachkommen?
  4. Wie plant das Netzwerk Datenschutzauswirkungen zu bewerten, und wie wird das Libra-Netzwerk sicherstellen, dass diese Bewertungen fortlaufend berücksichtigt werden?
  5. Wie wird das Netzwerk sicherstellen, dass seine Datenschutz- und Datenschutzbestimmungen, -standards und -kontrollen in allen Rechtsordnungen einheitlich für die Aktivitäten des Libra-Netzwerks gelten?
  6. Den Datenaustausch zwischen Mitgliedern des Libra-Netzwerks betreffend:
    a. Welche Daten werden involviert sein?
    b. Inwieweit erfolgt eine De-Identifizierung und mit welcher Methode?
    c. Wie wird das Libra-Netzwerk sicherstellen, dass Daten nicht erneut identifiziert werden […]?

Offene Fragen abseits des Datenschutzes

Facebook hat auch jenseits der Gewährleistung des Datenschutzes noch viel Aufklärungsbedarf zu leisten. Nicht nur der deutsche Finanzminister Olaf Scholz sieht in Libra eine Gefahr für das staatliche Geldmonopol. Auch im britischen Parlament wurden ähnliche Bedenken laut. Libra vermittele den Eindruck, als plane Facebook, sich in ein eigenes Land zu verwandeln, meint etwa der konservative Parlamentarier Damian Collins. In den USA haben bereits zahlreiche Politiker Sorge bezüglich des Facebook Coins geäußert. Teile der demokratischen Partei liebäugeln mit einem generellen Verbot sogenannter „Konzernwährungen“.

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Ardor Blockchain: Full Node auf dem Smartphone
Ardor Blockchain: Full Node auf dem Smartphone
Blockchain

Jelurida ist ein Schweizer Start-up, das allen voran für Blockchain-Implementierungen wie Ardor und Nxt bekannt ist. In Sachen Dezentralisierung bewegt sich das Unternehmen nun voran: Ab sofort sollen Nutzer die Ardor Blockchain auch von Android Smartphones aus verifizieren können.

Bitmain eröffnet Bitcoin-Mining-Anlage in Texas
Bitmain eröffnet Bitcoin-Mining-Anlage in Texas
Mining

Der Mining-Chip-Hersteller Bitmain baut seine Präsenz in den USA weiter aus. Hierfür nahm er eine weitere Anlage für das Minen von Bitcoin in Betrieb. Diese könnte einst zur „größten Bitcoin-Mining-Anlage der Welt“ heranwachsen.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Ardor Blockchain: Full Node auf dem Smartphone
Ardor Blockchain: Full Node auf dem Smartphone
Blockchain

Jelurida ist ein Schweizer Start-up, das allen voran für Blockchain-Implementierungen wie Ardor und Nxt bekannt ist. In Sachen Dezentralisierung bewegt sich das Unternehmen nun voran: Ab sofort sollen Nutzer die Ardor Blockchain auch von Android Smartphones aus verifizieren können.

Olympische Spiele: Lead Real Estate tokenisiert Immobilien in Tokio
Olympische Spiele: Lead Real Estate tokenisiert Immobilien in Tokio
STO

Tokio ist im kommenden Jahr 2020 Austragungsort der Olympischen Sommerspiele. Das Sportevent treibt den Immobillienboom in der japanischen Hauptstadt voran. Daher führt das Unternehmen Lead Real Estate die Tokenisierung von Immobilien durch.

Bitmain eröffnet Bitcoin-Mining-Anlage in Texas
Bitmain eröffnet Bitcoin-Mining-Anlage in Texas
Mining

Der Mining-Chip-Hersteller Bitmain baut seine Präsenz in den USA weiter aus. Hierfür nahm er eine weitere Anlage für das Minen von Bitcoin in Betrieb. Diese könnte einst zur „größten Bitcoin-Mining-Anlage der Welt“ heranwachsen.

Frax: Der Stable Coin von Ex-Trump-Berater Moore
Frax: Der Stable Coin von Ex-Trump-Berater Moore
Insights

Ein ehemaliger Berater von US-Präsident Donald Trump möchte nun seinen eigenen Stable Coin auf den Markt bringen. Der Krytpo-Neuzugang soll an eine fraktionale Reserve an den US-Dollar angebunden sein und auf den Namen „Frax“ hören. Was hat Frax zu bieten?

Angesagt

Bitcoin-Kurs- und Marktbetrachtung: BTC bald wieder über 10.000 US-Dollar?
Kursanalyse

Die aktuelle Kursentwicklung vom Bitcoin-Kurs sieht danach aus, als könnte im November der Kurs auf 11.700 US-Dollar steigen. XRP kann sich trotz eines negativen Quartalsbericht zu Ripple über ein Kursplus von 20 Prozent freuen. Ethereum schließlich schwächelt, könnte aber auch langfristig die 320 US-Dollar anpeilen. 

Bitcoin, Community und DIY-Kultur – Was die Lightning Conference besonders machte
Szene

Am 19. und 20. Oktober versammelte Fulmo die Lightning Community zur Lightning Conference. Dieses Event, in der Tradition der Lightning Hackdays stehend, war von einem starken DIY-Charakter geprägt. Dieser Charakter zeigte sich besonders in Hacking Sessions wie dem „Quickening“.

Altcoin-Marktanalyse: Rückblick auf eine ruhige Woche im Krypto-Markt
Kursanalyse

Die Leitwährung Bitcoin beendete nach erfolgreicher Verteidigung der 7.800-US-Dollar-Marke die vergangene Woche bei 8.233 US-Dollar. Bei den Top-10-Altcoins verzeichneten diese Woche sieben der zehn Kryptowährungen ein Kursplus. Die aufgestellte Vermutung, dass die größte Gefahr einer weiteren Konsolidierung vorerst geringer scheint, bewahrheitet sich aktuell.

Von wegen Hype: Killerapp Blockchain Banking
Sponsored

Keine Frage: Bitcoin ist gekommen, um zu bleiben. Allein, bislang muss man Apps, die das „digitale Gold“ in den Alltag integrieren, noch mit der Lupe suchen – aber es gibt sie. Ein besonders vielversprechendes Anwendungsgebiet ist die Verknüpfung von Bitcoin Wallet und Bankkonto: Eine potenzielle Killerapp für Bitcoin und Blockchain-Technologie kommt aus Deutschland.

×
Anzeige