China verstehen: Warum die chinesische Blockchain-Strategie unserer überlegen ist

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

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Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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China, Blockchain
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Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping betonte vergangene Woche, dass die Blockchain-Technologie eine große Rolle in der Zukunft des Landes spielen wird. Seitdem steht das Reich der Mitte im Fokus der Krypto-Berichterstattung. Warum China das Konzept der Dezentralität auf den Kopf stellt und warum chinesische Blockchain-Unternehmen gegenüber europäischen und amerikanischen im Vorteil sind. Ein Kommentar.

Nachdem China 2017 nicht nur Initial Coin Offerings (ICOs), sondern auch Trading an Bitcoin-Börsen verboten hatte, wurde es in Sachen „Krypto“ ruhig um das Land der Mitte. In den letzten zwei Jahren konnte für Beobachter im Westen der Eindruck entstehen, dass China nur beobachtend an der Seitenlinie stand. Eine Annahme, die sich als falsch erwiesen hat.

China war nie weg gewesen

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Tatsächlich war China immer hochaktiv in der Blockchain-Forschung gewesen, nur eben „unter dem Radar“. Während in Europa und USA jede noch so kleine Blockchain-Initiative die Runde machte, war es um chinesische Krypto-Projekte eher still. Nur wenige Informationen und wenn, dann von den großen Blockchain-Protokollen wie NEO oder Tron, haben es regelmäßig an die Oberfläche bzw. gen Westen geschafft. In der Zwischenzeit sind laut staatsnahen Medienberichten über 700 Blockchain-Unternehmen im Reich der Mitte entstanden. Auch sollen seit der ersten Jahreshälfte bereits über 12 Blockchain-Gesetze und Richtlinien von staatlicher Seite erlassen worden sein.

China im Spannungsverhältnis zwischen zentraler Kontrolle und dezentraler Ökonomie

Dass China wie andere autokratisch regierte Länder es sehr kritisch sieht, wenn sich dezentrale Netzwerke außerhalb der staatlichen Einflusssphäre bilden, ist kein Wunder. Stößt die Krypto-Ökonomie doch selbst in demokratischen Ländern schnell auf Widerstand. Ganz gleich, ob es sich um Zahlungsnetzwerke wie Bitcoin, Finanzierungsvehikel wie bei ICOs oder andere dezentrale Applikationen handelt – das Argwöhnen des Staates ob dieser nur schwer kontrollierbaren (bzw. zensierbaren) Technologien ist oftmals groß.

Auf der anderen Seite hat China verstanden, dass in Zukunft ein immer wesentlicher Teil der Wertschöpfung von Blockchain- und Token-Lösungen abgewickelt wird. Für das chinesische Bestreben, die Weltmacht USA von der Spitze zu verdrängen, ist es hilfreich, massiv auf Blockchain zu setzen. So wird die anfangs kritisch beäugte Blockchain zur großen Chance für China. Es geht um nichts Geringeres, als die Deutungshoheit im digitalen Wertschöpfungsdiskurs zu bekommen. War das Internet und das sich anschließende Web 2.0 stark amerikanisch geprägt, wird es die Blockchain nicht mehr sein.

Auch geht es in diesem Kontext, um das Aufbrechen der westlich dominierten Finanzhegemonie. Die Finanzplätze Wall Street oder City of London werden durch die Token-Ökonomie in Frage gestellt. Wo in 15 Jahren die Finanzzentren dieser Welt liegen, wird unter anderem durch die Krypto-Ökonomie neu entschieden.

Wenn Individualismus und Kollektivismus aufeinander prallen

Wenn in China von Blockchain die Rede ist, geht es nicht um das sogenannte „Empowerment“ der Bevölkerung. Es geht nicht primär darum, Mittelsmänner zu umgehen oder Privatsphäre zu gewährleisten. Das Gegenteil ist der Fall. Blockchain soll die staatlichen Kontrollmöglichkeiten weiter ausbauen. Es gilt, Transparenz über die Bürger zu schaffen, um jederzeit die volle Kontrolle über alle menschlichen oder maschinellen Transaktionen zu haben. Die Kommunistische Partei sitzt weiter an den Hebeln der Macht – Dezentralisierung findet nur auf Ebene der Datenerhebung statt.

Nun drängt sich die Frage auf, warum China überhaupt Blockchain fördert, wenn elementare Grundpfeiler der Technologie der Regierung ein Dorn im Auge sind. Um dies zu verstehen, ist es wichtig, sich von der ursprünglichen Autonomie-Konnotation rund um Blockchain zu lösen. So entstand in den Krypto-Anfängen das Narrativ be your own bank. Ergänzt hat man das um die Datenhoheit des Individuums und die Re-Dezentralisierung des Web 2.0. Diese vor allem westlich geprägte Sichtweise kollidiert mit dem Blockchain-Verständnis, das der chinesischen Staatsdoktrin zugrunde liegt.

Worum es eigentlich geht: Die Smart Economy

Anstatt die Autonomiebestrebungen der Berliner Start-up-Entrepreneure zu unterstützen, die sich am aufgeklärten Digital-Individuum bemessen, geht es China um eine radikal effiziente Volkswirtschaft. Unter der Annahme, dass sich unsere gesamte Wirtschaft durch das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz und Virtual Reality massiv weiter digitalisieren und automatisieren wird, braucht es eine Infrastruktur, die diese digital getriebene Dezentralisierung abbilden kann. Dezentralisierung ist in dem Fall nicht ein Produkt der Blockchain-Technologie, sondern das Ergebnis einer Smart Economy. Darunter kann man die maximale Vernetzung, Automatisierung und Machine-to-Machine-Kommunikation zusammenfassen.

Wenn also alles mit allem interagiert und Transaktionen abwickelt, dann braucht es auch eine Infrastruktur, die Smart Contracts sicher ausführen kann. Dann muss das autonom fahrende Fahrzeug mit anderen Maschinen kommunizieren können, die Paket-Drohne muss selbstständig Rechnungen ausstellen können und der aus dezentralen Energiequellen stammende Strom muss auf dezentralen Energiebörsen gehandelt werden. Der höhere Grad an Digitalisierung ermöglicht es, dezentralere Strukturen immer effizienter abzubilden. Es findet also ein immer stärkerer Wechsel von zentralen hin zu dezentralen Steuerungssystemen statt. Nicht aus politischem Willen oder ideologischer Überzeugung, sondern aus reiner Markteffizienz.

Konditionierung durch Blockchain Tracking

China, das bereits führend im Bereich Big Data ist und folglich auch sehr gute Chancen hat, den Bereich Künstliche Intelligenz global zu dominieren, sieht in der Blockchain eine Schlüssel-Technologie. Die Implementierung dezentraler Infrastrukturen ermöglicht China, den nächsten Schritt an Automatisierung und Datenkollektivismus zu gehen. In dieser Digital-Ökonomie blickt China aus der Vogelperspektive auf alle Transaktionsflüsse, die Blockchains abwickeln.

Das holistische Tracking-Modell, also das Nachverfolgen jeder stattfindenden Interaktion und Transaktion, ermöglicht eine beschleunigte Weiterentwicklung von anderen Zukunftstechnologien, wie eben Künstliche Intelligenz. Auch die paternalistische Konditionierung der Zivilgesellschaft wird bereits durch Blockchain-Applikationen gezielt verstärkt. So ermöglicht eine dApp den Parteimitgliedern, ihre Treue zur Kommunistischen Partei (KP) auf einer Blockchain zu speichern. Dieses Treuebekenntnis kann dann von anderen geteilt und eingesehen werden, insbesondere von der chinesischen Regierung.

Teil der Blockchain-Realpolitik: Das passende Ökosystem

Die Blockchain-Unternehmen dürften sogar von der autokratischen Staatsführung profitieren. China ist viel eher in der Lage als Europa oder die USA, strategische Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft zu schaffen. Während Deutschland mit seinen inkrementellen Fortschritten viel Zeit benötigt, bis die Punkte der kürzlich verabschiedeten Blockchain-Strategie auch wirklich umgesetzt werden, kann China von oben nach unten „durchregieren“. Die chinesische Staatsführung muss viel weniger Rücksicht auf Partikularinteressen und föderale Strukturen nehmen als beispielsweise die Bundesregierung.

Vor diesem Hintergrund erscheint es plausibel, dass China deutlich konsequenter und schneller Blockchain-Standardisierung und Tokenisierung betreibt. China kann eher als Europa die digitalen Schnittstellen schaffen, die notwendig sind, um Blockchain-Infrastrukturen wirtschaftlich zu adaptieren. Chinesischen Blockchain-Protokollen dürfte es leichter fallen, in Zukunft auf ein funktionierendes Krypto-Ökosystem zu stoßen. Selbst, wenn sich chinesische Blockchain-Protokolle nicht in Europa oder USA durchsetzen, kann das dem chinesischen Staat relativ egal sein. Mit über 1,4 Milliarden Einwohnern kann es sehr gut eine Krypto-Ökonomie im eigenen Land schaffen. Mit dem Vorstoß einer digitalen Zentralbankwährung hat China bereits den Grundstein gelegt. Gemeinsam mit Unternehmen wie Tencent und Alibaba wird China den digitalen Yuan im Land verteilen. Der staatlich verordneten Token-Ökonomie steht also nichts mehr im Wege.

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