Bitcoin: Bärenstark trotz Bärenmarkt – Das Meinungs-ECHO KW43

Christopher Klee

von Christopher Klee

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Christopher Klee

Christopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

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Bitcoin steht kurz vor seinem zehnten Geburtstag. Trotz des Bärenmarktes blicken die Kommentatoren optimistisch in die Zukunft von Bitcoin & Co. Das Meinungs-ECHO.
Bodenbildung durch Bitcoin Mining

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tanja Giese

Bodenbildung durch Bitcoin Mining

Ein bearishes Krypto-Jahr neigt sich langsam seinem Ende zu. Der beinahe zehnjährige Bitcoin hält wacker die Stellung und scheint langsam, aber sicher, der Pubertät entwachsen zu sein; zumindest zeigt er sich deutlich weniger wankelmütig als noch zu Jahresbeginn. Auch in der vergangenen Woche „bewegte“ sich der BTC-Kurs solide zwischen 6.400 US-Dollar und 6.500-US-Dollar.

Da geht mehr, findet Tom Lee, Wallstreet Analyst und Mitbegründer der Marktforschungsfirma Fundstrat. Lee ist bekannt für seine unverrückbar bullishe Haltung gegenüber Bitcoin und findet, dass die aktuelle Bärenstimmung unter den Investoren nicht gerechtfertigt sei – und widerspricht sich im Folgesatz. So sagte er gegenüber dem YouTube-Kanal „Crypto Tips“:

„Die Menschen sind zu bearish. Sie sind bearish, weil es Sinn macht. Sie wissen, dass die Marktbedingungen schrecklich waren und wir [der Bitcoin-Kurs] unter unserem 200-Tage-Durchschnitt liegen.“


So weit, so widersprüchlich. Lee nimmt hier Bezug auf eine Analyse von Fundstrat. Diese hat ergeben, dass der Bitcoin-Kurs, wenn er unter seinem 200-Tage-Durchschnitt liegt, in den folgenden sechs Monaten nur in 50 Prozent der Fälle steigt. Liegt der Kurs jedoch über diesem Durchschnitt, stehen die Wachstumschancen laut Fundstrat bei 80 Prozent. Lee bleibt trotzdem Bulle. Er sieht den Bitcoin-Boden derzeit bei 6.000 US-Dollar – genau so hoch wie die aktuelle Gewinnschwelle (break-even Point) für das Mining von einem BTC. Ende 2018 soll diese bei 8.000 bis 9.000 US-Dollar liegen und damit Lees bekannter 20.000 US-Dollar Prognose buchstäblich den Boden bereiten.

Bärenstark trotz Bärenmarkt

Auch Joseph Lubin zeichnet ein optimistisches Bild von der Zukunft von Bitcoin & Co. Obwohl die Entwicklung der Gesamtmarktkapitalisierung der Kryptowährungen in diesem Jahr einen anderen Eindruck vermittelt, sieht  der Ethereum-Mitbegründer den Krypto-Markt als „stärker denn je“. Lubin begründet diese zunächst befremdlich anmutende Einschätzung gegenüber CNBC so:

„Digitale Währungen stehen nicht am Rande eines Kollapses. Wir haben in den letzten fast zehn Jahren viele Booms und Pleiten in unserem Ökosystem gesehen, und unser Ökosystem war nie stärker als heute. Ich messe das an der Anzahl der Projekte, der Anzahl der Menschen, die in den Raum gezogen wurden, Unternehmer, Entwickler. Seine Größenordnung ist größer als früher, und die grundlegende Struktur wird aufgebaut.“

Nigel Green, CEO der Finanzberatungsfirma deVere, sieht das ähnlich – und macht eine gewagte Prognose. So sei ein Wachstum des Krypto-Marktes im zweiten Jahrzehnt n. BTC (nach Bitcoin) um 5.000 Prozent zu erwarten. Die Bitcoin-Dominanz werde dabei sinken,

„denn mit zunehmender Masseneinführung von Kryptowährungen werden immer mehr digitale Assets auf den Markt gebracht – von Organisationen im privaten und öffentlichen Sektor. Dies wird den Wettbewerb um Bitcoin verstärken und seinen Marktanteil verringern.“

Green beobachtet eine beginnende Abkehr von Fiatwährungen, die sich in den nächsten zehn Jahren noch beschleunigen werde. Die Zukunft des Geldes ist Krypto, das kapieren langsam auch die „zentralen“ Akteure:

„Eine wachsende Zahl von großen institutionellen und privaten Anlegern sowie Finanzinstituten und Aufsichtsbehörden wissen, dass Kryptowährungen die Zukunft des Geldes sind.“

Man werde den Krypto-Markt im Jahr 2028 „nicht wieder erkennen“, ist sich Green sicher.

Bitcoin-Lob von Steve Wozniak

Auch Apple-Mitbegründer Steve Wozniak hat vergangene Woche Bitcoin und der Blockchain-Technolgie Respekt gezollt. Auf dem Crypto Invest Summit in Los Angeles zog Wozniak den Vergleich mit der Frühphase der PCs. Bitcoin zeige, was mit der Blockchain-Technologie erreicht werden kann:

„Oh mein Gott, keine Kontrolle, nirgendwo. Und es funktioniert tatsächlich. Die Leute sagten in den ersten Tagen über Kleincomputer: ‚Das wird nichts. Kein großes Unternehmen würde in sie investieren.’ Meine Firma Hewlett Packard hat mich fünfmal zurückgewiesen.“

Die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten von Blockchain- und (anderen) Distributed-Ledger-Technologien faszinieren Wozniak. Allerdings werde sich nach und nach zeigen müssen, welche Ideen sich auch realisieren lassen. Das „Gewohnheitstier“ Mensch sei ein weiterer Faktor, der die Massenadaption in die Länge ziehen werde:

„Jede Blockchain-Anwendung, […] von der ich höre, [lässt mich denken] ‚Woah, das ist so faszinierend. Wird es tatsächlich funktionieren?’ […] schließlich läuft es darauf hinaus, welche funktionieren, und wir müssen einen Bowling-Pin nach dem anderen umwerfen. Und es kann eine Weile dauern, bis es losgeht, weil die Menschen ihre Gewohnheiten nicht leicht ändern können […]“

VISA bald auf Comedy Central?

Für jene, denen trotz dieser grundsätzlich positiven Prognosen noch immer der Bärenmarkt auf die Stimmung drückt, zum Schluss noch ein kleiner Scherz aus dem Hause VISA. Im Interview mit CNBC bezeichnet VISA-CEO Al Kelly Kryptowährungen als „keine Bedrohung“ für das Geschäftsmodell des Unternehmens. Dazu müsse deren Verwendung als Zahlungsmittel bedeutend wachsen. Sollte dieser Fall eintreten, sei VISA bereit, sich auch in Richtung Kryptowährungen zu orientieren. Kelly zeigt dabei, ähnlich der Konkurrenz von MasterCard, ein bestenfalls mangelhaftes Verständnis des „Prinzip Bitcoin“:

„Wir wollen mittendrin sein, […], in jedem Zahlungsstrom der Welt, unabhängig davon, wie es geschieht oder welche Währung dahinter steckt. Wenn wir also dorthin müssen, werden wir dorthin gehen.“

Eine romantische Utopie, die Kelly da entwirft. Ein globales, dezentrales P2P-Finanzsystem – und VISA ist der Mittelsmann, den keiner mehr braucht.

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