Stress ohne Grund: Wie JPMorgan-CEO Jamie Dimon an der Glaubwürdigkeit seiner Bank sägt

Quelle: shutterstock

Stress ohne Grund: Wie JPMorgan-CEO Jamie Dimon an der Glaubwürdigkeit seiner Bank sägt

Diese Woche gab es seit längerem mal wieder kryptoskeptische Aussagen von JPMorgan-CEO Jamie Dimon, einem der bekanntesten Bitcoin-Gegner. In der Vergangenheit hatte Jamie Dimon, gemeinsam mit anderen Größen aus dem Finanzsektor, gegen Bitcoin geschossen. In den letzten Monaten ist es allerdings, trotz eines schwachen Kryptomarkts oder vielleicht auch gerade deswegen, ruhiger geworden in Sachen Kritik gegenüber Kryptowährungen. Auch wenn sich inzwischen alle größeren Behörden, Konzerne und Finanzvorstände ernsthaft mit Bitcoin auseinandersetzen, hält das Dimon nicht davon ab krude Argumente gegenüber Bitcoin ins Feld zu führen. Doch es soll nicht darum gehen Jamie Dimon als Person ins Lächerliche zu ziehen, sondern vielmehr die Aussagekraft in den Kontext der Geschäftstätigkeit seiner Bank zu rücken.

Trotz des sich immer noch haltenden Credos im Bankensektor „Blockchain hui, Bitcoin pfui“ hat sich inzwischen doch einiges in Sachen Krypto-Offenheit getan. Dadurch, dass immer mehr Banken aktiv das Kryptowährungsgeschäft in ihr Dienstleistungsspektrum miteinbinden, befindet sich die Bitcoin-Kritik auch im konservativen Bankwesen auf dem Rückzug. Umso stärker fällt Jamie Dimon mit seinen Aussagen zu Bitcoin aus dem Rahmen. So beteuerte er auf der Gala-Feier des Aspen Institutes, dass er an seiner Aussage festhalte, dass Bitcoin ein Scam (Betrug) ist. Ergänzend fügte er hinzu, dass Kryptowährungen von der Regierung verboten werden sollten. Eine Aussage, die selbst die meisten Bitcoin-Gegner nicht von sich geben würden. Selbst diesen ist bewusst, wie unsinnig ein Verbot von Bitcoin ist.

Mit dem Kopf durch die Wand

Anstatt seine Aussagen zu relativieren, legte Dimon dann Anfang dieser Woche im Harvard Business Review nach und äußerte, dass Kryptowährungen nicht dasselbe sind wie Gold oder Fiatwährungen, da sie nicht von Gesetzgebern, der Polizei oder Gerichten unterstützt werden – ohne diese Aussage weiter auszudifferenzieren oder einzuordnen. Damit suggeriert Dimon, dass in seiner Welt Vermögenswerte erst dann existieren, wenn sie vollumfänglich reguliert sind. Diese einfache Weltsicht bzw. Unterteilung wird noch weiter ad absurdum geführt, indem er sich positiv zur Blockchain in Abgrenzung zu Kryptowährungen äußert. So heißt es im Interview, dass die Blockchain im Gegensatz zu Kryptowährungen real sei.

Dass die Blockchain im Gegensatz zu Bitcoin real sei, ist die wohl irreführendste Aussage, die Jamie Dimon bislang getroffen hat. Zumal er nicht wirklich erläutert, was für ihn real ist und was nicht. In einem Philosophieseminar an der Hochschule mögen solche Äußerungen vertretbar sein. Von dem Chef der größten Investmentbank sind solche Statements hingegen einfach nur peinlich.

Freilich ist es legitim, einzelne Aspekte der Krypto-Ökonomie zu kritisieren. Doch derartige Aussagen zeugen von einer schlichten Ignoranz und bestärken den Vorwurf, dass in den Elfenbeintürmen mancher Old-Economy-Institutionen kein Wille besteht, sich auf Veränderungen einzulassen.

Was heißt das für die Krypto-Adaption bei JPMorgan?

Sicherlich werden nicht alle Angestellten bei JPMorgan die Meinung ihres Chefs teilen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass Jamie Dimon den Ton vorgibt. Durch diese restriktive Haltung wird ein Klima der Verunsicherung erzeugt, das Mitarbeiter davon abhält innovative Lösungen zu Krypto-Dienstleistungen zu entwickeln.

Die Ablehnung von Krypto-Assets steht zudem im massiven Widerspruch mit der inhärenten Motivation einer Investmentbank. Schließlich besteht im Gegensatz zu Sparkassen oder Volksbanken die Grundlogik von Investmentbanken darin, Investmentmöglichkeiten für ihre Kunden zu schaffen. Es geht also nicht darum, mittelständischen Unternehmen Kredite zu gewähren, sondern darum, alles, was durch Derivate bzw. Finanzkontrakte abgebildet werden kann, auch abzubilden. Nun Kryptowährungen, die sich eben auch zur Spekulation und Vermögensanlage anbieten, außen vor zu lassen, ist ungewöhnlich. Zumal der große Nachbar Goldman Sachs offen kommuniziert hat, an Krypto-Dienstleistungen zu arbeiten und diese entsprechend der existierenden Kundennachfrage auch zeitnah anzubieten.

Die Botschaft

Die Botschaft, die Jamie Dimon damit an seine Bankkunden sendet, ist aus Kommunikationssicht alles andere als klug. So kommt bei den Kunden an: Obwohl wir bislang sämtliche Kundenbedürfnisse mit Blick auf Finanzprodukte bedient haben, werden wir die neue Anlageklasse der Kryptowährungen, ohne stichhaltige Begründung, ignorieren. Anders gesagt: Falls sie dennoch in Krypto-Assets investieren möchten, gehen sie doch zu unserer Konkurrenz, die sich ihrer Nachfrage annimmt.

Die Kommunikationsabteilung von JPMorgan wird zukünftig viel dafür tun müssen, JPMorgan nicht als eine innovationsfeindliche Investmentbank dastehen zu lassen. Dennoch muss man Jamie Dimon zugestehen, dass er zu durchaus richtigen Schlüssen in der Lage ist. So fügte er im Vorfeld an seine kruden Äußerungen im Harvard Business Review an: “Ich sollte wahrscheinlich nicht mehr über Kryptowährungen sprechen.” Wäre er nur dabei geblieben.

BTC-ECHO

JETZT NEU: DER BTC-NAVIGATOR

Das deutschsprachige Blockchain-Ökosystem an einem Platz vereint:

HANDELSPLÄTZEJOBSEVENTSUNTERNEHMENPRODUKTEAKZEPTANZSTELLENWEBSEITEN

Mehr zum Thema:

Ähnliche Artikel

Blockchain-Lobbyismus zwischen Berlin, Brüssel und Washington – Warum jetzt ein anderer Wind weht
Blockchain-Lobbyismus zwischen Berlin, Brüssel und Washington – Warum jetzt ein anderer Wind weht
Kommentar

Mit dem Einzug von Konzernen in die Krypto-Wirtschaft ändert sich auch das politische Umfeld. Während die Start-up-Szene zu fragmentiert und mit sich selbst beschäftigt ist, haben Konzerne eine klare politische Agenda, die sie mit Lobbyisten effektiv an die Politik adressieren. Was der Automobilverband mit Blockchain-Lobbyismus zu tun hat, woran es aktuell noch bei den Krypto-Verbänden mangelt und warum Start-ups Gefahr laufen, von den Konzerninteressen ausgebootet zu werden.

Konzern-Kryptowährungen: Nach Facebook erhöht nun Walmart den Druck auf die Politik
Konzern-Kryptowährungen: Nach Facebook erhöht nun Walmart den Druck auf die Politik
Kommentar

Nachdem die erste Welle an kontroversen Diskussionen um die Facebook-Kryptowährung Libra vorbeigezogen ist, meldet sich nun ein weiterer Konzern mit Krypto-Plänen. So hat der US-Handelsriese Walmart ein Patent eingereicht, bei dem es um die Ausgabe einer eigenen Kryptowährung geht. Welche Motive dabei eine Rolle spielen, wie die Chancen auf Zulassung stehen und inwiefern das Vorhaben Einfluss auf den Krypto-Sektor nimmt.

Newsletter

Die aktuellsten News kostenlos per E-Mail

Aktuell

Älteste Bank Koreas nutzt Blockchain
Älteste Bank Koreas nutzt Blockchain
Tech

Die älteste Bank Südkoreas entwickelt eine Sicherheitsstrategie auf Basis der Blockchain-Technologie. Die Shinhan Bank ging dazu eine Kooperation mit zwei weiteren Unternehmen ein. Mit Ground X beteiligt sich auch die Tochterfirma des Messenger-Marktführers in Korea daran. Im Zentrum der Zusammenarbeit steht die Entwicklung eines Private Key Management Systems für Kunden.

„Satoshi“ offenbart sich – Was ist von „The Reveal“ zu halten?
„Satoshi“ offenbart sich – Was ist von „The Reveal“ zu halten?
Szene

Laut Ivy McLemore tritt Satoshi nun an die Öffentlichkeit. In drei Artikeln soll der Erfinder von Bitcoin sich offenbaren. Wirklich glaubhaft wirkt das alles jedoch nicht, sodass man eher von einem seltsamen PR-Gag ausgehen kann.

Alibaba reicht Patent für Blockchain-Domains ein
Alibaba reicht Patent für Blockchain-Domains ein
Krypto

Alibaba reicht ein US-Patent für das Blockchain-System UBCDN ein. Das System soll Informationen vertrauensvoll kennzeichnen und verteilen. Ferner soll UBCDN übergreifend mit anderen Blockchain-Systemen funktionieren.

Pfizer: Pharma-Riese startet Blockchain-Projekt
Pfizer: Pharma-Riese startet Blockchain-Projekt
Blockchain

Der Pharma-Riese Pfizer und Biogen leiten eine gemeinsame Organisation: die Clinical Supply Blockchain Working Group (CSBWG). Die gemeinsame Arbeitsgruppe startet nun ein Proof-of-Concept-Projekt für die Optimierung der pharmazeutischen Lieferkette.

Angesagt

Das Regulierungs-ECHO – USA will Bitcoin-Steuersündern an den Kragen
Regierungen

Während das Klima in Neuseeland zunehmend krypto-freundlicher wird, schauen die Behörden in den USA künftig genauer hin. Es ist wieder viel passiert in Sachen Krypto-Regulierung.

Jenseits der 51-Prozent-Attacke: Angriffe auf Bitcoin & Co.
Wissen

Spricht man über Angriffe auf Bitcoin und andere Kryptowährungen, fällt schnell der Begriff 51-Prozent-Attacke. Sicherlich ist diese besonders schlimm, da damit unter anderem Double-Spending-Attacken möglich sind. Doch auch ohne das Neuschreiben von Blöcken kann man Bitcoin & Co. schaden.

Bitcoin und traditionelle Märkte: Im Gleichschritt mit Gold
Märkte

Bitcoins Performance steht aktuell über der von Gold. Die Volatilität ist wieder unter 4 Prozent gefallen. Diese positiven Entwicklungen werden von einer geringen Korrelation zu den übrigen Märkten begleitet.

Die Top Bitcoin- und Blockchain-News der Woche
Kolumne

Der Bitcoin-Kurs rutscht nervös zwischen verschiedenen Markern hin und her und alle fragen sich: Warum? Der BTC-ECHO-Newsflash. Alles, was du letzte Woche verpasst hast.

Warte mal kurz ... !

Kennst du schon unseren Newsletter? Wir versorgen dich kostenlos mit den spannendsten News der Krypto- und Blockchainszene:

Neue Ausgabe: Das Kryptokompass Magazin inkl. Bitcoin-T-Shirt GRATIS!