Stress ohne Grund: Wie JPMorgan-CEO Jamie Dimon an der Glaubwürdigkeit seiner Bank sägt

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Diese Woche gab es seit längerem mal wieder kryptoskeptische Aussagen von JPMorgan-CEO Jamie Dimon, einem der bekanntesten Bitcoin-Gegner. In der Vergangenheit hatte Jamie Dimon, gemeinsam mit anderen Größen aus dem Finanzsektor, gegen Bitcoin geschossen. In den letzten Monaten ist es allerdings, trotz eines schwachen Kryptomarkts oder vielleicht auch gerade deswegen, ruhiger geworden in Sachen Kritik gegenüber Kryptowährungen. Auch wenn sich inzwischen alle größeren Behörden, Konzerne und Finanzvorstände ernsthaft mit Bitcoin auseinandersetzen, hält das Dimon nicht davon ab krude Argumente gegenüber Bitcoin ins Feld zu führen. Doch es soll nicht darum gehen Jamie Dimon als Person ins Lächerliche zu ziehen, sondern vielmehr die Aussagekraft in den Kontext der Geschäftstätigkeit seiner Bank zu rücken.

Trotz des sich immer noch haltenden Credos im Bankensektor „Blockchain hui, Bitcoin pfui“ hat sich inzwischen doch einiges in Sachen Krypto-Offenheit getan. Dadurch, dass immer mehr Banken aktiv das Kryptowährungsgeschäft in ihr Dienstleistungsspektrum miteinbinden, befindet sich die Bitcoin-Kritik auch im konservativen Bankwesen auf dem Rückzug. Umso stärker fällt Jamie Dimon mit seinen Aussagen zu Bitcoin aus dem Rahmen. So beteuerte er auf der Gala-Feier des Aspen Institutes, dass er an seiner Aussage festhalte, dass Bitcoin ein Scam (Betrug) ist. Ergänzend fügte er hinzu, dass Kryptowährungen von der Regierung verboten werden sollten. Eine Aussage, die selbst die meisten Bitcoin-Gegner nicht von sich geben würden. Selbst diesen ist bewusst, wie unsinnig ein Verbot von Bitcoin ist.

Mit dem Kopf durch die Wand


Anstatt seine Aussagen zu relativieren, legte Dimon dann Anfang dieser Woche im Harvard Business Review nach und äußerte, dass Kryptowährungen nicht dasselbe sind wie Gold oder Fiatwährungen, da sie nicht von Gesetzgebern, der Polizei oder Gerichten unterstützt werden – ohne diese Aussage weiter auszudifferenzieren oder einzuordnen. Damit suggeriert Dimon, dass in seiner Welt Vermögenswerte erst dann existieren, wenn sie vollumfänglich reguliert sind. Diese einfache Weltsicht bzw. Unterteilung wird noch weiter ad absurdum geführt, indem er sich positiv zur Blockchain in Abgrenzung zu Kryptowährungen äußert. So heißt es im Interview, dass die Blockchain im Gegensatz zu Kryptowährungen real sei.

Dass die Blockchain im Gegensatz zu Bitcoin real sei, ist die wohl irreführendste Aussage, die Jamie Dimon bislang getroffen hat. Zumal er nicht wirklich erläutert, was für ihn real ist und was nicht. In einem Philosophieseminar an der Hochschule mögen solche Äußerungen vertretbar sein. Von dem Chef der größten Investmentbank sind solche Statements hingegen einfach nur peinlich.

Freilich ist es legitim, einzelne Aspekte der Krypto-Ökonomie zu kritisieren. Doch derartige Aussagen zeugen von einer schlichten Ignoranz und bestärken den Vorwurf, dass in den Elfenbeintürmen mancher Old-Economy-Institutionen kein Wille besteht, sich auf Veränderungen einzulassen.

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Was heißt das für die Krypto-Adaption bei JPMorgan?

Sicherlich werden nicht alle Angestellten bei JPMorgan die Meinung ihres Chefs teilen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass Jamie Dimon den Ton vorgibt. Durch diese restriktive Haltung wird ein Klima der Verunsicherung erzeugt, das Mitarbeiter davon abhält innovative Lösungen zu Krypto-Dienstleistungen zu entwickeln.

Die Ablehnung von Krypto-Assets steht zudem im massiven Widerspruch mit der inhärenten Motivation einer Investmentbank. Schließlich besteht im Gegensatz zu Sparkassen oder Volksbanken die Grundlogik von Investmentbanken darin, Investmentmöglichkeiten für ihre Kunden zu schaffen. Es geht also nicht darum, mittelständischen Unternehmen Kredite zu gewähren, sondern darum, alles, was durch Derivate bzw. Finanzkontrakte abgebildet werden kann, auch abzubilden. Nun Kryptowährungen, die sich eben auch zur Spekulation und Vermögensanlage anbieten, außen vor zu lassen, ist ungewöhnlich. Zumal der große Nachbar Goldman Sachs offen kommuniziert hat, an Krypto-Dienstleistungen zu arbeiten und diese entsprechend der existierenden Kundennachfrage auch zeitnah anzubieten.

Die Botschaft

Die Botschaft, die Jamie Dimon damit an seine Bankkunden sendet, ist aus Kommunikationssicht alles andere als klug. So kommt bei den Kunden an: Obwohl wir bislang sämtliche Kundenbedürfnisse mit Blick auf Finanzprodukte bedient haben, werden wir die neue Anlageklasse der Kryptowährungen, ohne stichhaltige Begründung, ignorieren. Anders gesagt: Falls sie dennoch in Krypto-Assets investieren möchten, gehen sie doch zu unserer Konkurrenz, die sich ihrer Nachfrage annimmt.

Die Kommunikationsabteilung von JPMorgan wird zukünftig viel dafür tun müssen, JPMorgan nicht als eine innovationsfeindliche Investmentbank dastehen zu lassen. Dennoch muss man Jamie Dimon zugestehen, dass er zu durchaus richtigen Schlüssen in der Lage ist. So fügte er im Vorfeld an seine kruden Äußerungen im Harvard Business Review an: “Ich sollte wahrscheinlich nicht mehr über Kryptowährungen sprechen.” Wäre er nur dabei geblieben.

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