Spieß umgedreht: Deutlich mehr Spekulanten als Kriminelle nutzen Bitcoin

Spieß umgedreht: Deutlich mehr Spekulanten als Kriminelle nutzen Bitcoin

Bitcoin wird mittlerweile deutlich mehr für legale als für kriminelle Geschäfte verwendet. Zu dieser Einschätzung kommt eine Agentin der US-Behörde für Drogendelikte Drug Enforcement Administration (DEA).

Bitcoin war als Mutter der Kryptowährungen lange Zeit verschrien als das Bezahlmittel der Wahl für kriminelle Machenschaften. Gerade im Darkweb dominierte das digitale Geld den Schwarzmarkt als vermeintlich anonyme Währung. Als „Dealergeld“ gelangte Bitcoin so zu erster, fragwürdiger Prominenz bei den Mainstream-Medien und den Strafverfolgungsbehörden.

Fünf Jahre ist es her, seit DEA-Agentin Lilita Infante im Rahmen von Ermittlungen erstmals über Kryptowährungen stolperte, erzählte sie der US-Nachrichtenagentur Bloomberg am 7. August. Als Infante daraufhin Blockchain-Daten analysierte, kam sie zu dem Ergebnis, dass hinter rund 90 Prozent der Transaktionen mit Kryptowährungen illegale Machenschaften standen. Das war im Jahr 2013.

Neunzig zu Zehn

Dass sich innerhalb von fünf Jahren, vor allem im rastlosen Kryptospace, einiges ändern kann, beweist die neue Einschätzung der DEA-Beamtin:

„Das [absolute] Transaktionsvolumen für kriminelle Aktivitäten ist […] im Laufe der Jahre zwar enorm gewachsen, aber im Verhältnis gesunken. Der Großteil der Transaktionen dient der Preisspekulation.“

Dabei habe sich das damalige Verhältnis von legalen und illegalen Aktivitäten mit Kryptowährungen in den letzten Jahren umgekehrt. Lediglich zehn Prozent des Transaktionsvolumens von Bitcoin & Co. gehen (buchstäblich) auf das Konto von Kriminellen, mit dem Rest wird gehandelt und gehodlt.

Lilita Infante ist innerhalb der DEA Teil eines zehnköpfigen Teams von Sonderermittlern, der Cyber Investigative Task Force. In Zusammenarbeit mit anderen Behörden, allen voran dem FBI, haben die Ermittler besonders das Darkweb ins Fadenkreuz genommen. Dort sind Kryptowährungen nach wie vor als vermeintlich anonymes Geld beliebt. Doch das mit der Anonymität hat sich weitestgehend erledigt, meint Infante. Selbst Kriminelle, die auf Datenschutz gemünzte Währungen wie Zcash und Monero setzen, können sich nach Infante dem starken Arm des Gesetzes nicht entziehen:

„Wir haben immer noch die Möglichkeit der Rückverfolgung“,

sagt Infante verschwörerisch.

Deshalb sei es auch kein Problem, dass Verbrecher weiterhin auf das digitale Geld setzten. Im Gegenteil:

„Tatsächlich gibt uns die Blockchain eine ganze Reihe von Werkzeugen in die Hand, die uns befähigen, Verbrecher zu identifizieren. Ich hoffe sogar, dass sie sie weiter benutzen.“

BTC-ECHO

Über Christopher Klee

Christopher KleeChristopher Klee hat Literatur- und Medienwissenschaften sowie Informatik an der Universität Konstanz studiert. Seit 2017 beschäftigt sich Christopher mit den technischen und politischen Auswirkungen der Krypto-Ökonomie.

Bildquellen

  • drogen-kriminalitaet-1074244985: shutterstock

Ähnliche Artikel

Prä-Bitcoin: Die erste Blockchain der Welt

Bitcoin: Der Ursprung aller Blockchains? Auch wenn es gerne angenommen wird: So ganz stimmt das nicht. Bitcoin brachte die Blockchain-Technologie zwar zu einiger Bekanntheit. Doch die ersten Blockchains gab es bereits früher. Die Blockchain-Technologie gelangte erst mit der wachsenden Popularität von Bitcoin zur (freilich noch ausbaufähigen) Prominenz. Doch die Idee einer „Kette“ von Transaktionsblöcken, die kryptografisch abgesichert […]

Bitcoin: Kann ihn China zerstören? Besonnenheit statt FUD, Teil 2

Bitcoin: Kann China die Kryptowährung Nummer eins zerstören? Der zweite Teil. Im ersten Teil haben wir das Phänomen der leeren Blöcke betrachtet, die chinesische Miner schürfen. Die Betrachtung des Papers von Kaiser et al. setzen wir nun fort und betrachten die Gefährdungen, die die Autoren des Papers identifiziert haben. Zur Einordnung lassen wir uns von […]

Das Meinungs-ECHO KW41: Bitcoin-Bär Roubini vor dem US-Senat

Eine Meinung hat in der vergangenen Woche lauter getönt als alle anderen: Der Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini, auch bekannt als „Dr. Doom“, hat seinen Ruf als unkonvertierbarer Bitcoin-Bär in einer Anhörung vor dem US-Senat alle Ehre gemacht und Krypto als die „Mutter aller Blasen“ bezeichnet.  Das Interesse an Bitcoin & Co. ist bei US-amerikanischen Politikern und […]

Ein Jahr Swisscom Blockchain – Eine erste Bilanz

Zürich, 10. Oktober 2018 – Die Swisscom Blockchain AG wurde im September 2017 gegründet und zieht dieses Jahr eine erste Bilanz. Die Tochtergesellschaft der Swisscom kann heute dank CoInnovation erste sichtbare Erfolge nachweisen. Im ersten Jahr lieferte die Swisscom Blockchain-Technologie und -Beratung rund um Distributed Ledger, Blockchain oder Tokenization Services an zahlreiche Unternehmen. Im Fokus […]