Plattsburgh verbannt Bitcoin-Miner und fördert die Lösung des Energieproblems

Tanja Giese

von Tanja Giese

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Tanja Giese

Tanja Giese hat Germanistik, Literaturwissenschaft und Philosophie in Potsdam studiert. Mit Leidenschaft lektoriert sie die BTC-ECHO-Artikel und konzentriert sich in ihren eigenen Artikeln vor allem auf die gesellschaftlichen Auswirkungen und den Umgang der Politik mit den Veränderungen, die der Vormarsch der Kryptowährungen fordert.

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Wo der Strom billig ist, sind Bitoin-Miner nicht fern. Auch das kleine US-amerikanische Städtchen Plattsburgh im Bundesstaat New York zog mit seinen günstigen Stromtarifen eine große Miner-Schar an. Doch erfreut waren die knapp 20.000 Einwohner Plattsburgh darüber nicht und fanden zahlreiche Argumente gegen Bitcoin-Mining – und für ein Moratorium.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 26. Mai 2019 05:05 Uhr von Tanja Giese

Da das Mining von Kryptowährungen hohe Stromkosten verursacht, versuchen Bitcoin-Miner entsprechend günstige Energiequellen zu nutzen. Dies konnte man in zahlreichen Fällen wie in Norwegen, Schweden, Australien oder Kanada beobachten.Wie Forbes am 31. Oktober berichtete, zog die US-amerikanische Stadt Plattsburgh ebenfalls eine große Miner-Schar an – dank der sehr günstigen Strompreise. Mit 2,7 Cent pro Kilowatt erklärte der Bürgermeister der Stadt Plattsburgh, Colin Read, seinen Strom gar als den günstigsten der Welt. Als dies 2016 viele Miner in die kleine Stadt nahe der kanadischen Grenze lockte, betrug der Preis für einen Bitcoin 20.000 US-Dollar. Entsprechend hoch war das Interesse, am Bitcoin-Mining-Prozess mitzuwirken.

Keine Arbeitsplätze und zu hoher Stromverbrauch

Diesen Ansturm beobachteten die Plattsburgher allerdings mit großem Unbehagen. Bürgermeister Read fasst die Gründe für diesen Unmut kurz und knapp zusammen:

„Sie verbrauchen viel Strom und beschäftigen nur sehr wenige Leute.“


Wo sich neue Wirtschaftszweige auftun, die eine Vielzahl an Neuankömmlingen mitbringen, erwartet man normalerweise auch einen Aufschwung der Wirtschaft. Neue Arbeitsplätze konnten die Miner allerdings nicht schaffen – das gibt der Mining-Alltag einfach nicht her. Der Strom, den die Mining-Computer verbrauchen, war zudem gerade der Grund für den Einzug der Bitcoin-Schürfer.

So billig er auch ist, unbegrenzt konnte er dennoch nicht genutzt werden. Denn der günstige Strom stammt aus Wasserkraftwerken am nahegelegenen St. Lawrence River, die ursprünglich Industriebetriebe wie Aluminiumschmelzen versorgten. Nachdem die Mehrheit dieser Schmelzen geschlossen wurden, erhielt Plattsburgh zwar weiterhin Zugang zu einer monatlichen Menge billiger Energie, aber bei Überschreiten dieses festgesetzten Kontingents wird jede weitere Kilowattstunde drastisch teurer.

Diese Überschreitungen wiederholten sich regelmäßig, nachdem die Bitcoin-Miner in Plattsburgh Einzug gehalten hatten. Entsprechend stiegen die Stromkosten der Anwohner um bis zu 50 Prozent an. Wer zuvor 80 US-Dollar Heizkosten zahlte, musste nun jeden Monat 120 US-Dollar aufbringen. Auch die industriellen Stromverbraucher waren von dieser Erhöhung nicht ausgenommen. So stiegen die Stromkosten für einen bedeutenden Arbeitgeber in der Region, Mold-Rite Plastics, in einem Monat gar um 26.000 US-Dollar.

Bitcoin-Mining: Zu laut und zu heiß

Doch nicht nur der hohe Stromverbrauch war den Plattsburghern ein Dorn im Auge. Mining-Computer erzeugen aufgrund ihrer hohen Leistungen sehr viel Hitze. Dass diese riesigen Wärmemengen einfach in die Atmosphäre abgegeben werden, bereitete dem Bürgermeister Bauchschmerzen. Um dem etwas entgegenzusetzen, hat Read ein neues lokales Gesetz angestoßen, das die Bitcoin-Miner dazu verpflichtet, einen bestimmten Anteil der erzeugten Energie oder Wärme wiederverwenden zu müssen. Bereits in etwa einer Woche soll es in Kraft treten.

Zusätzlich zur verschwendeten Energie, die in Form von überschüssiger Wärme in die Luft abgegeben wird, beklagen sich die Einwohner über den hohen Geräuschpegel. Dieser sei dafür verantwortlich, dass es für einige Plattsburgher nicht mehr möglich ist, die Fenster zu öffnen, ohne von dem Lärm gestört zu werden.

Moratorium für Miner

Um die plötzliche Mining-Euphorie in der Stadt etwas zu dämpfen, verhängte der Stadtrat im März ein 18-monatiges Moratorium für neue Miner. Damit wurde ein solches Verbot erstmalig innerhalb der USA verhängt. Read erklärt diesen Schritt als Notbremse:

„Mit den bestehenden Vorgängen können wir wenig tun. Wir werden zumindest sicherstellen, dass das Problem nicht schlimmer wird und die Gebührenzahler geschützt sind.“

Lichtblick für Plattsburgh

Langfristig könnte sich aus der Misere mit den Bitcoin-Minern jedoch eine glückliche Lösung herauskristallisieren. So entwickelt der 19-jährige Ryan Brienza, geboren und aufgewachsen in Plattsburgh derzeit Mining-Geräte, die modular aufgebaut sind und Wärme recyceln. Den Prototyp, für den bislang noch kein Name existiert, wird der Jungunternehmer aus Holz herstellen, aber das Endprodukt wird vollständig aus Metall sein. Der Preis soll bei 30.000 US-Dollar liegen, wobei Mengenrabatte geplant sind.

Der stolze Preis mag allerdings durch das besondere Feature des Miners gerechtfertigt sein: Die gesamte Wärme der Einheit wird an einem einzigen Punkt abgegeben, sodass sie praktisch aufgefangen und recycelt werden kann. „Wir könnten damit Häuser in Plattsburgh heizen“, sagt Brienza. „Unser Ziel ist es, sie hier in Plattsburgh zu bauen und in der ganzen Stadt einzusetzen.“ Um dies zu realisieren und damit womöglich doch noch die Wirtschaft anzukurbeln, müsste die Stadt allerdings das Moratorium zunächst wieder aufgeben.

BTC-ECHO


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