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SOL und die "Sam-Coins" Wird Solana den FTX-Kollaps überleben?

FTX und Sam Bankman-Fried machten den “Ethereum-Killer” Solana groß. Wird dieses Verhältnis der Blockchain nun zum Verhängnis? Eine Analyse.

Johannes Macswayed
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Solana FTX

Beitragsbild: Shutterstock

| Kann sich der eng an FTX gebundene Solana Token vom jüngsten Börsenkollaps erholen?

Das Börsenbeben im Zuge des FTX-Kollapses sorgte vergangenen Monat bei vielen Token für tiefe Kursstürze. Mit am schwersten traf es Solana (SOL). Die anfänglich bearishen Prognosen wegen der Nähe zu FTX scheinen sich für das Solana-Ökosystem nun zu bewahrheiten.

Dazu reihen sich ohnehin schon Sorgen um die Stabilität des Netzwerkes, das immer wieder von Ausfällen geplagt wurde. Außerdem stellte sich Mitte des Jahres heraus, dass breite Teile des Ökosystems in der Vergangenheit künstlich aufgeblasen wurden.

Zweifel an der Zukunft des Projekts werden folglich stärker. Einige haben die Blockchain bereits abgeschrieben. Stirbt Solana also einen langen, qualvollen Tod oder steigt der “Ethereum-Killer” bald schon gestärkt aus der Asche empor? Eine Analyse.

FTX und die “Sam-Coins”

Grund für den besonders schwerwiegenden Abriss des SOL-Kurses war bekanntermaßen die Nähe des Ökosystems zu Sam Bankman-Fried und seiner Börse FTX. Nicht umsonst wurden viele auf Solana heimischen Token als “Sam-Coins” bezeichnet. Diese Bindung wirkte auf den Preis von SOL wie Zementblöcke an den Füßen. Und der SOL-Kurs ging damit baden.

Solana Kurs in der 3-Monatsansicht | Quelle: coinmarketcap.com

Binnen weniger Tage stürzte der Preis von SOL von etwa 35 auf rund elf US-Dollar. Ein Minus von 68 Prozent, womit SOL inzwischen auch 95 Prozent von seinem Allzeithoch entfernt ist.

Dies dürfte nicht nur das Vertrauen vieler Anleger zerstört haben, sondern setzte auch das DeFi-Ökosystem enorm unter Druck. Schließlich hängen viele Finanzstrategien und Protokolle vom SOL-Token ab. Als sekundärer Effekt des Kurssturzes werden daher reichlich DeFi-Trader und Lending-Positionen liquidiert worden sein, was eine regelrechte Kapitalflucht aus Solana in Gang gesetzt haben dürfte.

Stresstest für DeFi

Ein Blick auf das Total Value Locked (TVL) bestätigt: Das im Ökosystem gebundene Kapital sank nach dem Sturz FTX’ innerhalb eines Monats um 75 Prozent. Auch Stablecoins verließen im November scheinbar en masse das Netzwerk.

Noch konnte sich das Ökosystem zwar einigermaßen stabilisieren. Doch dem DeFi-Sektor Solanas scheint die Liquidität auszugehen. Weitere Abflüsse drohen die grundlegende Funktionalität vieler dezentralen Finanzanwendungen hierauf lahmzulegen.

Sinnbildlich für diese Gefahr und der Abhängigkeit zu FTX steht die Serum-DEX. Die dezentrale Börse war einst Sammelbecken jeglicher Liquidität auf Solana. Inzwischen ist das TVL der Börse um 99 Prozent gefallen und steht bei mageren 430.000 US-Dollar. Gegründet wurde sie von FTX selbst, die bis heute auch die Admin-Schlüssel zum Protokoll halten. Die tatsächliche “Dezentralität” dieser und weiterer Plattformen ist daher infrage geraten.

Das Serum-Protokoll ist inzwischen geforked worden. Viele andere DeFi-Protokolle auf Solana sahen sich zudem wegen ihrer eigenen Verknüpfung zur Liquidität der Börse vorab gezwungen, Handelsaktivitäten und Einzahlungen zu pausieren. Das DeFi-Ökosystem befindet sich folglich zweifelsohne inmitten einer umfangreichen “Reorganisation”.

Netzwerk und Technologie

Trost könnte Solana Fans die Tatsache spenden, dass es im gesamten Verlauf der FTX-Krise keine Netzwerkausfälle gab. Ein nennenswerter Erfolg, der aufgrund vergangener Ausfälle (auch ohne Marktcrash), hervorgehoben werden darf. Jüngste Bemühungen der Entwickler, das Netzwerk robuster zu gestalten, scheinen also Wirkung zu zeigen.

Jene Entwickler bilden zudem einen weiteren Lichtblick für das Projekt. Denn Solana sitzt in puncto Entwickleraktivität nach wie vor in den Top zehn unter allen Blockchains. Auch nach einem Abfall von 50 Prozent in einem Monat. Ihre Aussichten sind jedoch eng an die Perspektive des restlichen Ökosystems gebunden. Lohnt es sich für die Programmierer finanziell nicht mehr auf Solana zu bauen, stehen reichlich andere Blockchains für sie bereit. So wäre ein mehr oder minder nahtloser Übergang zu Near Protocol (NEAR) oder dem “Solana-Killer” Aptos (APT) möglich, da beide gleiche/ ähnliche Programmiersprachen verwenden.

Allgemein könnte sich Solanas Blockchain-Infrastruktur schon bald als veraltet erweisen, galt sie im vergangenen Jahr noch als aufstrebende Innovation. Denn während andere Projekte neuerdings auf modulare Layer-2-Lösungen, Sharding oder Multichain setzen, baut Solana weiter auf eine “monolithische” Infrastruktur. Heißt eine einzige Blockchain, deren alleiniges, überzeugendes Merkmal nach wie vor ihre Schnelligkeit ist.

Noch nicht K.O.

Vorsichtiges Zwischenfazit: Um Solana wirklich abzuschreiben, ist es vermutlich noch zu früh. Das Projekt und Ökosystem haben jedoch zweifelsohne gelitten und sind noch lange nicht über den sprichwörtlichen Berg. Verkaufsdruck besteht beispielsweise noch in Form einer ausstehenden Staking-Ausschüttung, deren Freischaltung die Solana-Foundation vorerst aufschob. Auch halten Alameda Research und FTX nach wie vor große Mengen der SOL-Token. Und werden diese im Zuge des Insolvenzverfahrens vermutlich verkaufen (müssen).

Indessen drückt die allgemeine Marktlage weiter auf das Sentiment vieler Anleger. Für breite Teile der Solana-Entwicklergemeinschaft und die Community ist es der erste Bärenmarkt. Ihr Durchhaltevermögen steht daher angesichts weiterer Kurskorrekturen auf dem Prüfstand. Es bleibt abzuwarten, ob sie auch über die kommenden Monate ihre bisherige Entschlossenheit zeigen.

Optimisten werden in den Ereignissen des vergangenen Monats hingegen Chancen sehen. Denn ist das Projekt erstmal vom Ruf des “FTX-Haustiers” und dem spekulativen Kapital befreit, besteht Aussicht auf mehr Dezentralität und Selbstbestimmtheit. Dann könnte sich Solana, aus den richtigen Gründen, erneut als attraktives Projekt herausstellen.

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