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Schluckt Binance FTX? Das Ende von FTX? Chronologie einer Milliardenpleite

In einem filmreifen Akt kündigt Binance an, FTX zu schlucken. Wie konnte es so weit kommen?

David Scheider
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Binance-CEO Changpeng Zhao

Beitragsbild: picture alliance / abaca | Lafargue Raphael/ABACA

| Binance-Boss Changpeng Zhao. Kauft er FTX wirklich auf?

Wenn die größte Börse des Kryptosektors die viertgrößte aufkaufen will, kann man es nicht anders sagen: Hier wird Geschichte geschrieben. Dass Binance, oder eher dessen erratischer CEO Changpeng “CZ” Zhao, eine Absichtserklärung zum Aufkauf des größten Konkurrenten unterzeichnet, ist ein Ereignis, dass es selbst im Kryptosektor so noch nicht gegeben hat. BTC-ECHO zeichnet die Ereignisse nach, die zu diesem historischen Ereignis geführt haben.

2. November 2022: Mehr als nur Geschwister

Die Newsplattform Coindesk sichtet interne Dokumente von Alameda Research, einem von FTX-CEO Sam Bankman-Fried (SBF) gegründeten Schwesterunternehmen, aus denen hervorgeht, dass Alameda enger mit FTX verstrickt ist, als vormals angenommen. Insbesondere der hohe Anteil an FTT Token gibt Anlass zur Sorge. Schließlich handelt es sich bei FTT um den nativen Token der FTX-Plattform, dessen Wert mit der Gesundheit des Unternehmens steht und fällt.

Neben der riskanten Verzahnung der beiden von SBF geführten Unternehmen verfestigt sich eine weitere Erkenntnis: Alameda Research ist groß. Richtig groß.

Das Unternehmen brachte es Coindesk zufolge am 30. Juni dieses Jahres auf eine Bilanzsumme von 14,6 Milliarden US-Dollar. Auf FTT entfallen mindestens 2,16 Milliarden USD – gemessen an der Gesamtbilanz ein sträflich hoher Anteil, wie sich später zeigen wird.

Denn: Crasht der FTT Token, könnte auch die Solvenz des Schwesterunternehmens FTX bedroht sein.

6. November: Binance setzt Konkurrenten unter Druck

So richtig Fahrt aufgenommen hat die Story am 6. November. Am vergangenen Sonntag hatte CZ via Twitter angekündigt, die FTT-Reserven auf der Binance-Bilanz abstoßen zu wollen. Mit Blick auf den Crash von Terra (LUNA) im Sommer dieses Jahres sei ihm das Risiko schlicht zu hoch, einen weiteren illiquiden Coin zu halten.

Die Liquidierung unserer FTT ist nachträgliches Risikomanagement. Wir haben von LUNA gelernt. Wir haben vorher Unterstützung geleistet, aber wir werden nicht so tun, als würden wir nach der Scheidung Liebe machen. Wir sind gegen niemanden. Aber wir werden keine Leute unterstützen, die hinter ihrem Rücken Lobbyarbeit gegen andere Branchenakteure betreiben. Vorwärts.

CZ via Twitter.

Zwar hatte Alameda-CEO Caroline Ellison am selben Tag noch getweetet, dass ihre Firma alle von Binance auf den Markt gestoßenen FTT zum außerbörslichen Preis von 22 USD pro Token abnehmen würde. Den Kurssturz konnte die Managerin trotzdem nicht verhindern – auch weil Binance “den freien Markt” bevorzugte und den Deal ausschlug. Zur Stunde notiert FTT bei 4,11 USD und druckt damit einen Tagesverlust von 77 Prozent. Fraglich ist, wie groß das Ansteckungspotenzial auf andere Institutionen im Sektor ist, sagt Gracy Chen, Managing Director bei Bitget gegenüber BTC-ECHO:

Die größte Sorge, die dieses Ereignis ausgelöst hat, gilt nicht nur dem Konflikt selbst, sondern auch der Art und Weise, wie die Vermögenswerte der Nutzer von den Börsen und anderen Finanzinstituten verwahrt werden. Dies ist vielen Anlegern und Nutzern ein bekannter Risikofaktor und hat auf dem Markt Panik ausgelöst.

Gracy Chen gegenüber BTC-ECHO.

7. und 8. November: Liquiditätsprobleme bei FTX

Die Sorge um eine Insolvenz bei FTX treibt den Anlegerinnen und Anlegern zwischen dem 7. und 8. November die Sorgenfalten ins Gesicht. Es beginnt ein Massenexodus von FTX. Kund:innen retten, was zu retten ist – und treiben die Börse so an den Rand der Insolvenz.

Es überrascht nicht, dass uns wenig später Nachrichten über den Auszahlungsstopp von Kund:innen-Geldern erreichten. Ether (ETH), Solana (SOL) und Tron (TRX) können seither nicht mehr von der Plattform genommen werden. Wie Reuters mit Verweis auf interne Dokumente schreibt, hatten Investor:innen in nur 72 Stunden rund sechs Milliarden US-Dollar von deren FTX-Accounts abgezogen.

8. November 2022: Der Bailout des Jahres

Und dann der Paukenschlag: Binance-CEO Zhao twittert am Nachmittag des 8. Novembers seine Übernahmeabsicht. Binance habe einen sogenannten non-binding Letter of Intend (LOI) unterzeichnet, in dem das Unternehmen die vollständige Übernahme des Konkurrenten FTX in Aussicht stellt.

Bereits im Vorfeld war FTX-CEO SBF an die Öffentlichkeit getreten und sprach von einer “Einigung mit Binance über eine strategische Transaktion”, dass dies die komplette Übernahme des Unternehmens meinte, ließ sich dem Tweet freilich nicht entnehmen.

Bizarr wurde es im weiteren Verlauf des Tweets, in dem SBF seinem wohl größten Konkurrenten für dessen Arbeit für das “Krypto-Ökosystem” dankte.

Ein großes Dankeschön an CZ, Binance und alle unsere Unterstützer. CZ hat eine unglaubliche Arbeit geleistet und wird dies auch weiterhin tun, um das globale Krypto-Ökosystem aufzubauen.

Noch wenige Tage zuvor klangen die Fronten weniger versöhnlich: “Ein Mitbewerber verbreitet falsche Gerüchte”, twitterte SBF noch am Vortag.

Wann der Deal des Jahrzehnts über die Bühne geht, ist noch unklar. Schließlich ist ein Letter of Intend längst noch kein Übernahmeversprechen. Binance behält sich seine Due Diligence (Sorgfaltspflicht) vor, um die Bücher von FTX zu prüfen. Sollte das Unternehmen von dem Kauf zurücktreten, muss es keine rechtlichen Konsequenzen fürchten. Der Kryptosektor hingegen muss vorerst den Atem anhalten.

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