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Kommen die MetaDAOs? MakerDAO-Community nach Abstimmung zum “Endgame” entzweit

Ethereums größtes DeFi-Protokoll soll auf Wunsch seines Gründers aufgesplittet werden. Wirft der neue Plan einen Schatten auf die Krypto-Demokratie?

Johannes Macswayed
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Beitragsbild: Shutterstock

| Die Abstimmung zum Endgame Makers spaltet die Community.

Das Tornado-Cash Verbot im August dieses Jahres durch den Zweig des US-Finanzministeriums OFAC versetzte ein DeFi-Protokoll besonders in Schrecken: MakerDAO, dessen Stablecoin-Reserven größtenteils aus dem USD-Coin (USDC) bestehen.

Diese lassen sich jedoch unter zentraler Steuerung einfrieren und untauglich machen, wie einige Nutzer Tornado Cashs feststellen mussten. Nicht lange nach dem Verbot machte sich daher Unruhe in der DAO von Ethereums größtem DeFi-Protokoll breit. Gründer Rune Christensen bangte um seinen dezentralen Stablecoin.

Die jüngste Abstimmung zu Christensens “Endgame”-Plan sorgt nun für Furore in der Community, entzweit die DAO der inoffiziellen Zentralbank Ethereums und zeigt die Grenzen der Krypto-Demokratie auf.

Der Plan “Endgame”

Ein “Blacklisting” seiner User oder andere Form der Bevormundung durch Regulatoren kam für Christensen noch nie infrage. Es war seiner Meinung nach daher nur eine Frage der Zeit, ehe Maker und der dazugehörige Stablecoin DAI zur Zielscheibe der Behörden werden würden.

Prompt schmiedete der Gründer einen Plan, der DAI vor jeglichen Angriffen und Zensur-Versuchen der Regulatoren schützen sollte – Makers “Endgame”. Ziel war es, die USDC-Reserven und andere, echte Finanzwerte (Real World Assets), die den DAI Stablecoin deckten und ihm zur fortwährenden Parität verhalfen, aufzulösen. Ersetzen sollte man laut Christensen USDC mit weitaus dezentraleren, aber auch volatileren Assets, wie beispielsweise Ethereum oder dessen Staking-Derivat stETH. Und das auf Kosten der Parität.

Der Stablecoin soll nun bald “frei schweben” und die getunte Leitwährung der sogenannten “MetaDAOs” werden. Sie würden wie Spaltungen der MakerDAO fungieren, alle mit individuellen Zielen, Anreizen und Rendite-Möglichkeiten für Nutzer.

Der Einfluss der Real World Assets auf die MetaDAOs wollte der Gründer drastisch reduzieren. Stattdessen sollte der Ethereum Staking Token stETH zur neuen Reserve werden und Maker zu neuen Einnahmen verhelfen. Ganz nebenbei hätte das Protokoll somit auch weniger Angriffsfläche.

Doch Makers 500-Millionen-US-Dollar-Investment in amerikanische Staatsanleihen zeugte von der Diskrepanz zwischen den Vorstellungen des Gründers und seiner Community. Und war Vorbote für die bevorstehende Spaltung der Interessen.

Kommt es zu einem Konsens?

Christensens Restrukturierung der MakerDAO und dem nachfolgenden “MetaDAO Yield Farming” klingt womöglich etwas nach Größenwahn. Als den “aufregendsten und wichtigsten Ort im ganzen Krypto-Space” nach Abschluss der bevorstehen Änderungen soll der Gründer sein Protokoll bezeichnet haben.

Und mit dem nötigen Maß an Überzeugung stellte er in der Community einen Antrag auf Restrukturierung zur Abstimmung. Die DAO und der breitere Web3-Space begegnete der Fantasterei jedoch mit gemischten Gefühlen. Als einen “außergewöhnlich schlechten Vorschlag” beschimpfte der pseudonyme Krypto-Analyst Hasu die Eingebung Christensens.

Hasu bemängelte das unausgewogene Verhältnis von sinnhafter Veränderung und ausgefallener Spinnerei. Er sieht es kritisch, dass Christensen seinen Vorschlag recht kompromisslos in der Abstimmung durchdrückte.

Auf den ersten Blick war die Sache klar: Rund 74 Prozent stimmten für das Endgame. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass nur 15 Prozent der zur Abstimmung berechtigten Token eingesetzt wurden. Und Christensen selbst stellte drei Viertel der Stimmberechtigung dar. Der Vorwurf: Quasi eigenhändig habe der Gründer seinen durchaus drastischen Vorschlag durchgedrückt. Einige Nutzer beschwerten sich daher über die “trostlose” Protokoll-Governance-Struktur der MakerDAO.

Eine entzweite Community

Die mangelnde Wahlbeteiligung war tatsächlich einer der Gründe für Christensens Wunsch nach Restrukturierung. Diese hatte er schon früher bemängelt und nun scheinbar zu seinen Gunsten genutzt, die DAO im gleichen Zuge gespalten. Entscheidende Wahlen in der Community stehen noch aus.

Podcast

Doch fortan teilt sich die Community in Unterstützer des Endgames, die MetaDAO-isten, und die Konstitutionalisten, die Gegner Christensens und Befürworter einer moderateren Re-Organisation. In Christensens Welt steckt in den MetaDAOs eine koordiniertere Ausrichtung der mehr als 130 individuellen Interessen, welche die Produktivität der DAO bisher bremsten.

Die Sub-DAOs Makers hätten dabei eigene Token zur Abstimmung und ein speziell ausgerichtetes Ziel. Die individuellen Verdienstmodelle in den gezweigten Protokollen stellen tatsächlich auch einen neuen Anreiz für Nutzer und Stimmberechtigte dar. Die Frage ist nur: zu welchem Preis?

Angesichts möglicher “DeFi-Killer-Gesetze” in den USA sind Rune Christensens Sorgen durchaus berechtigt. Es bleibt jdoch fraglich, ob sich sein Mut bezahlbar macht oder er mit seinem neuen Plan den Selbstzerstörungsknopf drückt.

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