Deutsche Bank macht winterfest – und tritt JPMorgans Blockchain-Netz IIN bei
David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Deutsche Bank HQ in Frankfurt am Main
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Als jüngstes Mitglied tritt die Deutsche Bank dem Interbank Information Network (IIN) vom Branchenkonkurrenten JPMorgan bei. Über den Austausch von Transaktionsdaten soll das Blockchain-Netz internationale Überweisungen schneller und günstiger gestalten. JPMorgan erhofft sich von dem Beitritt weiteren Zuwachs vonseiten großer Geldhäuser. Die derzeit strauchelnde Deutsche Bank wiederum will sich mithilfe des Netzwerks auf das Zukunftsgeschäft im Bereich von Echtzeitüberweisungen einstellen.

Wer Geld über Grenzen hinweg von einem Land ins andere überweisen will, der braucht nicht selten vor allem eines: Geduld. Oft sind grenzübergreifende Transaktionen besonders deshalb zeitintensiv, weil sie gleichzeitig den Segen verschiedener Banken, Clearing-Stellen oder teilweise sogar Aufsichtsbehörden benötigen. Schneller jedoch wechselt Geld das Konto, wenn die verschiedenen Banken von Beginn an zusammenarbeiten und Überweisungsdaten untereinander austauschen. Diesen Trend hat offenbar auch die derzeit strauchelnde Deutsche Bank für sich erkannt.


Als bisher größtes außenstehendes Mitglied ist der beinahe einzige deutsche Bankenriese nun dem Interbank Information Network (IIN) von Branchenkonkurrent JPMorgan Chase beigetreten. Dies berichtet die US-Finanznachrichten Financial Times am Sonntag, dem 15. September.

Das von der firmeneigenen, Ethereum-basierten Quorum-Technologie gestützte Netzwerk ermöglicht es seinen Mitgliedern, Transaktionsdaten in Echtzeit auszutauschen. Dies soll grenzübergreifende Bezahlungen reibungsloser, günstiger und vor allem schneller machen.

Bisher gehören dem derzeit 320 Mitglieder starken Netzwerk größtenteils Partnerbanken und Kundenbanken des US-Riesen an. Der Beitritt der Deutschen Bank wiederum soll nun jedoch weiterer Großkonkurrenz die Tür öffnen und das Blockchain-Netz fest im internationalen Geschäft etablieren.

Einem Netzwerk, das nur aus JPMorgans Kunden besteht, sind von Natur aus große Hürden gesetzt […]. Der Beitritt der Deutschen Bank – als hoffentlich erste von mehreren großen Banken – wird uns dabei helfen, unsere Präsenz zu steigern,

umreißt Takis Georgakopoulos, Tranksaktionschef von JPMorgan, die Expansionsstrategie hinter dem jüngsten Zuwachs. Nur wenn das Netzwerk am Markt allgegenwärtig sei, könne das Projekt Erfolg haben.


Derzeit zählt IIN 65 aktive Mitglieder, weitere 255 haben entsprechende Beitrittserklärungen unterschrieben. Mit Beitritt der Deutschen Bank als Türöffner soll das Netzwerk jedoch nun bereits zum Jahresende die Marke von 400 Mitgliedern knacken, so die Vorstellung der Schirmherren aus New York.

Deutsche Bank in Umbau und Dauerkrise

Wovon sich die Amerikaner einen Coup erhoffen, könnte sich gleichzeitig als wichtiger strategischer Positionswechsel der krisengebeutelten Deutschen Bank erweisen. Zwar gehört die globale Transaktionssparte derzeit noch zu den größten Stärken des Geldhauses. Doch gerade mit Blick auf günstige Sofortüberweisungen könnten die Frankfurter ihre Felle schon bald davonschwimmen sehen.

Zahlreiche FinTech- und Krypto-Unternehmen wie die Bankenplattform R3, welche erst in der vergangenen Woche das Branchenschwergewicht MasterCard in ihre Reihen aufgenommen hat, stehen mit ihren Ideen bereits in den Startlöchern. Vielen von ihnen wollen bei der Abwicklung von Transaktionen ebenfalls Blockchain-Technologie zum Einsatz bringen. Darüber hinaus weiß die Deutsche Bank um Konzernwährungen wie Facebooks umstrittenes Projekt Libra, die bereits in den Startlöchern stehen.

Unsere Wettbewerber sind nicht nur andere Banken, zu ihnen zählen auch neue Player im Markt. Wir müssen effizient genug werden, um reibungslose digitale Prozesse in Echtzeit zu ermöglichen,

beschreibt Ole Matthiessen, Chef der Überweisungssparte der Frankfurter, den Druck steigender Konkurrenz gegenüber der Financial Times.

Zwar konnte sich die Aktie der Deutschen Bank zuletzt wieder erholen. Derweil befindet sich das Geldhaus jedoch weiter in finanzieller Schieflage und verzeichnete zuletzt Rekordverluste. Nachdem sich die Frankfurter bereits im Juli von ihrer Investmentsparte lossagten und seitdem weltweit zahlreiche Mitarbeiter abbauen, scheint sich die Bank mit dem IIN-Beitritt auch im Überweisungsbereich winterfest machen zu wollen.


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