JPMorgan: Weiterentwicklung von Ethereum-basierter Blockchain Quorum

Max Halder

von Max Halder

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Max Halder

Max Halder kaufte 2011 seinen ersten Bitcoin. Er studierte Chemie und Pharmakologie an der Universität Regensburg und graduierte 2016 mit einem Master of Science. Seither setzt er sich als Pädagoge und freiberuflicher Dozent in einer Suchtklinik und in Förderzentren für Aufklärung und Bildung ein.

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JPMorgan Chase entwickelt mit dem Londoner Start-up Aztec die auf Ethereum basierende Blockchain Quorum weiter. Die Privatsphäre soll sich dadurch verbessern. Eine zweite Generation von Zero-Knowledge-Proofs im AZTEC-Protokoll soll das ermöglichen. 

Die größte Investmentbank der Welt, JPMorgan, und deren CEO Jamie Dimon sind über die Jahre immer wieder in den Schlagzeilen des Krypto-Space gewesen. Die Aussagen von Jamie Dimon schwingen wie ein Pendel von einem Extrem zum anderen: Mal ist Bitcoin Betrug, mal zeigt er sich reuig ob seines Urteils. Erst im Januar verkündete die Bank, dass sie ihren eigenen Krypto-Coin lancieren will. Nun ist bekannt geworden, dass das hauseigene Blockchain-Team an einer weiteren Lösung des Privatsphäreproblems arbeitet.

JPMorgan hat großes Interesse an Blockchain


JPMorgan arbeitet bereits seit Anfang 2016 an einer auf Ethereum basierten Blockchain namens Quorum, um interne Prozesse zu optimieren und internationale Zahlungen erheblich zu beschleunigen. Dabei gilt es jedoch Gesichtspunkte des Datenschutzes einzuhalten, was wiederum mit zusätzlichen Kosten und langsameren Transaktionen einhergeht. An dieser Stellschraube will die Investmentbank nun mit Unterstützung vom Londoner Start-up-Unternehmen Aztec arbeiten. Das Wort der Stunde in diesem Zusammenhang lautet Zero Knowledge Proof (ZKP), eine Art Beweis ohne Inhalt. Klingt paradox, lässt sich mathematisch jedoch realisieren. Man denke zum Beispiel an das zk-SNARKS-Protokoll von Zcash.

Zero Knowledge Proof

Das Problem, das ein ZKP versucht zu lösen, warf der taiwanische Informatiker Andrew Yao auf. Es ging als Yaos Millionärsproblem in die Geschichte ein und lautet folgendermaßen: „Zwei Millionäre möchten wissen, wer reicher ist. Jedoch wollen sie nicht unbeabsichtigt irgendeine weitere Information über ihren gegenseitigen Reichtum herausfinden. Wie können sie ein solches Gespräch führen?“ Mit den Zero Knowledge Proofs (ZKP) wird es möglich, eine Aussage über einen bestimmten Datensatz als wahr zu erkennen, ohne den Datensatz selbst zu kennen. Der mathematische Unterbau dieser ZKPs ist recht komplex. Dass die Softwareentwickler von JPMorgan jedoch „versuchen, die Zero-Knowledge-Proofs salonfähig zu machen“ bestätigte ein JPMorgan-Insider.

Ungewöhnliche Partnerschaft

Die Liaison der beiden Unternehmen könnte seltsamer nicht sein: JPMorgan setzt bei der Arbeit mit der Blockchain auf abgeschlossene Systeme. Selbst deren geplanter JPM Coin, der auf der Quorum-Blockchain laufen soll, wird wohl nur für ausgewählte Institutionen zur Verfügung stehen. Ganz anders spielt die Musik bei Aztec: Deren Ziel bestehe darin, die Lücke zwischen privaten, also geschlossenen Blockchains und öffentlichen, also offenen Blockchains zu überbrücken. Tom Pocock, CEO bei Aztec, will „das Beste vom Besten aus beiden Welten“. Dass er seinem Ziel ein Stück näher gekommen ist, macht ihn stolz: „Unser Protokoll wird jetzt von der wichtigsten Bank im Blockchainsektor getestet: JPMorgan.“

Aztec: Was wir anders machen

Aztecs Ansatz zur Privatsphäre unterscheide sich fundamental von dem bisher bei Quorum zum Einsatz kommenden Versuch. So sei das bei Quorum realisierte Konzept eine Mischung aus Zero Knowledge Proof und klassischen Drittprüfern. „Unser Ansatz basiert auf öffentlichen Blockchains, also wie kann man Transaktionen durchführen, wenn es keinen gesonderten Aufpasser gibt, der Zugang zu den eigentlichen Daten hat?“ so Dr. Zac Williamson, CTO bei Aztec. Technisch gesehen setzt Aztec das mit einer Sonderform der ZKPs, den sogenannten Range Proofs, um, die mit anderen kryptographischen Verfahren kombiniert würden. Range Proofs sind dabei das Schlüsselelement, das einerseits das Speicheraufkommen von Transaktionen verkleinert und andererseits die Geschwindigkeit erhöht. Damit wäre JPMorgans Ziel der Kostensenkung bedient.

Interessant ist Williamsons Anleihe aus der Welt des Bitcoin, wenn er das Konzept ihres Zero Knowledge Proof beschreibt: Man könne sich das wie den Unspent Transaction Outout (UTXO) bei Bitcoin vorstellen. „Der Enduser schickt einen ZKP, mit dem er beweist, dass die Summe der Inputs der Summe der Outputs gleicht. Wenn man das weiß, braucht man nicht die Inhalte der einzelnen Inputs bzw. Outputs zu kennen. Man weiß dann, dass die Transaktion mathematisch korrekt ist und gleichzeitig wird das Problem des Double Spending umgangen“, so Dr. Williamson.

Abschließend formulierte nach Pocock auch Williamson das Ziel von Aztec. Es ginge um die Überbrückung der Kluft, die aufgrund rechtlicher oder vertraglicher Probleme bei der Datenspeicherung auf einer öffentlichen Blockchain entstehen. Wenn wir das schaffen, „würden viele Gründe für private Blockchains vom Tisch sein.“ Daraus ließe sich ablesen, dass zwischen Aztec und JPMorgan ein Interessenkonflikt besteht. Doch insgesamt bleiben die Aussagen zu nebulös, als dass man die Stoßrichtung von Aztec herauslesen könnte.

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