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Interview Warum investierte Binance 500 Millionen US-Dollar in Twitter, Herr Bruncko?

Im Interview mit Binance-Manager Martin Bruncko sprach BTC-ECHO über die MiCA-Regulierung und den Twitter-Deal.

Daniel Hoppmann
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Martin Bruncko

Beitragsbild: BTC-ECHO

| Vor seinem Engagement bei Binance war Martin Bruncko unter anderem in der slowakischen Regierung tätig.

Binance ist angekommen in der Finanzwelt. Innerhalb von fünf Jahren mauserte sich die Krypto-Börse von Gründer Changpeng “CZ” Zhao zu einem der Zugpferde der Industrie. Derzeit versucht der Handelsplatz in Europa Fuß zu fassen. Arbeitet dafür eng mit Regulierungsbehörden zusammen. Die Ausbeute bisher: Registrierungen in Frankreich, Spanien, Italien und zuletzt Zypern.

An den jüngsten Erfolgen war Martin Bruncko maßgeblich beteiligt. Seit Oktober 2021 ist er bei Binance als Executive Vice President (EVP) für den Standort Europa zuständig. Sein oberstes Ziel: der Aufbau “voll regulierter Strukturen”. BTC-ECHO traf sich mit dem ehemaligen Innovationsminister der Slowakei auf dem WebSummit in Lissabon. Was er über die europäische Krypto-Regulierung MiCA denkt, warum man sich mit 500 Millionen US-Dollar am Twitter-Deal beteiligte und ob Binance nun endgültig zum BlackRock des Krypto-Space aufsteigt.

BTC-ECHO: Als EVP haben Sie in Europa aktuell alle Hände voll zu tun. Beschreiben Sie doch einmal ihren Arbeitsalltag. Was tun Sie als Erstes, wenn Sie ins Büro kommen?

Martin Bruncko: Ich komme gar nicht ins Office, ich arbeite remote. Wir bewegen uns in einem extrem schnelllebigen Umfeld. Jeden Tag passiert etwas Neues. Wir haben viele Projekte, die wir zügig zum Abschluss bringen wollen. Die tägliche Routine besteht also darin, dass es eigentlich keine tägliche Routine gibt (lacht).

Dementsprechend arbeite ich aber auch mehr als in anderen Positionen vorher. Locker 60 bis 80 Stunden pro Woche.

BTC-ECHO: Sie arbeiteten zuvor für verschiedene Organisationen, wie den Vereinten Nationen, die Europäische Union oder auch für die Slowakische Regierung. Helfen Ihnen diese Kontakte nun Binance in Europa zu regulieren?

Martin Bruncko: Wissen Sie, ich war im Tech-Business für mehr als 15 Jahre und parallel begann die politische Karriere. Vor fünf Jahren wollte ich mich dann doch lieber gänzlich der Tech-Welt zuwenden.

Um aber die Frage zu beantworten: Ich denke, dass die Kontakte nicht unbedingt das Entscheidende sind, sondern die Kredibilität. Die entsprechenden Leute wissen, dass ich ihre Welt kenne, weil ich ein Teil dieser Welt war. Ich würde sagen, ich spreche die Sprache der Regulatoren und Gesetzesmacher.

BTC-ECHO: Das macht sich langsam auch in Europa bemerkbar. Binance hat vor kurzem eine Registrierung auf Zypern bekommen. Auch in Deutschland bemüht man sich um eine Lizenz. Was ist eigentlich der Unterschied?

Martin Bruncko: Im Großteil Europas wird der Vorgang zwar “Registrierung” genannt. Manche Regulierungsbehörden gestalten diese Registrierungen allerdings wie vollständige Lizenzen. Da geht es allgemein um ein Verständnis für das Unternehmen. Wie operiert es, wer sind die Leute, werden Anti-Geldwäschemaßnahmen (AML) eingehalten. In Frankreich, Spanien und Zypern ist das beispielsweise so.

BTC-ECHO: Was passiert dann mit diesen “Lizenzen” wenn die Passporting Rule der MiCA in Kraft tritt? Werden sie obsolet?

Martin Bruncko: Ja, das werden sie. Aber das ist etwas Gutes. Wir sind tatsächlich glücklich über MiCA. Weil es einen großen europäischen Markt schafft und nationale Barrieren entfernt.

Das macht es auch Start-ups leichter, weil ein großer Zeit- und Kostenfaktor wegfällt. Diese Ressourcen können dann beispielsweise in die Produkt- und Kundenentwicklung gesteckt werden.

BTC-ECHO: Ist Europa nun in der Pole Position – vor den USA?

Martin Bruncko: Das kommt darauf an, was man unter einer Pole Position versteht. Ich denke, Europa hat die umfassendste und beste Krypto-Regulierung. In den USA gibt es viel weniger Klarheit. Einzelne Gruppierungen haben eigene Ansätze, wie man das Thema in den Vereinigten Staaten regulieren soll.

Podcast

BTC-ECHO: Stichwort USA: Warum hat Binance Elon Musk 500 Millionen US-Dollar zum Twitter-Deal beigesteuert?

Martin Bruncko: Wir haben in Twitter investiert, weil wir glauben, dass Web3-Technologien und -Anwendungen das Internet, insbesondere auch Social Media positiv beeinflussen werden, wenn sie denn richtig implementiert werden. Das ist der Hauptgrund, warum wir einen Platz am Tisch von Twitter haben wollten.

BTC-ECHO: Dann war das ein Teil des Deals, 500 Millionen für einen Platz am Tisch?

Martin Bruncko: Es war ja kein exklusiver Deal. Wir gehören nicht zu der Gruppe, die bei Twitter etwas zu bestimmen hat.

BTC-ECHO: Die Firmenhistorie war vor allem von schnellem Erfolg geprägt. In fünf Jahren vom Start-up zur Weltspitze. Ihre Börse weist das höchste Trading-Volumen aus und unterhält einen der größten Mining Pools. Ist Binance das BlackRock des Krypto-Space?

Martin Bruncko: Wir sind unbestreitbar ein wichtiger Player am Markt. Aber wir wollen uns nicht labeln lassen. Wir konzentrieren uns auf unsere Mission, weil wir an Krypto als eine Kraft des Guten glauben und dafür wollen wir ein breitgefächerter Infrastrukturanbieter sein.

Vielen Dank für das Gespräch.

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