„It takes a village“ – Impressionen von der Unchain Convention

Quelle: Anastasya Stolyarov

„It takes a village“ – Impressionen von der Unchain Convention

Im Rahmen der Unchain Convention kamen Developer, Investoren und Krypto-Enthusiasten zusammen, um über Bitcoin, Lightning und Blockchain-Technologie zu sprechen. Ein Wrap-up des Events.

Sommer, Sonne, Sonnenschein laden zur Convention ein – so oder so ähnlich könnte man die Stimmung vor und während der Unchain Convention beschreiben. Die Auswahl der Conference Venue unterstützte dieses lockere Motto perfekt. Zwischen den Vorträgen konnte man sich gemütlich am Ufer der Spree über das gesamte Holzmarkt-Gelände verteilen und über Satoshi und die Bitcoin-Welt diskutieren. Eine lockere Stimmung kam durch die Band auf, die in den Pausen immer wieder gute Musik spielte. Als Auftakt durfte natürlich „Fly me to the moon“ nicht fehlen.

Diese Stimmung war kein glücklicher Zufall, sondern durchaus beabsichtigt, schließlich ist die Unchain Convention nicht einfach eine Konferenz über Bitcoin und andere Kryptowährungen, sondern ein Tribe Gathering, ein Zusammenkommen der weltweiten Community. Entsprechend war ein signifikanter Teil der Gäste aus dem Ausland gekommen. Doch auch aus der deutschen Szene konnte man unter den Gästen und Speakern einige alte Bekannte wie Friedemann Brenneis von Coinspondent oder Christoph Bergmann von Bitcoinblog treffen.

Lightning – eine Frischzellenkur für die Bitcoin-Entwicklung

Ein weiterer alter Bekannter, Jeff Gallas von Fulmo, hielt einen Auftakt-Vortrag. Natürlich drehte sich dieser um „sein“ Thema: Lightning, so seine These, hat der gesamten Developer-Aktivität um Bitcoin neue Perspektiven gegeben. Das sieht man nicht einfach an den großen Projekten wie C-Lightning oder Lightning Labs, sondern an neueren Projekten wie Nayuta und vor allem an der #buildl-Mentalität verschiedener unabhängiger Developer. Nur um ein Beispiel zu erwähnen, hat Stefan vom Honigdachs-Podcast eine Lightning-Node auf einem alten, kaputten Handy aufgesetzt.

Weitere Aspekte der Verjüngung der Bitcoin-Entwicklung konnte man auch auf den späteren Vorträge kennenlernen: seien es Christian Decker von Blockstream, Igor Korsakov von blue Wallet oder Stefan Snigirev von crypto advance – es gab viele unterschiedliche Blickwinkel auf neue Projekte um das Lightning Network.

Den die Lightning-Szene ausmachenden Pioniergeist konnten einige Besucher der Veranstaltung bei einem späteren Get-Together kennenlernen: Während einer kleinen Spreetour setzte das Fulmo-Team eine Lightning Node auf und verwandelte das Boot in einen First Class Citizen:

So schön dieser Entwicklergeist auch ist, merkt man an vielen Stellen noch, dass das Arbeiten mit dem Lightning Network nicht trivial ist. Immerhin wird dies mit Projekten wie Raspiblitz, Casa Hodl oder DappNode einfacher. Alex Casas vom letztgenannten Unternehmen stellte ihre Docker-basierte All-in-One-Lösungen für Nodes verschiedener Art ein. In klassischer Krypto-Manier rief er dazu auf, dass jeder Nutzer ein Nodler werden soll.

Was braucht es für einen First Class Citizen im Bitcoin-Ökosystem?

Dennoch ist hier noch ein weiter Weg zu gehen, bis jeder ein First Class Citizen werden kann. Max Hillebrand, unter anderem aktiv beim World Crypto Network, stellte dar, was Nutzer alles für eine Maximierung der Privatsphäre im Lightning Network berücksichtigen müssen. Natürlich sollten Nutzer das Tor-Netzwerk nutzen, doch damit nicht genug: Für jeden Kanal sollte eine neue UTXO genutzt werden – und natürlich keine der Verwahr-Lösungen wie Coinbase. Doch damit fangen die Herausforderungen erst an. Zumindest die Maximierung der Privatsphäre ist nicht privat.

Lightning war jedoch nur ein Thema. Max Keidun von Hodl Hodl brach eine Lanze für Multisig. Multisig-Transaktionen sind Transaktionen, die mehr als einen Private Key zur Autorisierung einer Transaktion benötigen. Max Keidun zeigte auf, dass Multi-Signature-Transaktionen letztlich eine Basis für Smart Contracts darstellen. Mit ihnen können grenzüberschreitende Verträge aufgesetzt werden, was beispielsweise für dezentrale Verträge mit Freelancern oder für Eheverträge sinnvoll sein kann.

Bitcoin statt Blockchain – Ein Fest für tolerante Maximalisten

Bei so viel Lightning und Multisig könnte der Eindruck entstehen, dass es sich bei der Unchain Convention um eine Veranstaltung von Blockchain-Maximalisten handelte. Und ja, der Eindruck ist nicht ganz falsch (wobei er, wie später dargestellt, unvollständig wäre). Mit Tone Vays und Andrei Martchouk existierten mindestens zwei Speaker, die ihre Meinung bezüglich Bitcoin auf der einen und anderen Coins beziehungsweise Enterprise-Use-Cases auf der anderen Seite eindeutig darstellten.

Tone Vays stellte in seinem Talk leidenschaftlich Bitcoins Wertversprechen dar, welches er jüngst in einem Interview auf unserer Webseite kurz anriss: Bitcoin ist so viel wert, weil es unkonfiszierbar ist. Entsprechend war für Tone Vays die Initialzündung für sein Interesse in Bitcoin die zypriotische Finanzkrise. Fast 50 Prozent des ersparten Eigentums wurde den Bürgern Zyperns in der Zeit genommen. Dies war durch den direkten Zugang der Regierungen zu den Bankkonten der einzelnen möglich – mit Bitcoin wäre das unmöglich gewesen. In eine ähnliche Richtung scheint, wie gestern beschrieben, Hans-Werner Sinn zu denken – jedoch aktuell noch ohne Bitcoin als Lösung des Problems zu sehen.

Andrei Martchouk von KI decentralized stellte eine gewagte Pro-Bitcoin-These auf: Die Blockchain existiert nicht. Mit dieser Aussage leitete Andrej eine kritische Betrachtung der Enterprise-Blockchains ein. Er zeigte auf, dass viele der Use Cases in diesem Bereich Irrlichter sind. Seiner Meinung nach ist einer der Gründe dafür schon im Begriff „Blockchain-Technologie“ zu finden. Blockchain ist eine Gruppe an Protokollen, keine Technologie. In dem Sinne ist es mehr mit dem TCP/IP denn mit dem Internet vergleichbar. Mit dieser Analogie stellt sich die Frage, warum es für jeden einzelnen Use Case eine neue Blockchain braucht. Passend schloss der Vortrag mit dem Satz „Der nächste Bitcoin ist Bitcoin“ ab.

Jenseits von Bitcoin: Ein Blick auf die dezentrale Revolution

Der Unchain Convention würde man jedoch nicht gerecht werden, wenn man sie als eine reine Bitcoin-Maximalisten-Veranstaltung bezeichnet würde. Genügend Projekte außerhalb des Bitcoin-Ökosystems hatten ebenfalls ihren Platz auf der Bühne. Seien es karitative Projekte wie Giveth oder eine Vorstellung der Bitnation – auch jenseits von Lightning oder Bitcoin zeigt sich die Krypto-Community lebendig. Oder um es mit den Worten von Dr. Christian Decker zu sagen:

Die Unchain Convention ist eine unglaublich coole Veranstaltung mit einer genial gewählten Location, interessanten Speakern mit anspruchsvollen Talks. Entsprechend sind auch die Diskussionen, die hier stattfinden, unglaublich spannend.

Zwei Tage lang konnten sich Krypto-Enthusiasten unter ihresgleichen bewegen. Aus aller Welt kamen nicht nur Speaker, sondern auch Gäste, um sich mit der Community auszutauschen. „A blockchain takes a village“ sagte Brock Pierce während eines Fireside Chats. Während dieser zwei Tage wurde das Holzmarkt-Gelände zu diesem Dorf. Es wird spannend sein zu sehen, wie sich dieses Dorf bis ins nächste Jahr auf der hoffentlich stattfindenden Unchain Convention 2020 entwickelt.

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