Tone Vays im Interview: „Ich schließe einen Bitcoin-Kurs unter 3.000 US-Dollar nicht aus“

Quelle: tonevays.com

Tone Vays im Interview: „Ich schließe einen Bitcoin-Kurs unter 3.000 US-Dollar nicht aus“

BTC-ECHO hat mit Tone Vays über Trading, Bitcoin und das Krypto-Ökosystem sprechen. Im ersten Teil haben wir vor allem über das, was Bitcoin besonders macht, gesprochen. Im zweiten Teil möchten wir die aktuelle Marktlage um Bitcoin betrachten. 

Der bekannte Bitcoin-Analyst Tone Vays erörterte im ersten Teil des Interviews, welche drei Eigenschaften Bitcoin zu einem in der Menschheitsgeschichte einzigartigen Asset machen. Diese Pro-Bitcoin-Haltung führt jedoch nicht sofort zu der Position, dass der Bitcoin-Kurs ab jetzt nur noch steigen kann.

In einem Artikel haben wir Ende April über die bullishen und bearishen Prognosen von Tone Vays und anderen Koryphäen der Krypto-Szene diskutiert. Tone Vays mag zwar Bitcoin-Maximalist sein, aber er schwimmt nicht immer mit dem Strom. Anders als die Permabullen, die den Bitcoin-Kurs in wenigen Monaten neue Höhen erreichen sehen, geht er eher davon aus, dass es noch einmal abwärts gehen wird. Viel Kritik musste er für diese Meinung einstecken – nicht nur jetzt, sondern auch, als er Mitte Oktober 2018 eine Short Position eröffnete. An diese Diskussion knüpfen wir im zweiten Teil unseres Interviews mit Tone Vays an: Wo steht der Markt gerade? Was fehlt dem Ökosystem von Bitcoin, um richtig durchstarten zu können?

Für einen Bullenmarkt braucht es einen Pullback

BTC-ECHO: Viele waren vom Bull Run der letzten Wochen begeistert, du hast jedoch immer wieder betont, dass du der aktuellen bullishen Prognose nicht vertraust. Du gehst eher von einer Bull Trap aus. Warum ist das so?

Tone Vays: Ich war den Großteil des Jahres 2018 ein Bär und habe auch im Jahr 2019 diese Position. Ja, wie auch die Vertreter der bullishen These sehe ich, dass wir tief gefallen sind und dass wir einen Rebound erleben. Ich habe immer die Position vertreten, dass sich bei dem seit Anfang April verfolgten Anstieg um eine Bull Trap handelt. Meiner Meinung nach braucht es, um den Bärenmarkt wirklich zu beenden, paradoxerweise einen Pullback um 30 bis 40 Prozent, durch den der Bitcoin-Kurs auf ein höheres Low als das im Jahr 2018 erreichen wird. Am 16. Mai kamen wir diesem erhofften Pullback mit einem Dump von 25 Prozent nahe. Es handelte sich dabei aber nur um einen Flash Crash und keine wirkliche Korrektur. Wenn ich von Korrekturen spreche, rede ich von wirklich dramatischen Preisentwicklungen. Auch mit der aktuellen Rallye schließe ich einen Bitcoin-Kurs unter 3.000 US-Dollar nicht aus.

Wir müssen es doch so sehen: Bisher haben wir nur eine hitzige Aufwärtsrallye. Wir haben noch kein Zeichen für einen nachhaltig positiven Trend. Keinen Test dieser Aufwärtsbewegung, keinen Pullback, kein Higher High und kein Higher Low. Solange ich diese Zeichen nicht sehe, bleibe ich skeptisch.

Einige Leute wie Willy Woo oder David Puell kommen durch eine Analyse des On-Chain-Volumens zu anderen Schlüsse. Ich gebe zu, dass das für mich eine neue Metrik ist und ich nicht weiß, wie wichtig diese für das Kursverhalten Bitcoins letzten Endes sein wird. Sicher, Willy Woo etc. können tatsächlich recht haben. Ich jedoch bleibe bei meinen etablierten Methoden des Tradings und aus der Chart-Perspektive sehe ich noch keine endgültige Bestätigung eines Bullenmarktes.

BTC-ECHO: Ein oft zitiertes Narrativ bezüglich eines Bull Runs ist das Kommen institutioneller Investoren. Es stellt sich jedoch sicherlich die Frage, ob diese aktuell kommen würden. Das Drama um Bitfinex ist weit davon entfernt vorbei zu sein und Binance hatte erst jüngst einen dramatischen Hack zu verschmerzen. Beides sind nicht gerade Argumente für ein signifikantes Investment seitens institutioneller Investoren. Wie schätzt du die Situation ein?

Tone Vays: Zweifellos ist es ein Hindernis für die institutionellen Investoren. Würde ich ein Family Office oder ähnliches leiten, würde ich aktuell kein Geld in das Krypto-Ökosystem integrieren. Wie soll man gegenüber seinen Kunden oder gegenüber Behörden überzeugend klarmachen, dass trotz der Causa Bitfinex und ähnlicher Fälle dieses Investment ein sicheres ist? Die CME beklagte jüngst, dass sie den Exchanges, die den in den Futures gehandelten Preisen eine Grundlage geben sollen, nicht vertrauen können. Sie haben keine Möglichkeit, etwaiges marktverfälschendes Verhalten seitens dieser Börsen auszuschließen.

Das Problem ist doch, dass der Bitcoin-Kurs aktuell durch das Trading auf unregulierten, unsicheren Börsen wie Bitfinex oder Binance stattfindet.

BTC-ECHO: Gibt es denn Börsen, denen ein Trader oder Anleger vertrauen kann?

Tone Vays: Die einzigen zwei Börsen, die mir einfallen, sind itBit und Gemini. Diese stammen aus New York und versuchten, konstant mit den Behörden zusammengearbeitet haben. Entsprechend sehe ich bestenfalls in diesen vertrauenswürdige Börsen. Das Problem ist jedoch: Das Handelsvolumen auf diesen Börsen ist extrem gering, entsprechend findet dort keine Preisfindung für den Bitcoin-Kurs statt.

Bitcoin braucht keine Altcoins

BTC-ECHO: Passend zu dieser kritischen Bestandsaufnahme des Krypto-Ökosystems ist deine Haltung bezüglich anderer Kryptowährungen. Deine Meinung zu Altcoins jenseits von Bitcoin ist bekannt: Du siehst in allen lediglich Shitcoins und sagst, dass diese für ein nachhaltiges Ansteigen von Bitcoin sterben müssen. Ein wenig als des Teufels Advokat: Kryptowährungen wie Ethereum wollen andere Probleme als Bitcoin lösen. Haben diese nicht dadurch eine Daseinsberechtigung?

Tone Vays: Seien wir da ehrlich: All diese Krypto-Assets lösen kein Problem, welches nicht auch Bitcoin lösen kann. Temporär mag es so erscheinen, aber eigentlich ist es häufig nur eine Lösung für die Entwickler hinter den Kryptowährungen: Sie drücken sich damit vor den rechtlichen Fragestellungen, die eigentlich mit ihrem Use Case in Verbindung stehen. Die Regulierung holt jedoch auf. Wir können dabei den Blick auf den ICO-Boom im letzten Jahr werfen: Eine Unmenge an Projekten versuchte, auf diese Weise Gelder an der Finanzregulierung vorbei zu akquirieren. Die Behörden haben sich jedoch in Sachen Token Sales eindeutig geäußert.

Wie gesagt: Keines der anderen Krypto-Assets kann Probleme lösen, die nicht auch Bitcoin lösen könnte. Ethereum kam mit Smart Contracts, was du spätestens über die Liquid Sidechain auch auf Bitcoin tun kannst. Monero rühmt sich seiner Anonymität, jedoch holt die Anonymität von Bitcoin dank neuester Entwicklungen dramatisch auf. Zugegebenermaßen: Es mag sein, dass die Anonymität von Monero immer besser als die von Bitcoin bleibt, aber wer nutzt Monero? Wenn es niemand nutzt, ist es irrelevant, leicht besser zu sein.

Mehr noch: Es ist dann sogar schädlich, geht man doch weniger in der Masse unter. Wenn drei Leute den am besten verschlüsselten Chat nutzen, mag dieses Chatprotokoll grandios sein, jedoch wird es nicht viel bringen. Denn auch wenn der Chat von außen nicht lesbar sein mag, wird man die drei Leute schnell ausfindig machen können. Sie gehen nicht in der Masse unter. Wenn ein anderer Chat eine etwas geringere Anonymität bietet, jedoch die halbe Welt ihn nutzt setzt dieser sich durch.

Was mich an dieser Altcoin-Explosion stört und weshalb ich so scharf über andere Krypto-Assets spreche: Sie alle stellen bezüglich Bitcoin eine Art Inflation dar. Ich habe zum Interviewbeginn die limitierte Menge der Bitcoin als eine der herausragenden Eigenschaften angepriesen. Jemand, der diese Meinung teilt, jedoch zusätzlich Litecoin gut findet, gibt eigentlich implizit zu, dass Bitcoin mehr Coins hätte haben sollen. Man könnte sogar so weit gehen, dass er dann doch lieber für eine Erhöhung des Bitcoin-Supplies sein sollte. Bitcoin ist sicherer und stabiler – warum sollte man selbst für eine Inflation ein schlechteres Asset wählen?

BTC-ECHO: Zu dem Sterben der Altcoins noch eine zweite Frage: Was genau meinst Du damit? Wenn ich mich im Krypto-Ökosystem umschaue, sehe ich, dass selbst absolute Shitcoins weiter existieren. Ist es realistisch, davon auszugehen, dass 90 Prozent der Kryptowährungen verschwinden?

Tone Vays: Mein Punkt ist folgender: Ich denke, dass Bitcoin sich von jedem einzelnen Altcoin separiert. Aktuell existieren ein paar Altcoins, deren Marktkapitalisierung mehr als ein paar Prozent von Bitcoins Marktkapitalisierung ist. Die Unmenge an Altcoins sorgt dafür, dass die Dominanz Bitcoins bei „nur“ knapp 60 Prozent liegt. Langfristig sollte der Anteil einzelner Altcoins an der gesamten Marktkapitalisierung sinken. Ich gehe davon aus, dass in zehn Jahren der beste Altcoin bestenfalls eine Marktkapitalisierung besitzen wird, die nur zwei Prozent der Marktkapitalisierung von Bitcoin entspricht. Es mag zwar weiterhin so sein, dass alle Altcoins aggregiert eine vergleichbare Marktkapitalisierung besitzen, aber das wäre so, als würden wir alle Pennystocks aggregieren und sagen, dies würde eine Konkurrenz für Googles Marktdominanz sein. Das sagt aber nichts über die Dominanz oder Nützlichkeit einzelner Pennystocks aus. Genau so ist es bei anderen Altcoins im Vergleich zu Bitcoin.

Tone, vielen Dank für das Gespräch!

Wie oben angedeutet ist, wird Tone Vays nicht nur für die Unchain Convention in Berlin sein, sondern auch einen Trading-Workshop am 16. Juni veranstalten. Noch können Tickets für 0,1 BTC erworben werden. Anmelden kann man sich auf seiner Homepage. Übrigens: Auch für die Unchain Convention sind noch Tickets für 690 Euro zu haben. 

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