Tone Vays im Interview: „Banken haben nur die Macht, die die Gesellschaft ihnen zugesteht“

Quelle: tonevays.com

Tone Vays im Interview: „Banken haben nur die Macht, die die Gesellschaft ihnen zugesteht“

Im Juni wird Tone Vays auf der Unchain Convention einen Vortrag halten. Kurz danach wird er in einem Workshop Interessierten seine Strategien der Chartanalyse erläutern. BTC-ECHO sprach mit dem bekannten Bitcoin-Trader über das Tradinggeschäft und die Einzigartigkeit von Bitcoin. 

fokussiere mich in diesem Workshop auf die technische Analyse und darauf, wie man Charts liest. Ich möchte den Teilnehmern beibringen, wie sie mögliche Einstiegspunkte finden können. Ein Fokus im Seminar wird das Arbeiten mit dem TD Sequential sein. Beim TD Sequential handelt es sich um einen Indikator, der, anders als der Großteil der Indikatoren, ein zeitbasierter und nicht ein preisbasierter Indikator ist. Er verhilft Leuten, die ihn verstehen, optimale Zeitpunkte für einen Ein- oder Ausstieg aus einem Trade zu finden.

Die ursprüngliche Version desselben ist auf den Bloomberg Terminal beschränkt. Dank Tools wie TradingView konnte ich einen ähnlichen Indikator in den Krypto-Space bringen. Meine Implementierung, der TI Indicator, verfügt über ein paar Verbesserungen im Vergleich zur proprietären Implementierung im Bloomberg Terminal. Im Zuge des Workshops werden die Besucher Zugriff auf diesen Indikator erhalten.

Prinzipiell wäre Geldmanagement auch ein wichtiges Thema, aber leider fehlt hier häufig das Interesse. Ich möchte aber deshalb jedem sagen: Sicherlich kann man über eine technische Chartanalyse Möglichkeiten für gute, profitable Trades finden, aber ein solides Geld- und Risikomanagement ist vital. Ein grandioser Trader ohne Geldmanagement wird irgendwann aus dem Markt gespült und ist einem schlechten Trader mit gutem Risikomanagement unterlegen.

BTC-ECHO: Du bist ein Trader und technischer Analyst. Ein klassisches Argument gegen die Chartanalyse im Bereich der Kryptowährungen ist, dass die Kurse entweder durch die großen Wale oder durch aktive Trading Bots manipuliert seien. Wie ist deine Position dazu?

Tone Vays: Um ehrlich zu sein: Ich habe kein Problem mit Walen. Ein Wal mit viel Kapital darf den Markt bewegen. Manipulation ist aus meiner Sicht etwas wie der Hack von Binance und mehr noch das anschließende Verhalten von Binance, was Tradern die Möglichkeit raubte, auf dieses Ereignis zu reagieren.

Das kann man auf Bot Trading übertragen: Solange der Bot legal agiert, habe ich kein Problem mit Bots im Krypto-Markt. Sicher, von Spoofing oder Wash Trading bin ich kein Fan, aber das sind auch illegale Strategien. Außerdem ist beim Wash Trading die Frage zu stellen, inwieweit es den Markt manipuliert. Wenn es die Kurse nicht manipuliert, habe ich, auch wenn es weiterhin illegal ist, kein Problem, wenn jemand Wash Trading betreibt.

Freilich können Manipulationen markt- und damit chartverzerrend wirken. Aber ich habe damit nur ein Problem, wenn Insider-Trading oder die schon genannten Tätigkeiten den Kurs signifikant beeinflussen.

Bitcoin – Einzigartig in drei Punkten

BTC-ECHO: Deine Position bezüglich Bitcoin ist recht bekannt. In deinen Screencasts merkt man, dass du langfristig sehr bullish bezüglich Bitcoin bist. Prognosen à la „Bitcoin kann auf 250k gehen“ verblassen im Vergleich zu dem Potenzial, welches du und beispielsweise Tyler Jenks in Bitcoin sehen. Wie kann man eine Bewertung von mehreren Millionen begründen?

Tone Vays: Im Vortrag auf der Unchain Convention spreche ich über die drei Eigenschaften Bitcoins, die bisher nichts anderes auf der Erde hatte: Bitcoin kann von keiner Partei konfisziert werden. Das existierte bisher in der Menschheit nicht. Zuvor galt bezüglich des Besitzes das Gesetz des Stärkeren. Jeder mit genügend Macht konnte deine Einlagen einziehen. Bitcoin ändert das und gibt damit jedem einzelnen eine Macht, die Menschen noch nie zuvor hatten. Das Wissen um ein paar Worte (die Seed Phrase) gibt dir die Macht über diese Fonds.

Man kann sogar noch weiter gehen: Es gibt den Ausspruch „Du nimmst nichts mit“. Im Fall von Bitcoin gilt das nicht. Du hast die Freiheit und Verantwortung über die Verwaltung deiner Private Keys nach deinem Ableben. Solltest du niemandem diese nach deinem Tod überantworten, nimmst du deine Bitcoin mit ins Grab. Mehr noch: Diese Entscheidung ist zum Segen aller anderen Bitcoin-Holder, wird so doch der Supply niedriger – und konsequent der Wert erhöht.

Die zweite herausragende Eigenschaft Bitcoins ist die Zensurresistenz. Hier gilt, ähnlich wie bei der Unkonfiszierbarkeit, dass Bitcoin per Protokoll zensurresistent ist. Zwar könnten Regierungen per Gesetz ihre eigenen KYC/AML-Regulierungen abschaffen und bezüglich Zensurresistenz Bitcoin scheinbar Konkurrenz machen, aber eine Unkonfiszierbarkeit ist mit keinem Gesetz der Welt zu erreichen.

Die dritte besondere Eigenschaft Bitcoins nimmt einen großen Raum in Saifedean Ammous’ Buch „Der Bitcoin Standard“ ein. Bitcoin ist absolut limitiert. Wir berührten das Thema kurz bezüglich der Unkonfiszierbarkeit. Diese Limitiertheit ist deutlich strenger als die von Gold geregelt.

BTC-ECHO: Diese Eigenschaften sorgen dafür, dass Bitcoin auch jenseits einzelner Nutzer interessant ist. Saifedean Ammous stellt in seinem Buch „Der Bitcoin Standard“ Bitcoin als besonders nützlich für Zentralbanken dar. So sehr man diesem Gedankengang folgen kann, stellt sich mir die Frage, ob Zentralbanken – auch im Kontext der Unkonfiszierbarkeit – Wale als direkte Konkurrenten akzeptieren könnten.

Tone Vays: Ob Zentralbanken Bitcoin als Standard einführen oder nicht, ist irrelevant. Um ehrlich zu sein: Ich weiß nicht, wie Banken irgendwann zu Bitcoin stehen, aber das ist eigentlich auch egal. Banken haben, auch wenn es manchmal anders scheint, nur die Macht, die die Gesellschaft ihnen zugesteht. Viele denken, die Zentralbanken hätten absolute Macht, doch das stimmt so nicht, die Macht ist nur von der Gesellschaft geliehen. Wenn diese das Vertrauen in die Zentralbanken verliert, sind Zustände wie in Venezuela oder Zimbabwe die Folge. Ob also Zentralbanken Bitcoin als goldähnliches Tauschmittel ansehen, ist deshalb nicht die Frage. Die Frage ist, ob die Menschheit das sehen wird. Und gerade bezüglich des Vertrauens in die Zentralbanken wäre Bitcoin eine gute, überprüfbare Grundlage.

BTC-ECHO: Betrachten wir große Marktzyklen und langfristige makroökonomische Modelle, kommen viele zum Schluss, dass wir uns aktuell an einem besonderen Punkt in den Zyklen der Weltwirtschaft bewegen. Du hast mehrfach ausgedrückt, dass diese Zyklentheorie von Martin Armstrong auch bei Bitcoin angewandt werden kann. Kannst du dazu ein wenig erzählen?

Tone Vays: Ich schätze die Arbeit von Martin Armstrong sehr und denke, dass es hier durchaus Grund gibt, seiner Zyklentheorie Vertrauen zu schenken. Ohne zu genau auf diese Theorie einzugehen, ist ein Kerngedanke, dass hinter verschiedenen Assets ein Zyklus von 3.114 Tagen beobachtet werden kann. Dieser Kerngedanke hinter dem Modell half mir, einige Wendepunkte in der Geschichte Bitcoins zu erkennen: Der Sommer 2015, was dem zu 3/4 beschrittenen Pi-Zyklus entspricht, fiel mit der griechischen Bankenkrise zusammen, was indirekt auch für Bitcoin ein wichtiger Moment war. Der 11. August 2017 entspricht, von Bitcoins Genesis Block aus betrachtet, der Abschluss eines vollen Pi-Zyklus – und auch ungefähr der Aktivierung von Segregated Witness.

Nachdem wir im ersten Teil des Interviews etwas aus einer Vogelperspektive auf das Potenzial von Bitcoin schauten werden wir im zweiten Teil ein wenig auf den aktuellen Stand von Bitcoin, auf seine Einschätzung der aktuellen Marktlage und über seine Position zu anderen Kryptowährungen sprechen. Es lohnt sich also, auch den zweiten Teil zu lesen.  

Wie oben angedeutet ist, wird Tone Vays nicht nur für die Unchain Convention da sein, sondern auch einen Trading-Workshop am 16. Juni veranstalten. Noch können Tickets für 0,1 BTC erworben werden. Anmelden kann man sich auf seiner Homepage. Übrigens: Auch für die Unchain Convention sind noch Tickets für 690 Euro zu haben. 

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