Core vs Unlimited: Was ist eine Bitcoin Hard Fork und was die Folgen?

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Core vs Unlimited: Was ist eine Bitcoin Hard Fork und was die Folgen?

Aufgrund zahlreicher Nachfragen und gegebenen Anlassen, erklären wir im nachfolgenden Artikel die Entstehung und Hintergründe eines bzw. einer Hard Fork.

Aktuell herrscht eine heiße und langwierige Debatte darüber, welcher Lösungsansatz zur Skalierung von Bitcoin der Richtige ist: Bitcoin Core oder Bitcoin Unlimited.

Grund der Debatte

Grund für die Debatte ist das aufgrund der immensen Auslastung immer langsamer werdende Netzwerk. Es gibt mittlerweile einfach so viele Transaktionen, dass diese für viele Nutzer nicht mehr in einem angemessenen Zeitraum bestätigt werden. Resultat ist neben der steigenden Anzahl unbestätigter Transaktionen im Backlog, ein Anstieg der Transaktionsgebühren – je mehr man zahlt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Miner die Transaktion in seinen jetzigen Block aufnimmt. Das Bitcoin Netzwerk kann aktuell unter günstigen Bedingungen maximal 7 Transaktionen pro Sekunde über das Netzwerk bestätigen. Der Flaschenhals ist hier derzeit die Blockgröße von 1MB, die nur eine limitierte Anzahl von Transaktionen fassen und über das Netzwerk bestätigen kann. Durchschnittlich wird alle 10 Minuten ein neuer Block generiert.

Core vs Unlimited

Um diesem seit Jahren bereits bekannten Problem entgegenzuwirken, suchen verschiedenen Entwicklergruppen nach Lösungansätzen, die das Netzwerk leistungsstärker machen sollen. Die wohl bekanntesten sind Bitcoin Classic, SegWit und Bitcoin Unlimited. Die aktuelle Schlammschlacht begrenzt sich jedoch auf eine zu eskalieren drohende Debatte zwischen dem Bitcoin Core Entwicklerteam (SegWit) und den Vertretern von Bitcoin Unlimited.

Beide Seiten vertreten zwei unterschiedliche Lösungsansätze: SegWit steht für ein effizienteres Netzwerk, die effektive Blockgröße soll verdoppelt werden. Lösung soll eine Verkleinerung der Transaktionsdatensätze sein, sodass ein Block von 2MB mehr Transaktionen fassen und über das Netzwerk abwickeln kann. Zudem soll eine Off-Chain Lösung, abseits der Blockchain, für einen schnelleren Transaktionsdurchfluss sorgen.

Bitcoin Unlimited (BTU) hingegen fordert mit seinem Lösungsansatz eine dynamische Blockgröße die individuell angepasst werden kann. Ein Block könnte, sollte sich BTU durchsetzten können, zukünftig also beliebig groß werden. Mehr Transaktionen pro Block wären hier das Resultat. Die Entscheidung über die Blockgrößen läge hier bei den Minern.

Sollte Bitcoin-Unlimited also eine Mehrheit der Hashing-Power >51% erlangen, könnte das eine Hard Fork und damit eine Spaltung des Netzwerks mit sich führen. Je nach Reaktion der Börsen gäbe es 2 Bitcoins mit jeweils insgesamt maximal 21 Millionen Token: BTC und BTU. Wir erinnern uns Ethereum und Ethereum Classic.

Eine detaillierte Erklärung findet ihr in unserem YouTube Video.

 Was ist ein Hard Fork?

Eine Hard Fork, also eine Spaltung des Netzwerks entsteht dann, wenn das Protokoll nicht mehr abwärtskompatibel ist. Am Beispiel von Bitcoin Unlimited würden aktuelle Bitcoin Core Clienten neue Blocks mit einer Größe von >1MB als nicht valide ansehen und verwerfen. Die Transaktionen würden mit zu wenig Support aus der Community, die die jeweiligen Nodes betreiben (Core oder Unlimited), also einfach verworfen werden. Der Support aus der Community wird also an der Anzahl der installierten Software (Core oder Unlimited) gemessen. Aktuell beträgt der Anteil Core Nodes 84% und der Anteil Unlimited Nodes 10%. Die übrigen Nodes setzen sich aus Bitcoin Classic und XT Nodes zusammen.

Eine Vergrößerung der Blockgröße ist technisch gesehen relativ einfach. Hier wird im Quellcode das 1 MB durch 2 oder 3 MB ersetzt. Doch größere Blöcke können unerwartete Folgen haben, denn selbst eine Vergrößerung auf 2 MB bedeutet, dass die Nodes doppelt so viele Daten übertragen müssen. Viel schwieriger ist es aber, auch die Miner davon zu überzeugen die neuen Blocks zu schürfen – bis hin zum Konsens. Ist dieser Konsens gefunden, werden ab sofort die neuen Blöcke (>1MB) von den alten Nodes verworfen, von den neuen Nodes der Nutzer jedoch akzeptiert – eine zweite, parallele Blockchain ist geboren und das Netzwerk wurde geforkt. Im Fall von Bitcoin Core und Unlimited gäbe es nun zwei Bitcoins: BTC und BTU.

Was sind die Konsequenzen einer zweiten Lösung?

Mögliche Szenarien einer neuen Software Lösung am Beispiel von Bitcoin Core (SegWit) und Bitcoin Unlimited.

Mangelnder Miner-Support

Wenn Bitcoin Unlimited bzw. der „neue“ Coin zwar genügend Supporter aus der Community (Nutzer, Walletanbieter, Börsen etc.) hat, aber nicht genügend Miner Support findet, ändert sich gar nichts. Denn die Miner bestimmen die Blockgröße und bestätigen die gefundenen Blocks.

Aktuell steigt der Unlimited Miner Support: SegWit: 28,2%; Bitcoin Unlimited: 38,7%

Durch den wachsenden Miner Support steigt zusätzlich die Anzahl der geschürften Unlimited Blocks:

Mangelnder Community Support

Sollte Unlimited zwar die Mehrheit der Miner zu sich ziehen, aber sämtliche Börsen, Nutzer und Wallet Anbieter Bitcoin Core treu bleiben, würden die neuen Blocks zwar von den Minern geschürft, aber nicht durch das Netzwerk validiert werden. Bei einer geringen Nutzerakzeptanz würden die Transkationen zwar weiterhin validiert werden, jedoch aufgrund der geringen Beteiligung zunehmend zentralisiert werden. Auch würde es für die Miner mit fehlendem Support aus der Community schwierig werden, ihren Reward von 12,5 Bitcoin pro Block an den Mann zu bringen.

Aktueller Support aus der Community, gemessen an der Anzahl Nodes: Core Nodes 84% und der Anteil Bitcoin Unlimited Nodes 10%

Szenario einer Bitcoin Unlimited Minderheit

Sollte Bitcoin Unlimited weiterhin nur von einem kleinen Kreis Nutzer und Minern supportet werden, würde alles so weiterlaufen wie bisher. Es würden zwar Blocks geschürft und auch bestätigt werden, die BTUs wären jedoch aufgrund der mangelnden Akzeptanz weniger wert.

Szenario einer Bitcoin Unlimited Mehrheit

Sollte Bitcoin Unlimited die klare Mehrheit sowohl bei den Minern als auch bei den Nutzern erlangen, wäre die Sache ganz klar. Die Risiken außer Acht gelassen, würden ab sofort mehrheitlich Blocks >1MB geschürft und über das Netzwerk validiert werden. Die alte Core Kette würde zunehmend Miner und Supporter verlieren.

Keine Mehrheit, Keine Minderheit

Das wohl denkbar ungünstigste Szenario für die breite Bitcoin-Akzeptanz ist eine aktive Verwendung beider Varianten. Sollte sich ein Großteil der Miner und Nutzer für die Unlimited Lösung entscheiden und der andere Teil dem Core Team Treue halten, gäbe es zwei parallel zueinander laufende Blockchains. In diesem Fall BTC und BTU. Zudem würde ein solches Szenario für große Unsicherheit führen. Je nachdem welchen Lösungen die Börsen folgen werden, würden die Bestände der Nutzer angepasst werden, denn theoretisch würde man die Menge die man an BTC hält genauso in BTU besitzen (habe ich jetzt 1 BTC, dann hätte ich nach dem Fork zusätzlich 1 BTU). Wir hätten eine ähnliche Situation wie bei Ethereum und Ethereum classic.

Ohne an dieser Stelle tiefer in die aktuelle Debatte eintauchen zu wollen, wurde hier in einem solchen Fall bereits mit einer „Vernichtung“ des gegnerischen Netzwerks gedroht.

Fazit

Wie wir sehen können, erfreut sich Bitcoin Unlimited wachsender Beliebtheit bei den Minern. Die Signale aus der Community sind aber auch sehr deutlich – für SegWit. Auch eine Umfrage von BTC-ECHO im deutschsprachigen Raum bestätigt diese Aussage.

Zusätzlich gibt es bei Bitcoin Unlimited noch ein Ungleichgewicht zwischen Node und Miner Support. Die meisten Miner Unterstützen Bitcoin Unlimited, möglicherweise aus wirtschaftlichen Gründen. Doch die Nodes sprechen eine andere Sprache, sie unterstützen zum allergrößten Teil SegWit, sie sind es auch, die die Informationen im Netzwerk an alle Teilnehmer verteilen. Das muss sich ändern, wenn Bitcoin Unlimited eine größere Akzeptanz sucht, denn der Coin-Preis entscheidet sich an den Börsen und nicht beim Miner.

Es bleibt abzuwarten wie sich die Debatte weiterentwickelt und wer die Mehrheit und damit den größten Support erlangt. Aber egal ob die Blockgröße 1MB beträgt oder die maximale Blockgröße bei Bedarf vergrößert wird, ohne eine klare Mehrheit wäre eine Umstellung auf ein anderes Protokoll und eine darauf folgende Hard Fork schädlich für alles, was sich Bitcoin in den vergangenen Jahren aufbauen konnte.

BTC-ECHO

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