Die größten MLM-Scams der Bitcoin-Welt – und was heute von ihnen übrig ist

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Die größten MLM-Scams der Bitcoin-Welt – und was heute von ihnen übrig ist

Einige sitzen im Knast, die anderen in einer Villa in Dubai: Scammer hatten 2017 in der Krypto-Szene eine große Zeit. Viele der damaligen Abzocken verbreiteten sich über Multi-Level-Marketing (MLM) und dem Versprechen von schnellen Gewinnen. Doch was ist aus den größten MLM-Scam-Coins von damals geworden? Und wo stecken deren ehemalige Betreiber heute? Wir sammeln die Scherben einiger der größten dieser Abzocken auf und schauen uns dabei deren Methodik an. Von den unschönen Nebenwirkungen des Hypes um Kryptowährungen.

OneCoin, die vermeintliche Mutter aller Scams 2017. Der Name OneCoin ist zum Inbegriff von Scams im Krypto-Bereich geworden. Wie für solche Abzocken typisch, verknüpfte es Multi-Level-Marketing mit Digitalwährungen. Eigentlich kaufte man bei OneCoin Schulungen im Krypto-Bereich. Damit einhergehend erhielten Kunden Schürfrechte für die noch nicht öffentlich handelbare Kryptowährung. Sobald OneCoin auf einer Krypto-Börse gelistet sei, würden die Gewinne in die Höhe schießen, so das Versprechen. Zusätzliches Geld verdienten die Kunden durch das Werben neuer Partner. Die Listung erfolgte jedoch nie.

„In Wirklichkeit war die Kryptowährung OneCoin der Deckmantel für ein System, dessen ausschließliches Ziel die Aufnahme neuer Konsumenten war“,

hieß es laut der neuen Tiroler Tageszeitung in einem Ermittlungsbericht über OneCoin.

Nach etwa zwei Jahren hatte der Spuk ein Ende: Nach zahlreichen Warnungen von Finanzaufsichtsbehörden in ganz Europa und diversen polizeilichen Untersuchungen wurde OneCoin als Schneeballsystem enttarnt. Im April 2017 verhängte die BaFin ein Geschäftsverbot in Deutschland.

In vielen Fällen treten die Initiatoren von Unternehmen mit betrügerischen Absichten nicht als haftbare CEOs auf, sondern lediglich als populäre Förderer oder Unternehmensberater. Nicht so jedoch im Fall von OneCoin: Der Aufenthaltsort des ehemaligen CEOs Dr. Ruja Ignatova ist, nachdem sie zwischenzeitlich festgenommen und auf Bewährung freigekommen war, derzeit offenbar ungeklärt. Einige Stimmen behaupten, sie lebe unter falschem Namen in der Ukraine. Es scheint jedoch, dass polizeiliche Behörden in Europa nach wie vor nach ihr fahnden.

Bitconnect – Der Scam unter den Top-20-Kryptowährungen

Ein anderer prominenter Coin, der nach einem ähnlichen Schema vorging, war Bitconnect. Anders als OneCoin war Bitconnect ein populärer Coin auf Coinmarketcap.com und schaffte es zwischenzeitlich sogar unter die Top-20-Coins nach Marktkapitalisierung. Bitconnect betrieb eine Handelsbörse und eine eigene Kryptowährung. Es gab horrende Gewinnversprechen; sobald man die Kryptowährung über die Plattform verlieh, erhielt man bis zu 120 Prozent Gewinn im Jahr. Die minimale Gewinnaussicht lag bei 40 Prozent Zinsen plus 0,25 Prozent Gewinn der Einlage am Tag. Außerdem verbreitete es sich – wer hätte es gedacht – durch Empfehlungsmarketing. Wer neue Teilnehmer in das System brachte, konnte noch mehr verdienen.

Das Bitconnect-System stand von Anfang an unter dem Verdacht, ein Ponzi zu sein. Das Einschreiten diverser Finanzaufsichtsbehörden brachte dann die Bestätigung. Bitconnect crashte Anfang 2018 und im September stellte auch die letzte Krypto-Börse den Handel mit der Digitalwährung ein.

Wie so oft wurde es danach auch für den ehemaligen Betreiber schmutzig – dessen Frau wurde mutmaßlich ermordet und gegen ihn selbst ermittelt heute das FBI wegen seiner Geschäfte.

Centauri – die Community übernimmt

Der Centauri (CTX) war ein damals nicht öffentlich handelbarer Coin, der insbesondere im deutschsprachigen Raum Verbreitung fand. Er war ursprünglich das Kind eines anderen potentiellen Schneeballsystems. Eine damals in Singapur ansässige Firma namens Global Dynamic behauptete, große Gewinne durch Trading zu realisieren. Daran beteiligen konnte sich, wer mindestens 1.000 US-Dollar investierte. Im Mai 2016 wechselte Global Dynamic neben dem Firmennamen und -sitz auch das Auszahlungssystem: Statt direkter Überweisung auf das Bankkonto erhielten die Member der fortan unter dem Namen „Alpha-Centauri“ operierenden Firma eine Kryptowährung, den Centauri. Dieser wurde dann mittels eines Exchangers (mit erheblichen Gebühren) in Euro auf das eigene Bankkonto überwiesen. Dumm nur, dass der Exchanger nach kurzer Zeit geschlossen wurde und die Mitglieder auf ihrer nicht-gelisteten Kryptowährung sitzen blieben.

Dennoch entstand ein großes Netzwerk mit über 1.000 Akzeptanzstellen für den Coin. Als 2017 dessen prominenteste Förderer, Michael Sander, bekannt gab, sich fortan anderen Projekten zu widmen, sah dies nach dem Todesstoß für die Digitalwährung und die Investition der Mitglieder aus. Das bekannteste Gesicht hinter dem Coin dürfte sich heute hingegen über die damals gemachten, saftigen Gewinne freuen.

Der Coin überlebt

Was dann geschah, unterscheidet den Coin jedoch von anderen potentiellen Scams: Es bildete sich aus den Geschädigten eine Gruppe heraus, die ab dem Februar 2018 dem Coin einen neuen Anstrich gab. Aus der recht großen Community fanden sich Programmierer, welche die Blockchain – zum Glück hatte der Coin wirklich eine solche – aktualisierten und auf den derzeitigen Stand des Litecoin brachten. Sie entwarfen eine neue Desktop- und eine Paper-Wallet und legten somit die Private Keys in die Hände der Besitzer. Seit November ist der Centauri Coin ebenfalls auf einer Börse handelbar. Die aktiven Mitglieder gründeten einen Verein namens D.I.F., indem sie sich heute organisieren und daran arbeiten, das einstmals große Netzwerk aus Akzeptanzstellen wieder aufleben zu lassen. Bisher hielten sie die Versprechen ihrer Roadmap ein – dies ist selbst unter etablierten Digitalwährungen eher selten.

Wirkt hier – frei nach Goethe – jene Kraft, die stets „das Böse will und doch das Gute schafft“?

Möglicherweise. Denn wenn aus einem Coin, der möglicherweise von oben herab als Scam geplant war, ein wirkliches Community-Projekt wird, ist dies durchaus bemerkenswert. Es bleibt natürlich abzuwarten, in welche Richtung sich der Centauri Coin weiterentwickelt.

Aktuelle potentielle Kandidaten: Bitclub Network und BitcoinProfit

Ein aktuelles, noch laufendes Beispiel ist etwa das Bitclub Network. Hier werden die Gewinne angeblich durch Mining erzielt. Nachgewiesenermaßen gibt es auch Mining beim Bitclub, ob die dadurch geschürften Coins jedoch ausreichen, um die Forderungen der Mitglieder zu bezahlen, ist allerdings fraglich. Natürlich gebietet hier die Vorsicht, das Netzwerk nicht einfach als Schneeballsystem abzustempeln. Doch die Verbreitung durch einen Strukturvertrieb in Kombination mit einer gewissen Intransparenz tun ihr Übriges, um hier Vorsicht walten zu lassen.

Wesentlich eindeutiger dürfte der Fall von BitcoinProfit sein. Durch ein Investment von mindestens 250 Euro sollen sich hier Tausende von Euros verdienen lassen. Um dies zu untermauern, werden sogar ganz offen Falschmeldungen verbreitet. So sollen sich angeblich Günther Jauch oder Wolfgang Lippert im Fernsehen verplappert haben. Angeblich hätten Sie das Geheimnis ihres Vermögens dort preisgegeben: Ein System namens BitcoinProfit. Aufzeichnungen dieser Sendungen sucht man vergeblich, weil sie nie stattgefunden haben. Doch selbstverständlich lässt sich mit diesem System durch nur ein geringes Investment ein riesiges Vermögen innerhalb kürzester Zeit verdienen… the same old story.

Woran erkennt man einen MLM-Scam? Alter Wein in neuen Schläuchen…

Irgendwann wird man müde, sich immer wieder dieselben Geschichten anzuhören. Die Muster wiederholen sich stetig: Es gibt horrende Gewinnversprechungen durch ein einmaliges Investment. In Wahrheit generieren sich diese Gewinne jedoch hauptsächlich aus den nachrückenden Mitgliedern. Die MLM-Scammer nutzen dieses Muster bereits seit Jahrhunderten. Seitdem Charles Ponzi im frühen 20.Jahrhundert durch den Verkauf sogenannter Antwortscheine, einer Art Briefmarkenersatz, die Anleger um ihr Geld prellte, hat sich nur die Cover-Story geändert. Ob die Gewinne nun durch Trading wie beim Centauri generiert werden, ob sie durch Hypotheken-Geschäfte wie bei dem ehemaligen Schneeballsystem Questra oder durch das Anklicken von Werbung, wie bei den Ende 2016 populär gewordenen Ponzis Myadvertisingpays oder Trafficmonsoon entstehen: Letztlich ist es doch immer derselbe alte Wein in neuen Schläuchen.

Diesen Betrügern kam die Krypto-Branche und dessen Hype im Jahr 2017 gerade recht. Da Digitalwährungen noch relativ unbekannt waren, jedoch Geschichten über die Existenz von Bitcoin-Millionären um sich griffen, witterten viele Kriminelle wohl eine neue Masche. Mining etwa wird noch heute an vielen Stellen als lukrativer Weg zum Geldverdienen betitelt – obwohl mittlerweile nur noch Großunternehmen damit tatsächlich Gewinne machen.

Fazit: Do Your Own Research

Zweifellos sind nicht alle Strukturvertriebe und Affliliate-Modelle schlecht. Es gilt jedoch zu prüfen, wie transparent das beworbene Produkt ist und ob es auch ohne den Zuwachs durch neue Investoren tragfähig ist. Rote Flaggen sollten es also sein, wenn die Gewinnversprechungen zu unglaublich klingen, um wahr zu sein, wenn die Firma nicht wirklich transparent arbeitet oder wenn das Produkt ohne Verbreitung durch Empfehlungsmarketing uninteressant wäre.

Wenn also das nächste Mal jemand, und sei er aus dem eigenen Freundeskreis, horrende Gewinne durch ein einmaliges Investment verspricht, ist Skepsis geboten. Denn wenn es nach einem Ponzi klingt, ist es oftmals auch eins.

BTC-ECHO

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