CoinShares-Studie: Bitcoin Mining speist sich zu 77 Prozent aus Ökostrom

David Scheider

von David Scheider

Am · Lesezeit: 4 Minuten

David Scheider

Kryptowährungen sind Davids Leidenschaft. Deshalb studiert er jetzt Digital Currency an der Universität Nicosia – und schreibt nebenher für BTC-ECHO. Von Bitcoin hält David einiges, vom allgemeine Hype um die Blockchain-Technologie eher weniger.

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Quelle: Shutterstock

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Einem neuen Bericht von CoinShares zufolge nutzt Bitcoin Mining nicht nur überwiegend Strom aus erneuerbaren Energien, sondern fungiert in bestimmten Regionen sogar als Förderer von sauberem Strom. Was steckt hinter der These?

Bitcoin Mining hat keinen besonders guten Ruf. Kritiker der Kryptowährung Nr. 1 verweisen allzu häufig auf die immense Menge an Strom, die für den Proof-of-Work-Algorithmus (PoW), also die Sicherung des dezentralen Netzwerks, genutzt wird. Für ein derart volatiles Spekulationsobjekt, so die Argumentation, stehe der jährliche Energieaufwand in keinem Verhältnis.

Die neue CoinShare-Studie zum Status quo des Bitcoin Minings zeichnet ein diametral entgegengesetztes Bild der Lage. In „The Bitcoin Mining Network – Trends, Marginal Creation Cost, Electricity & Sources“ kommen die Autoren zu der Auffassung, dass die Datenlage keine andere Interpretation zulasse, als dass mindestens 77,6 Prozent des Stroms für das Bitcoin Mining aus erneuerbaren Energien stammt. Besser noch, durch Bitcoins konstanten Energiebedarf, schöpft das Netzwerk überschüssige Energiereserven ab und sorgt somit für die Stabilisierung der Stromnetze. Dies wiederum wirke sich sogar positiv auf die Effizienz von Stromnetzen aus und fördere erneuerbare Energien.

Eine Übersicht

Zunächst beschäftigen sich die Autoren der Studie mit den Vorzügen von PoW. Der kritischen Haltung vieler PoW-Gegner halten die Autoren entgegen, dass PoW-Algorithmen von allen Konsensus-Algorithmen der sicherste sei. Denn jeder Netzwerkteilnehmer kann über das Betreiben einer Full Node an der Verifikation der Transaktionen mitwirken und so die Netzwerkintegrität eigenständig überprüfen.


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Bitcoin Mining sei also keine „sinnlose Verschwendung von Energie“, sondern vielmehr ein notwendiger Prozess zur Aufrechterhaltung des Netzwerks.

„Wir glauben auch an die Vorteile einer globalen, zensurresistenten, hochliquiden Währung mit einer soliden Geldpolitik. In Anbetracht dessen sind es die Kosten wert.“

Profitabilität des Minings

Wie BTC-ECHO berichtete, haben es die Miner derzeit schwer. Einer steigenden Hash Rate stehen fallende Kurse entgegen. Diese toxische Kombination treibe viele Spieler aus dem Markt. Allerdings, so die Autoren, ist profitables Mining immer noch möglich. Man muss nur wissen, wo. Als Beispiel nennt der Bericht die Region Sichuan in China. Dort herrschen aufgrund von niedrigen Temperaturen und geringen Stromkosten ideale Bedingungen für das Bitcoin Mining.

Im Westen was Neues

Der Trend gehe indes weg von einer chinesischen Konzentration. Demnach investieren große Mining-Farmen aktuell weniger in China, als vielmehr in Länder wie den USA, Kanada und Russland. Denn dort bestehen häufig bessere Bedingungen (schnelleres Internet, niedrigere Temperaturen, bessere Regulierung). Laut Studie befinde sich nur noch 60 Prozent der Hash Rate im Reich der Mitte.

Öko-Mining

Den konservativen Wert von mindestens 77,6 Prozent Ökostrom, errechnen die Autoren mit einer Kombination aus qualifizierten Schätzungen und Daten über die Verteilung von Ökostrom in den Hochburgen des Bitcoin Minings.

Zunächst identifiziert die Studie die chinesische Provinz Sichuan als Kernregion des Minings. Dort stehen etwa 80 Prozent der chinesischen Mining-Farmen. In Sichuan wiederum kommt rund 90 Prozent des Strom aus erneuerbaren Energien. Dies geht aus einer Untersuchung von Morgan Stanley hervor.

Allein durch den Löwenanteil in Sichuan, so die Autoren, muss ein Basiswert von 43,2 Prozent des Bitcoin Minings aus erneuerbaren Energien stammen. In dem Bericht heißt es:

„Die Korrelation ist klar, genau die Provinzen, die am stärksten auf erneuerbare Energien setzen, beheimaten auch einen Großteil der chinesischen Mining-Farmen.“

Damit noch nicht genug. Denn etwa 40 Prozent der Bitcoin werden nicht in China gemint. Die nächstwichtigsten Fokusregionen sind Washington State, Oregon, British Columbia, Skandinavien und Island. All diese Regionen bauen nachweislich auf Ökostrom. Oregon und Island beziehen sogar stolze 100 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energien.

Öko-Förderer Bitcoin Mining?

Die Autoren wagen eine noch steilere These: Bitcoin Mining ist sogar förderlich für den Ausbau von erneuerbaren Energien. Denn Bitcoin Mining nutzt überschüssige Energie aus dem Stromnetz und unterstützt daher die Profitabilität des Stromnetzes. Da eine konstante Nachfrage besteht, fördert das Mining so die Entwicklung erneuerbarer Energien.

Denn Bitcoin Mining ist allen voran ein planbares Geschäft. Die Hash Rate steigt in einem extrem proportionalen Umfang. Die Miner können also vorhersehen, wie viel Energie sie in Zukunft benötigen. Dies macht auch den Ausbau der erneuerbaren Energien in den jeweiligen Regionen planbar, da es immer einen Abnehmer für die produzierte Stromkapazität geben muss.

Der Bericht betitelt Bitcoin Miner letztlich als „Elektrizitätsabnehmer der letzten Instanz“. Also eine Industrie, die zu jeder Zeit eine Art Basisnachfrage schafft und somit die Stromnetze stabilisiert.

Fazit

Ob die Autoren mit dieser These recht behalten, bleibt abzuwarten. Man muss aber anerkennen, dass das Bitcoin Mining unter dem Strich keine unnötige Belastung für die Umwelt darstellt. Vielmehr ist es der notwendige Prozess, um etwa 70 Milliarden US-Dollar Marktkapitalisierung vor Angriffen zu schützen. Ein Nutzen, der den Energieaufwand zweifelsfrei rechtfertigt.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie Bitcoin Mining eigentlich funktioniert, dem sei dieses Tutorial ans Herz gelegt.

Ferner haben wir auch eine Podcast-Episode zum Thema Proof of Stake und Proof of Work in petto.

BTC-ECHO


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