Brexit und Krypto: Warum es mehr um Blockchain-Unternehmen als um Bitcoin geht

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Brexit und Krypto: Warum es mehr um Blockchain-Unternehmen als um Bitcoin geht

Ein alt bekanntes Thema rückt wieder in den medialen Fokus: der Brexit. Das vom nicht britischen Europa überwiegend negativ bewertete Vorhaben, die Europäische Union zu verlassen, hat auch Implikationen auf die Krypto-Ökonomie. Warum Bitcoin nur eine untergeordnete Rolle spielt, der Übersee-Inselzipfel Gibraltar hingegen eine umso größere.

Es wäre ein Leichtes, das alte Narrativ von Bitcoin in den Kontext des Brexits zu setzen, um das Britische Pfund und den Euro abzuwerten und den Bitcoin als Heilsbringer darzustellen. Das Problem ist nur: Die Korrelation zwischen Bitcoin und politischen Ereignissen ist, wenn überhaupt, nur minimal. Auch zehn Jahre nach Bitcoins Geburt ist es nicht signifikant nachweisbar, dass der Bitcoin-Kurs unmittelbar und deutlich auf wirtschaftspolitische Ereignisse reagiert.

Entsprechend verwundert es nicht, dass es keine außergewöhnlichen Kursausschläge im Brexit-Theater zwischen Pfund und Bitcoin gibt. Das bedeutet nicht, dass nicht die Fiatwährungen Euro und Pfund auf den Brexit reagieren – das tun sie sehr wohl. Allerdings nicht in Korrelation zu Kryptowährungen, sondern zu anderen Fiatwährungen.

Die Stärke von Bitcoin & Co. liegt unter anderem darin, dass sie nicht mit traditionellen Assets korrelieren. Es ist gerade die Unabhängigkeit von traditionellen Anlageklassen und politischen Börsen, die Kryptowährungen aus Investmentsicht so interessant machen. Bitcoin ist ein Safe Haven, weil er weitestgehend unabhängig von wirtschaftspolitischen Geschehen und Notenbankpolitik ist, und nicht weil er als Gegenposition, als Anti-Pfund oder Anti-Euro, fungiert. Dem Bitcoin-Kurs ist es, zumindest bislang, relativ egal, was außerhalb seines Ökosystems passiert.

Gibraltar & Co. – Was wird aus den deregulierten Überseegebieten?

Das Vereinigte Königreich ist bekannt für seine Finanzmarktliberalität. Seitdem Thatcher gemeinsam mit dem ehemaligen US-Präsidenten Reagan den angelsächsischen Neo-Liberalismus populär gemacht hat, spielt die City of London als attraktiver Finanzplatz eine gewichtige Rolle in der Welt. Neben der City und dem Vereinigten Königreich haben sich zahlreiche britische Überseegebiete einen Namen als Steueroasen und seit einiger Zeit auch krypto-freundliche Jurisdiktionen gemacht.

Bislang haben viele ICOs auf genau diese wenig restriktive Regulierungspolitik gesetzt. Auch einige deutsche Blockchain-Start-ups haben ihren ICO von Gibraltar aus durchgeführt. Entsprechend stellt sich nun die Frage, inwiefern der Brexit die Krypto-Zugänglichkeit für den europäischen Markt einengt. Da noch nicht klar ist, wie der Brexit ablaufen wird und welche konkreten Änderungen er im krypto-regulatorischen Außenverhältnis mit sich bringt, entsteht hier ein Belastungsfaktor für einige Krypto-Unternehmen und Kunden.

Anstatt in Gibraltar das Krypto-Unternehmen anzusiedeln, könnten in Zukunft Jurisdiktionen wie Malta oder Liechtenstein stärker in den Fokus rücken. Auch wäre zu klären, inwiefern krypto-bezogene Dienstleistungen vom Brexit betroffen sind. So ist es z. B. nicht ganz klar, ob und was sich für Kunden von britischen Krypto-Börsen ändern könnte. Auch Trader und Investoren, z. B. im Handel von Bitcoin CFDs, könnten mit Änderungen, Einschränkungen und angepassten AGBs konfrontiert werden.

Allerdings muss hier zwischen Gibraltar und den zahlreichen anderen britischen Überseegebieten unterschieden werden. Während Gibraltar (noch) Teil der EU ist, sind die anderen britischen Überseegebiete nicht Mitglieder der EU.

Ein klarer Appell an EU und ihre Mitgliedsländer

Die Brexit-Unruhen verdeutlichen die Notwendigkeit einer EU-weiten krypto-freundlichen Regulierung. Die meisten Blockchain-Unternehmen haben ihren juristischen Sitz nicht in Gibraltar, weil das Wetter dort so schön ist, sondern, weil ihnen in Deutschland oder in einem anderen EU-Land zu viele Steine in den Weg gelegt worden sind.

Mehr Klarheit in der Regulierung und ein weniger restriktiver Rechtsrahmen für Krypto-Start-ups würde die Abhängigkeit vom Vereinigten Königreich reduzieren.

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