Wer heute durch X oder Instagram scrollt, findet kaum noch Krypto-Diskussionen. Die Social-Media-Aktivität rund um Bitcoin und Ethereum ist seit dem Zyklushoch im Oktober 2025 kontinuierlich gesunken und liegt heute auf dem tiefsten Stand seit 2020, weit unter den Niveaus der Bullenmarktphasen von 2021 und 2024.
Dazu passt ein zweiter Datenpunkt: Das weltweite Google-Suchinteresse für Bitcoin ist unter die Werte des Bärenmarkts 2022 gefallen, als Bitcoin bei 16.000 Dollar stand und FTX gerade kollabiert war. Damals suchten Retailanleger aus Panik, heute suchen sie schlicht nicht mehr. Der Unterschied zwischen beiden Situationen ist erheblich, denn Bitcoin notiert aktuell vier- bis fünfmal höher als damals.
Das nachlassende Interesse spiegelt einen strukturellen Wandel wider, der über die schlechte Stimmung hinausgeht. Bitwise-Stratege Juan Leon bringt es auf den Punkt: “Im Jahr 2022 fragten die Kunden, ob Krypto überleben würde. Im Jahr 2026 fragen sie nach Einstiegszeitpunkten und Positionsgrößen.” Long-Term Holder kontrollieren aktuell 84 Prozent des Bitcoin-Angebots, den höchsten Wert seit 2016. Wale akkumulierten in zwei Wochen mehr als 270.000 BTC am 200-Wochen-Durchschnitt.
Kontraindikator oder gebrochenes Muster?
Historisch war schwaches Retail-Sentiment ein zuverlässiger Kontraindikator. Die stärksten Einstiegszeitpunkte der vergangenen Zyklen lagen in Phasen, in denen kaum jemand über Bitcoin sprach. 2026 ist das Muster komplizierter, denn Bitcoin ist kein Nischenprodukt mehr, das man erst googeln müsste. Wer kaufen will, tut das inzwischen häufig über IBIT oder einen anderen Spot ETF direkt aus dem Depot. Institutionelle Flows dominieren den Markt, Retail ist zum Nebengeschäft geworden.
Der Fear & Greed Index fiel im Juli zeitweise auf 11 Punkte, vergleichbar mit den schlimmsten Phasen des FTX-Crashs. Solche Werte galten in früheren Zyklen als starke Kontraindikator. Ob das diesmal wieder gilt, hängt davon ab, ob institutionelle Zuflüsse nachhaltig zurückkehren. Was sich bereits sagen lässt, ist, dass die Bodenbildung in diesem Zyklus deutlich leiser verläuft als in früheren.
