Wie erhalte ich Litecoin Cash bei der Hard Fork?

Wie erhalte ich Litecoin Cash bei der Hard Fork?

In den Abendstunden des 18. Februars soll es zu einer Litecoin Hard Fork kommen. Das umstrittene Vorhaben hört auf den Namen „Litecoin Cash“ und soll sich mit Block 1.371.111 von Litecoin abspalten. Wie soll man sich in den nächsten Tagen verhalten?



Vor einigen Tagen hat BTC-ECHO schon berichtet: Nach Ethereum und Bitcoin wird es nun auch eine Litecoin Hard Fork geben. Diese ist seitens Charlie Lee heftig angefeindet worden, der sogar von einem Scam sprach:

„Das Litecoin-Team und ich führen keine Litecoin Fork durch. Jede Fork, die anderes behauptet, ist ein Scam, der versucht, euch durch die Litecoin-Assoziation zu verwirren. Fallt nicht darauf rein und gebt eure Private Keys nicht auf einer Webseite oder einem Client an. Seid vorsichtig!“

Wie im verlinkten Artikel dargestellt ist der Vorwurf „Scam“ etwas übertrieben, schließlich steht es jedem Entwicklerteam frei, den Code einer quelloffenen Kryptowährung zu ändern und zu „forken“. Die Menge an Bitcoin Forks macht es vor und zeigte, dass es Bitcoin nicht geschadet hat.

Dennoch kann man den Vorwurf „Scam“ etwas verstehen, schließlich lassen sich die Leute hinter Litecoin Cash, bei aller Transparenz, nicht vollständig in die Karten schauen: Von den Developern sind nur die Vornamen bekannt, die Desktop-Wallets sollen erst am 18. oder 19. Februar erscheinen und der Github-Account ist aktuell leer.

Ob es sich nun um einen Scam handelt oder nicht – Die eigenen Litecoin-Bestände sind durch die Fork auf keinen Fall gefährdet. Also kann man auf jeden Fall Ruhe bewahren, Litecoin Cash gefährdet Litecoin ebenso wenig wie die verschiedenen Bitcoin Forks es mit Bitcoin getan haben.

Wie komme ich zu Litecoin Cash?

Es kam vermehrt die Frage auf, wie man in Besitz von Litecoin Cash kommt. Auch wenn man darauf hoffen kann, dass Coinbase oder ein genutzter Exchange Litecoin-Holdern eine Ausschüttung der LCC-Token initiiert ist der Königsweg – wie immer – das Halten der Coins in eigener Wallet. Mit eigener Wallet sind jene Wallets gemeint, die dem Nutzer Kenntnis über die Private Keys beziehungsweise über Seeds, welche die Private Keys generieren, geben. Auch hier gilt das Motto: „Be your own bank“!

Wer an der Krypto-Revolution teilnehmen oder zumindest einen garantierten Anspruch auf Coins nach einer Hard Fork haben möchte, kommt am Private Key nicht vorbei. Zumindest für die Zeit der Hard Fork muss deshalb Litecoin auf einer Wallet, welche dem Nutzer Zugriff zu den Private Keys ermöglicht, verwendet werden.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, bieten sich folgende Wallets an:

  • Der Litecoin Core Client ist die Profilösung. Der Litecoin Core Client ist die offizielle Wallet von Litecoin und das Pendant zum Bitcoin Core Client. Wer diesen nutzt ,wird in diesem Artikel sicherlich wenig Neues lernen. Bevor nun Leute nervös diesen Königsweg einschlagen wollen: Hier ist die gesamte Litecoin-Blockchain herunterzuladen, was immerhin auch über 14 GB sind.
  • Wie verschiedene andere Kryptowährungen kann auch Litecoin mit einem Electrum-Client aufwarten, einer Light Wallet, welche Private Keys aus einer Seed, einer Ansammlung von 12 Wörtern, generiert.
  • Verschiedene Hardware Wallets, allen voran Ledger Nano S und Trezor, unterstützen auch das Verwalten von Litecoin. In beiden Fällen werden, wie auch bei Electrum, die Private Keys aus einer Seed erzeugt.
  • Weiterhin existieren Desktop-Wallets wie Exodus und Mobile-Wallets wie Jaxx, die dem Nutzer Kenntnis über die Private Keys verschaffen.
  • Die Low-Budget-Möglichkeit, eine Paper Wallet zu erstellen, existiert natürlich auch bei Litecoin. Während das Ablegen von Litecoin für die Zeit der Fork einfach ist, muss der Private Key für eine Transaktion von dieser Wallet in einen Client wie den Core Client oder Electrum importiert werden. Das Prozedere, welches dem bei Bitcoin entspricht, kann hier nachgelesen werden.

Für welche der obigen Optionen man sich entscheidet, ist zweitrangig, wichtig ist, dass zum Zeitpunkt der Hard Fork, also bis zum 18. Februar die Litecoins auf einer Wallet liegen sollten. Ist dies der Fall, wird man auf der Litecoin-Cash-Chain die zehnfache Menge an Litecoin Cash besitzen. Um jedoch über diese Menge Litecoin Cash verfügen zu können, muss der Private Key in eine Litecoin-Cash-Wallet importiert werden. Diese existiert noch nicht, es ist also zumindest eine Wartefrist angesagt.

Zugunsten der eigenen Litecoin-Funds sollte man natürlich auch stark überlegen, ob der kommenden Litecoin-Cash-Wallet tatsächlich der Private Key zu dem eigenen Litecoin-Bestand mitgeteilt werden soll. Das Team hinter Litecoin Cash ist bei aller Kritik hier äußerst vorbildlich und erläutert einen Weg, der die Sicherheit der eigenen Litecoins garantiert:

  1. Rechtzeitig vor der Hard Fork, d. h. vor dem 18. Februar, werden die Litecoin-Bestände in einer Wallet temporär gelagert. Von der bisher genutzten Wallet A wird also Litecoin auf die Wallet B übertragen.
  2. Dort lässt man sie, bis die Fork abgeschlossen ist.
  3. Nachdem nun die neue Blockchain existiert, wird das eigene Litecoin wieder auf die alte Wallet A übertragen.
  4. Wenn die Litecoin-Cash-Wallet verfügbar ist, wird der mit Wallet B assoziierte Private Key genutzt.

Diese Strategie hat mehrere Vorteile: Erstens kann Wallet A an sich durchaus Coinbase, eine Exchange oder eine andere Wallet, welche nicht Zugriff zu den Private Keys ermöglicht, sein. Zweitens ermöglichen zwar Ledger Nano S und andere Hardware-Wallets einen Zugriff auf die Private Keys, jedoch nur über den zuvor generierten Seed. Aus diesen lassen sich zwar prinzipiell die Private Keys für die Litecoin Wallet extrahieren:

Dazu würde – der Sicherheit halber offline – ein Mnemonic Code Converter wie der von Ian Coleman genutzt werden. In das Feld „BIP39 Mnemonic“ würde man die Seed eingeben, als Coin LTC und als Derivation Path 44 wählen. Man merkt, das ist jedoch ein ziemlicher Aufwand, bei dem man, wenn auch offline und temporär, nicht nur seine Litecoin-Private-Keys, sondern die von allen auf dem Ledger Nano S liegenden Coins preisgeben würde. Kann man machen, ist jedoch nicht gut für die Nerven.

Der Hauptgrund jedoch ist, dass man den Zugang zu seinem Geld nicht jedem anvertrauen sollte. Gerade im Fall der aktuellen Hard Fork ist wenig über das Team hinter Litecoin Cash bekannt. Niemand kann den Source Code hinter ihrer Wallet überprüfen. Wer garantiert also, dass niemand Zugriff auf meinen Litecoin-Bestand haben möchte? Damit dies nicht geschieht, ist es sinnvoll, eine auf der Litecoin-Blockchain leere Wallet zum Claimen der Litecoin-Cash-Bestände zu nutzen.

Ob man wirklich direkt am Tag nach der Fork Kontrolle über die einem zustehenden LCC-Funds erlangen muss, sei jedem selbst überlassen. Wer diese schnell haben will, sollte wie beschrieben vorgehen. Der Langzeithodler kann sich natürlich gemütlicher verhalten. Ich persönlich habe mein Litecoin auf einem Ledger Nano S zu liegen und werde nun nichts weiter tun – da die mit meinem Seed verbundenen Private Keys auch auf der Litecoin Cash ihre Gültigkeit haben werden, habe ich alle Zeit der Welt für das Claiming.

BTC-ECHO

Über Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp GieseDr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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