Wie analysiere ich einen Token #3 – das Framework

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Wie analysiere ich einen Token #3 – das Framework

In den ersten zwei Teilen haben wir die Möglichkeiten zur Token-Klassifizierung hinsichtlich verschiedener Gesichtspunkte vorgestellt. Um ein vollständiges Bild eines Tokens zu erhalten, ist eine Kombination dieser unterschiedlichen Blickwinkel sinnvoll. Untitled INC erreicht das mit dem Token Classification Framework.

Die ersten zwei Teile dieser Reihe haben gezeigt, dass man einen Token aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Im Fall des Frameworks von Distributed Lab konnte man schon sehen, dass das Gesamtbild eines Tokens sehr facettenreich ist. Dieser Ansatz wird im Token Classification Framework von Untitled INC vertieft.

Untitled INC ist ein Thinktank, dessen Mitglieder in Berlin, Frankfurt, München, Wien, Zürich, Tokio und San Francisco sitzen. Fokus von Untitled INC ist die Distributed Economy und die Blockchain. Ziel eines der bearbeiteten Projekte war ein Framework zur genaueren Klassifizierung von Token.

Der vorgestellte Ansatz möchte einen Token klassifizieren, indem fünf Dimensionen betrachtet werden:

  • das Ziel des Tokens (Kryptowährungen wie Bitcoin, Network Token wie Gnosis, Investment Token wie DigixDAO)
  • der Nutzen des Tokens (Usage Token für Zugriff auf Dienstleistungen oder Netzwerk selbst wie Bitcoin, Work Token, die einzelnen Nutzer das Recht der aktiven Teilnahme an einem System geben wie REP und Hybrid Token wie DASH)
  • der rechtliche Status (Utility Token wie STEEM, Security Token wie SPiCE oder Kryptowährung wie Litecoin)
  • die technische Ebene (Auf welcher Ebene ist der Token implementiert? Ist er blockchain-nativ wie Ether, ein nicht nativer Protokoll-Token wie ein REP oder mit einer dApp oder Anwendung verbunden wie WIZ von Gnosis?)
  • der zugrundeliegende Wert (Woher kommt der Wert des Tokens? Ist er Asset-backed wie Tether, hat er einen aus dem gesamten Netzwerk kommenden Wert wie Bitcoin oder kann man ihn mit einer Aktie vergleichen wie DigixDAO?)

Entlang dieser fünf Dimensionen lässt sich nun ein komplexes Bild eines Tokens charakterisieren.

Archetypen von Token

Wenn man verschiedene Tokens nach diesem Framework untersucht, fällt auf, dass manche Pattern mehrfach vorkommen. Network Token speisen ihren Wert häufig auch aus dem Netzwerk. Investment Token sind im Kontrast dazu oft durch ein Asset gedeckt oder lassen sich mit einer Aktie vergleichen. Konkret hat das Team von Untitled INC folgende Use-Cases benannt:

  • Kryptowährungen werden als Zahlungsmittel oder Store of Value genutzt. Sie sind nicht von einer zentralen Autorität ausgegeben. Man kann sie minen (beziehungsweise über einen anderen Konsens-Mechanismus akquirieren), sofern die Gesamtmenge nicht durch ein Pre-Mining oder ähnliches generiert wurde.
  • Tokenized Assets können Nutzern Zugriff zu klassischen Assets wie Gold oder ähnlichem geben, sodass auch kleinste Anteile an Gold gehandelt werden können. Der Kurs der Tokenized Assets ist nicht nur den Mechanismen von Angebot und Nachfrage unterworfen, wie das bei Kryptowährungen der Fall ist. Problem ist, dass eine zentrale Entität diese Assets kontrolliert. Entsprechend stehen Tokenized Assets in einem gewissen Widerspruch zu den Idealen der Kryptowährungen.
  • Auch Plattformen kann man als tokenized Asset organisieren. Anders als die angesprochenen Assets liegen sie nicht im Besitz einer einzelnen Entität. Der Wert einer tokenized Plattform ist durch das gesamte Netzwerk gegeben.
  • Schließlich können Tokens auch Beteiligungen an einem Projekt sein, wie es bei The DAO oder verschiedenen ICOs der Fall ist. Security Token können zum einen zu Ausschüttungen führen, zum anderen den Tokenholdern Mitspracherecht geben. Ein Problem ist, dass derartige tokenized Shares in verschiedenen Ländern als Securities zählen und man sie entsprechend regulatorisch behandelt.

Token in einem größeren Kontext

Soweit entspricht das Token Classification Framework dem Ansatz von Distributed Lab beziehungsweise ist nur eine leichte Erweiterung desselben. Untitled INC geht jedoch noch einen Schritt weiter und betrachtet die verschiedenen Ebenen von Blockchain-Systemen. Dabei wird zwischen dem Governance Layer, dem Token Layer und dem Technology Layer unterschieden.

Der Governance Layer umfasst Aspekte wie die Entscheidung, welche Rechtsform das Projekt hinter dem Token besitzen soll, wie weit Tokenholder integriert sind oder wie man das Netzwerk organisiert. Dazu gehört auch die Frage, wie man innerhalb des Systems Entscheidungen fällt oder Governance-Prozesse jenseits der Chain regelt.

Der Token Layer wird durch den Typ des Tokens beschrieben, also durch die bisher angeführten Punkte. Außerdem wird im Token Layer durch den Wert beziehungsweise Kurs des Tokens beschrieben. Schließlich sind auch Details wie der Supply, die Verteilung und die Emissionskurve wichtig, um den Token Layer zu konkretisieren.

Die fundamentalste Ebene wird schließlich über den Technology Layer beschrieben. Der Typ des Distributed Ledgers, der zugrundeliegende Quellcode und der Konsens-Mechanismus gehören bei blockchain-native Tokens dazu. Bei nicht nativen Token spielen natürlich die zugrundeliegende Plattform und der Smart Contract selbst eine Rolle.

Das Token Classification Framework – ein Beispiel für DASYOR

Das Token Classification Framework von Untitled INC ist ein interessanter Ansatz zur Beschreibung von Tokens aus verschiedenen Blickwinkeln. Es ist sicherlich ein komplexerer Ansatz als die Charakterisierung über das Framework von Distributed Lab oder vom Bundesverband Blockchain, kann aber zu einer konkreteren Beschreibung führen.

Etwas schade ist, dass aus der mehrdimensionalen Charakterisierung nicht mehr herauszuziehen ist. Am Framework von Distributed Labs war recht interessant, dass man die fünf Charakteristika von Tokens gemäß des (de)zentralen Charakters spezifizieren kann.

Etwas entsprechendes wäre hier eine schöne Erweiterung und Untitled INC plant, die Arbeit am Framework fortzusetzen. Das Token Classification Framework von Untitled INC steht unter der Creative-Commons-Lizenz, sodass er jedem frei steht, dieses Framework unter der Creative-Commons-Lizenz weiterzuentwickeln.

Doch Untitled INC hat mit dem Framework einen anderen, generellen Aspekt sehr gut dargestellt: In einem älteren Artikel habe ich über eine mögliche Erweiterung des DYOR-Paradigmas geschrieben: Do and share your own research – Recherchiere und teile Deine Untersuchungen!

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