Wie analysiere ich einen Token #2: Die Klassifizierung

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Wie analysiere ich einen Token #2: Die Klassifizierung

In dem ersten Artikel der Reihe haben wir auf die Technologie, die Token-Verteilung und die Regulierung hingewiesen. Ein weiterer Fokus bei der Token-Klassifizierung kann auf der Betrachtung der Zentralisierung liegen. TokenD, Token Classification Framework von Distributed Lab, leistet genau das und hilft bei der Unterscheidung von verschiedenen Use-Cases.

Die Unterteilung in Kryptowährungen, Utility Token und Security Token ist etwas allgemein, weshalb unterschiedliche Ansätze zur weiteren Unterteilung unternommen wurden. Distributed Lab hat TokenD entwickelt, ein Framework zur Entwicklung von Token. Dieses ist etwas komplexer als die im ersten Teil dieser Reihe diskutierten Ansätze.

Token-Betrachtung auf Basis der (De)Zentralität

Zur Unterscheidung unterschiedlicher digitaler Assets geht das Team hinter Distributed Lab davon aus, dass ein Digital Asset System unter fünf Gesichtspunkten (Governance, Verwahrung, Emittierung und Verteilung, Transaktionsbearbeitung und Auditierung) gemanagt werden kann. Diese fünf Gesichtspunkte seien kurz beschrieben.

  • Zur Governance gehören gemäß Distributed Lab fünf unterschiedliche Teilaspekte. Eine mögliche KYC-Regulierung wie auch ein etwaiger Kontakt mit Behörden gehört hier eben so dazu wie das Nutzermanagement oder das Aufsetzen von Gebühren.
  • Verwahrung beschreibt, wie die Investoren ihre Anlage erhalten. Token können gegen Fiat oder Kryptowährungen direkt gekauft werden. Es kann jedoch auch sein, dass man dem Projekt hinter dem Token Geld überweisen oder Krypto in einen Escrow-Account ablegen muss. Genauso zählt umgekehrt der Withdrawal-Prozess dazu.
  • Emittierung umfasst die Erzeugung und Verteilung der Token. Die Emission kann im Fall von Kryptowährungen der dazugehörige Token sein.
  • Transaktionsbearbeitung beinhaltet Details hinsichtlich der Peer-to-Peer-Transaktionen, dem Kaufprozess aus der Nutzersicht oder dem Tausch der Assets. Zusätzlich kann man betrachtet, inwieweit der Investor Entscheidungen treffen kann: Investiert er in einen Index oder trifft er alle Entscheidungen hinsichtlich einzelner Token selber? Ebenso gehören hier Fragen bezüglich der Preisentwicklung oder der Liquidität dazu.
  • Auditierung schließlich stellt die Frage, wer den Token genauer überprüft: Kann der Investor eine eigene Auditierung durchführen? Tut dies eine dritte “trusted party” oder muss man dem Projektteam selbst vertrauen?

Der Distributed Periodic Table: Ein System zur Klassifizierung von Token

Die einzelnen Fragestellungen zu den Gesichtspunkten lassen sich so zusammenfassen: Sie können zentralisiert, dezentralisiert oder nicht vorhanden/relevant sein. Auf diese Weise können streng genommen 243 einzelne Arten von Digital Assets definiert werden. Diese Menge wird als Distributed Periodic Table bezeichnet. Besonders erwähnenswert sieht das Distributed Lab folgende Digital Assets:

  • Kryptowährungen streben ein hohes Maß an Dezentralisation an. Entsprechend sind alle fünf Gesichtspunkte zentralisiert. Beispiele sind hier wieder Bitcoin und Monero.
  • Von Staaten emittierte digitale Währungen sind exakt das Gegenteil: Alle fünf Aspekte sind zentralisiert. Der Petro Venezuelas ist dabei sicherlich ein gutes Beispiel.
  • Allgemeine Digitalwährungen sind quasi ein Zwischending: Einige Gesichtspunke, beispielsweise die Validierung von Transaktionen, ist dezentral organisiert, während andere durch eine zentrale Instanz verwaltet werden. Ein Beispiel hierfür wäre Ripple.
  • Commodity-Backed Token oder Stablecoins sind Token mit zentralisierter Governance, Verwahrung und Emittierung. Ein Beispiel in der Welt der Kryptowährungen ist Tether, dessen Transaktionsbearbeitung dezentral ist.
  • Equity Token oder Security Token besitzen wie Stablecoins eine zentralisierte Governance, Verwahrung und Emittierung. Der DAO-Token oder eben Proof-of-Stake-Coins wären entsprechende Beispiele.
  • Accounting Token sind Token für eine digitale Buchhaltung. Governance, Emittierung, Verwahrung und Auditierung sind hier zentralisiert. Beispiele wären hier Reputation oder Rating. Es geht um Größen, die nicht übertragbar sind, bei denen jedoch eine buchhalterische Einordnung sinnvoll ist.
  • Digital Collectibles sind digitale Unikate, die für einen Sammler von Interesse sind. Sie sind nicht austauschbar und einzigartig. Governance und Emittierung ist zentralisiert. Bekanntestes Beispiel ist Cryptokitties.
  • Utility Token sind Token, die man für mehr können als für Transaktionen verwenden kann. Sie sind für die Interaktion mit bestimmten Programmen notwendig, laufen jedoch langfristig auf die Use-Cases Digitalwährung, Security Token oder Accounting Token hinaus. Governance und Emittierung sind hier ebenfalls zentralisiert.

Mit dem System von TokenD zu einer genaueren Benennung von tokenised Use-Cases

Ausgehend von den fünf genannten Gesichtspunkten gelangt man also zu verschiedenen Typen von Token. Umgekehrt kann man sich die Frage stellen, ob die Aufstellung des Tokens überhaupt zum anvisierten Use-Case passt: Eine Kryptowährung, die sich als “Bitcoin as Satoshi intended” bezeichnet, aber eine zentrale Governance hat, würde sich selbst widersprechen.

Mit der sich ständig weiterentwickelnden Token Economy kommen neue tokenized Assets auf, die man nicht einfach in diese grobe Kategorisierung übertragen kann. Cryptokitties waren dabei nur das bekannteste Beispiel. In desem Sinne hilft das Framework, um weitere Use-Cases als die klassischen Kryptowährungen, Security Token und Utility Token zu benennen.

BTC-ECHO

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