Südkorea: Ein Staat setzt auf die Blockchain

Tim Stockschlaeger

von Tim Stockschlaeger

Am · Lesezeit: 4 Minuten

Tim Stockschlaeger

Tim Stockschläger hat Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Finance in Augsburg und Leipzig studiert. Nach dem Studium hat er zunächst für die Deutsche Bank gearbeitet und ist nun freiberuflicher Autor und Berater.

Südkoreanische Banknote neben Bitcoin und Ethereum.

Quelle: Shutterstock

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Die südkoreanische Regierung findet bislang keinen einheitlichen Nenner. Erst verbietet sie ihren Beamten den Handel und Besitz von Kryptowährungen. Später untersagt sie ICOs im eigenen Land, will die Investoren aber nicht bestrafen. Jetzt will die Regierung groß in die Forschung von Blockchain-Projekten investieren.

Das Ministerium für Information und Kommunikation stärkt mit der Initiative „Blockchain Technology Development Strategy“ die Entwicklungen und Wettbewerbskraft des privaten Sektors. In die nächsten fünf Jahre rechnet das Ministerium mit einem rasanten Wachstum der Blockchain Anwendungen. Das möchte auch die Regierung nicht verpassen. Sie will 230 Milliarden Won (rund 180 Millionen Euro) in die Entwicklung und Verbreitung investieren, um den Standort Südkorea zu stärken. Die Regierung will deshalb zum einen die Technologie selbst besser verstehen und zum anderen dem privaten Sektor Anreize geben, mehr zu entwickeln. Das erklärte Ziel ist es, diese Technologie rund 10.000 Menschen beizubringen, die bislang noch nicht so tief in der Materie stecken. Die südkoreanische Regierung verspricht sich davon bis zu 100 neue Technologieunternehmen bis zum Jahr 2020.

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Südkorea fördert dafür das Blockchain Research Center mit umgerechnet über einer halben Million Euro. Regelmäßige Wettbewerbe sollen junge Leute ansprechen, kreative Lösungen zu entwickeln und diese auf der Blockchain umzusetzen. Außerdem sollen Juristen und Wissenschaftler im Staatsdienst die Blockchain und Kryptowährungen besser verstehen, damit die Regierung notwendige Gesetze erlassen kann. Für viele Unternehmen fehlt bislang, wie in vielen anderen Ländern übrigens auch, ein konkreter Rechtsrahmen. In der Politik und Staatsregierung mangelt es hingegen meist an Fachwissen. Die Südkoreaner wollen dies zügig ändern.

Das Projekt reduziere die sozialen Kosten für die Bevölkerung durch die Beseitigung von ineffizienten oder überflüssigen Prozessen, erklärt das Ministerium. So sinkt zukünftig die Bearbeitungszeit von behördlichen Entscheidungen erheblich. Von der gesparten Wartezeit auf Bescheide profitieren sowohl Bürger als auch Unternehmen.

Musterprojekte auf der Blockchain

Die Blockchain-Technologie setzt sich weltweit insbesondere in zwei Branchen immer weiter durch. Logistik- und Finanzunternehmen setzten stark auf die neue Technologie. Die vielen einzelnen Transaktionen bzw. Transportwege sind prädestiniert für eine Erfassung auf der Blockchain. So setzt auch der südkoreanische Staat auf Blockchain-Anwendungen für seine sechs Musterprojekte. Eins davon soll ebenfalls die Logistik in dem Land verbessern.  Außerdem sollen Immobilien über die Blockchain schneller und günstiger den Eigentümer wechseln. Käufer und Verkäufer können die Dokumente digital signieren und ihrem Notar und Steuerberater zustellen. Bei Wahlen soll die Technologie eine schnelle und transparente Auszählung sicherstellen. Die Blockchain soll auch die Lebensmittelqualität von Fleischprodukten sicherstellen. Dazu wird jeder Schritt von der Produktion über den Transport bis zum Verkauf auf der Blockchain dokumentiert. Verbraucher erhalten dadurch einen transparenten Überblick und können so die Qualität des Fleisches besser einschätzen.

Darüber hinaus knüpft sich das Projekt den Gebrauchtwagenmarkt vor: Wer schon einmal ein gebrauchtes Auto von einer fremden Person gekauft hat, kennt die missliche Lage: Ist die Technik manipuliert? Handelt es sich um einen Unfallwagen? Wie ist der Fahrstil des Verkäufers? Der Käufer ist nicht bereit, den wahren Preis zu zahlen, weil er die tatsächliche Qualität nicht kennt – ein klassisches Beispiel von asymmetrischen Informationen. Der Verkäufer kann dem potenziellen Käufer nicht glaubhaft versichern, dass er das Auto stets pfleglich behandelt hat. Eine Blockchain könnte alle Werte über die Lebensdauer des Autos erfassen und so unzweifelhaft bei einem Kauf nachweisen.

Südkorea soll bargeldlos werden

Die südkoreanische Zentralbank setzt für ihr Projekt bargeldlose Bevölkerung“ ebenfalls stark auf die Blockchain. Bis zum Jahr 2020 sollen Münzen und Geldscheine weitestgehend aus dem Wirtschaftskreislauf verschwunden sein – ein ehrgeiziges Ziel. Eine Kryptowährung oder zumindest eine Kombination aus Fiat- und Kryptowährung wäre ein probates Mittel, um schneller ans Ziel zu gelangen. Dazu ist es wichtig, zunächst die Bevölkerung über die neuen Technologien aufzuklären und ihnen etwaige Bedenken zu nehmen.

Soweit klingt das alles nach der klassischen „Blockchain statt Krypto“-Geschichte. Die Regierung überlegt derweil jedoch auch, die zuletzt streng ausgelegte Regulierung langsam wieder zu lockern. Südkorea ist ein vergleichsweise kleines Land, das eine rasante und hohe technologische Entwicklung vorweisen kann. Der gelebten Offenheit für technologische Neuerungen zum Trotz machte die Regierung zuletzt gehäuft Schlagzeilen mit Verboten von ICOs und Beschränkungen im Handel von Kryptowährungen. In den letzten Tagen folgte dann die negative Berichterstattung über den 30-Millionen-US-Dollar-Diebstahl an der südkoreanischen Börse Bithumb. Immerhin sollen die Betroffenen aus einem internen Fonds des Unternehmens entschädigt werden.

Nicht zuletzt mit der staatlichen Initiative „Blockchain Technology Development Strategy“ mehren sich also wieder die positiven Nachrichten aus Südkorea. Die zahlreichen Technologie-Startups in der Region freuen sich. Sie hoffen auf eine einheitliche Gesetzgebung und Regulierung in Südkorea.

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