slock.it – Ein Interview über intelligente Schlösser

slock.it – Ein Interview über intelligente Schlösser

“Was man abschließen kann, kann man vermieten” - so die Überzeugung und Vision von Christoph Jentzsch, einem der Gründer hinter slock.it. Beim letzten Ethereum Developer Meetup stellte er sein Projekt vor.

In diesem Interview wurden im April einige Informationen bzgl der DAO geupatet.

In einem Vortrag und anschließenden persönlichen Gesprächen schilderte er die Idee selbst: Schlösser, die über Bluetooth, Zig bee oder ähnliche Schnittstellen verfügen, werden über Smart Contracts in der Ethereum Blockchain geöffnet und geschlossen. Durch diese Idee würden sich viele interessante Perspektiven auftun:

  • Wohnungen, die man ohne persönlichen Kontakt (Stichwort Schlüsselübergabe) vermieten kann
  • Self-driving & self-renting Cars
  • Verkaufen von Energie, Bandbreite etc. pp.

Kurz und gut: eine Schlüsseltechnologie der Sharing Economy.

Doch auch das ist laut Christoph erst ein Anfang: seine Vision ist die der M2M-Kommunikation, daß Maschinen autonom miteinander intelligent interagieren. Hier können wir an einen Lebensmittel-Laden denken, der auf Ether-Bezahlung bestimmte Plastikfenster öffnet, um dahinter liegende Lebensmittel dem Kunden freizugeben und automatisch Nachschub bestellt.

Auch diese Innovation ist nur ein Teil des Abenteuers hinter slock.it, ein weiterer Part ist das Business Model: Ähnlich wie beim Business Model hinter DASH schwebt Christoph eine fruchtbare Partnerschaft zwischen slock.it als Service Provider und Interessenten vor, wobei letztere in Form einer DAO, einer Decentralized Autonomous Organization, formiert sind. Mitglied letzterer kann man über den Erwerb von DAO Tokens werden, deren Formierung bald beginnen soll.

Soviel als Einführung zu slock.it! In einem kurzen Gespräch gab es die Möglichkeit, von Christoph weiteres über die Ideen hinter seinem Projekt zu hören.

Erzähl mal was über Deinen Werdegang, Du hast ja mit Physik angefangen…Wie kamst Du zu Ethereum?

Ich bin eigentlich noch in meiner Promotion, sozusagen gerade in einem sabbatical (dank Ethereum und Slock.it) und hab ein wenig was veröffentlicht.
Ich habe in theoretischer Polymerphysik geforscht und einen Algorithmus geschrieben, um Polymerdynamiken in Flüssigkeiten zu simulieren.

Im Rahmen dieser Algorithmen habe ich GPUs zur Berechnung genutzt, was auch der Weg zu Bitcoin war: Ich habe meinen Code auf vielen Grafikkarten laufen lassen, wollte aber noch mehr, und suchte, wo ich möglichst billig möglichst viele Grafikkarten herbekommen kann. Darüber kam ich auf die Bitcoin Miner. Damals minten sie noch via GPU, haben gerade auf FPGA umgeschwenkt. Das hat mich sehr interessiert, weshalb ich mich da ziemlich reingelesen hab. Ich habe dann von Ethereum gehört und mich da eingelesen, und da diese beim Crowd Sale einen C++-Entwickler suchten – der ich bin – habe ich mich da im Sommer 2014 beworben. Seitdem bin ich bei Ethereum. Seit ein paar Monaten bin ich bei slock.it und gerade weniger als Developer bei Ethereum tätig, slock.it nimmt all meine Zeit in Anspruch.

Können ASICS & FPGAs für andere Dinge genutzt werden? Was kann man zum Mining-Prozess bei ETH im Vergleich zu BTC sagen?

ASICS sind hochspezielle Rechner, die eine Sache gut können: Schnell viele einfache Rechenoperationen ausführen. Beispielsweise werden sie bei Wetterberechnungen genutzt. Wenn Berechnung Bandbreite braucht sind ASICS nicht besonders gut, aber wenn es um einfache Prozesse geht, die gut zu parallelisieren sind, dann kann man sie verwenden.

Der Mining-Algorithmus von Ethereum, ETHash, ist derart optimiert, daß die Bandbreite, die man vom Memory liest, das Bottleneck bei den Berechnungen ist. Diese Bandbreite ist bei Grafikkarten hochoptimiert, weshalb es letztlich keinen Sinn macht, ASICS zu nehmen. Dadurch wird man deutlich mehr Grafikkarten im Netzwerk haben, die minen, wodurch Ethereum deutlich dezentraler sein wird.

Es gibt zwar auch in der Ethereum-Welt Mining-Farms, aber die laufen mit GPUs. Ein single-Miner, der mit einer GPU arbeitet, hat deshalb nicht einen derart großen Nachteil und hat einen fairen Anteil.

slock.it wurde ja von Dir und Deinem Bruder gestartet… Kannst Du etwas zum Team erzählen, wann die Leute sich dem Projekt angeschlossen haben?

Ca. Ende 2014 habe ich die Idee für slock.it gehabt. Mit meinem Bruder habe ich Sommer 2015 einen Prototypen gebaut, Stephan kam August/September dazu und ist gleich Vollzeit eingestiegen. Seit Dezember habe ich nur halbtags bei Ethereum gearbeitet und ab Januar nur noch ab & an, dh. seit Januar widmen mein Bruder, Stephan Tual und ich uns 100% slock.it. Lefteris kam Anfang des Jahres dazu, der auch ein ehemaliger Ethereum-developer mit Fokus C++ ist. Griff kam auch dazu als Community Manager in Seattle.

Neben unserem Team gibt es noch ein Board of advisors, das aus Gavin Wood, dem ehemaligen CTO von Ethereum und Christian Reitwießner, der gemeinsam mit Gavin Wood Solidity, die Sprache, in der Smart Contracts geschrieben werden, entwickelt hat.

RWE & Deutsche Post zeigen Interesse

Wie Du auch in einem Vortrag vorgestellt hast sind an Slock.it nicht nur einzelne Geeks mit einem Herz für die Sharing Economy interessiert, sondern auch ein dicker Fisch wie RWE, die im Rahmen der Elektroautos an euch Interesse haben. Kannst Du darauf nochmal genauer eingehen?

Mit dem RWE Innovation Hub bauen wir die Ladestationen von RWE derart um, daß man mit Ether bezahlt, um Autos aufzuladen. Die Vision ist, daß an einer Roten Ampel ein Auto via Induktion aufgeladen werden kann. Hier geht es dann um Mikrotransaktionen, bei denen quasi das Auto selbst den Strom, den es tankt, bezahlt.

Neben RWE gab es kleine Gespräche mit der Post, um Postboten Zugang zu einem bestimmten Raum zu ermöglichen, in dem dann Pakete abgelegt werden können. In diesen Raum würde man auch über eine Mikrotransaktion kommen. Hintergrund ist hier, daß eines der größten Probleme für die Post ist, daß die Sendungsempfänger oft nicht zuhause sind.

Mikrotransaktionen… mit der aktuellen Debatte in der Bitcoin-Welt kommt einem da ja sofort das Stichwort Scalability Issue…

Das ist auch langfristig gesehen durchaus eine Sorge. Eine mögliche Lösung heißt “Sharding”, eine Lösung von Vitalik Buterin – dem ursprünglichen Erfinder von Ethereum -, in der nicht mehr jede Node jede Transaktion bearbeitet. Eine Implementierung und eine Hard Fork wird aber erst in 2-3 Jahren kommen.

Eine andere, unbefriedigende Lösung wäre die Nutzung von (semi)privaten Blockchains.

Ethereum hat aber im Gegensatz zu Bitcoin den Vorteil, daß die Blockchain noch nicht “voll” ist, dh. die Blöcke noch längst nicht an der Obergrenze sind.

Entstehung einer DAO

Bald gibt es ja den Crowd sale zur Unterstützung von Slock.it. Kannst Du dazu ein paar Worte verlieren?

Jeder kann sich an der DAO beteiligen. Man kann soviel geben wie man gerne möchte – theoretisch gesehen sogar 1 Wei (10^-18 Ether).

Die Ether gehen in eine dezentrale autonome Organisation (eine DAO). Dieser machen wir ein Angebot ein Produkt für sie zu bauen, den Ethereum Computer.

Wenn die DAO ihr ok dazu gegeben hat, programmieren wir einen smart contract, der dafür sorgt die die Mitglieder der DAO ihr Produkt kostenfrei nutzen können, und sie andere Nutzer dafür bezahlen lassen können es zu nutzen.

Man kauft also einen Token, der letztlich Mitgliedschaft in einer Organisation bedeutet die ihre Ether nutzt um die sharing economy zu dezentralisieren. Das ist letztlich ein Unterschied zu vielen, die ihr Geld in Bitcoin anlegen. Dieses Kapital liegt tot da, man hofft halt, daß Bitcoin im Wert steigt. Solche Tokens jedoch haben durch die Nutzung der Produkte, wie des Ethereum-Computers, einen praktischen Nutzen.

Ich bin ein großer Fan davon, die Cryptowährungen zu nutzen, um ein solches Projekt zu finanzieren – nur so kann das System wachsen.

Der Token selbst ist handelbar. Jemand, der sich DAO Tokens gekauft hat, kann seine Ether  ach wieder aus der DAO holen. Damit “verbrennt” er quasi die Tokens und kann diese nicht mehr wieder kaufen – natürlich kann er über einen Exchange ggf neue kaufen – wenn jemand seine verkauft.

Es ist zu betonen, daß man NICHT Anteile an der Firma kauft – man kauft eine Beteiligung in einer DAO. Die Details sind im Smart contract (geschrieben in solidity) oder, für Freunde der englischen Sprache, auf dem Blog zu lesen.

Thema Versicherung & Sicherheit

Eine Vision ist ja der Beitrag zur Sharing economy. Ich kann mir vorstellen, daß die Versicherungslage schwierig werden kann: Neben dem Besitzer und dem Kunden gibt es noch die DAO und den Service Provider. Kannst Du kurz was zu dieser für den Rechtsapparat und die Versicherungen sicherlich komplizierten Situation sagen und wie ihr damit umgeht?

Wir bieten nur eine technische Lösung. Safe Share Insurance, eine Versicherungsagentur der Sharing Economy, wird rechtliche/versicherungstechnische Aufgabe übernehmen. Diese Agentur beobachtet direkt auf der Blockchain, was passiert, daß man nur für die Zeit, die man konkret was verleiht, für die Dienste dieser Versicherung zahlt.

Ansonsten gibt es eine Möglichkeit einer Kaution, bei Objekten mit einem Wert, bei dem sich noch keine Versicherung lohnt.

Noch eine Frage zum Thema Sicherheit: Die Smart Contracts hinter slock.it regeln ja, daß, wenn ein Nutzer einem slock.it-Owner eine gewisse Gebühr zahlt, der Nutzer für eine bestimmte Zeit das Schloß öffnen und schließen kann – nicht jedoch der Owner. Was macht man im Notfall, wenn jemand bspw in einer mit slock.it abgeschlossenen Wohnung Hilfe braucht?

All die Systeme sind auf bestehende Systeme aufgesetzt. Man kann also immer noch mit einem klassischen Schlüssel in die Wohnung rein.

Außerdem könnte man den Smart contract derart implementieren, daß neben dem Nutzer noch weitere Nutzer auf eine Whitelist kommen – Verwandte, vllt sogar der Owner oder gar die Polizei oder andere Notdienste.

Zusammenarbeit mit Samsung und Canonical

Neben den oben genannten Gesprächen mit RWE und der Post – mit was für Partnern arbeitet ihr denn zusammen?

Wir pflegen in der Entwicklung Partnerschaften mit Samsung und Canonical. Canonical ist die Firma, die hinter Ubuntu steckt und hilft uns, ein Betriebssystem für den Ethereum Computer zu entwickeln. Samsung hat uns einen Chip gegeben, der sehr gut für unser Projekt geeignet ist.

Mit Safe Share Insurance haben wir eine Partnerschaft, was Versicherungen betrifft. Shapeshift hilft beim DAO token sale, wo alles in Ether umgewandelt wird – man kann also mit einer Menge an Kryptowährungen sich DAO Tokens kaufen.

Es werden weitere Exchanges dazu kommen, vielleicht auch ein Exchange, wo man mit Euro und Dollars DAO Tokens kaufen kann.

Ein interessantes Interview neigt sich dem Ende

Leider geht nun unsere Zeit zuende. Noch ein paar Letzte Worte?

Wir haben tausende von Enthusiasten, die uns zum Beispiel helfen mit Übersetzungen der DAO in andere Sprachen – eine wirklich großartige Community.

Wir wollen eine Technologie anbieten, die Mehrwert liefert und Menschen hilft, ihren Besitz zu teilen.

Christoph, ich danke Dir für das Interview und wünsche Euch weiterhin ganz viel Erfolg!

Wer mehr über das spannende Projekt erfahren will, kann sich auf der Webseite einlesen, auf github den Code studieren oder via slack und reddit an den internen Diskussionen teilnehmen.

BTC-Echo

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