Schicksalsjahr 2020: Deutschland muss die Weichen im digitalen Zahlungsverkehr stellen

Moritz Draht

von Moritz Draht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

Moritz Draht

Moritz Draht hat Deutsche Literatur und Philosophie an der Universität Konstanz studiert. Sein Krypto-Engagement widmet sich den Zusammenhängen zwischen soziokulturellen und technischen Entwicklungen.

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Schicksalsjahr 2020: Deutschland muss die Weichen im digitalen Zahlungsverkehr stellen

Quelle: Shutterstock

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BigTechs wie Amazon, Google, Facebook und Apple übernehmen immer mehr Marktanteile im digitalen Zahlungsverkehr. Daher müssen Lösungen auf gesamteuropäischer Ebene umgesetzt werden, die die Finanzsouveränität des Euroraums schützen. Um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen, bleibt jedoch nicht mehr viel Zeit.

Die Uhr tickt: Das kommende Jahr 2020 ist für das europäische Bankensystem die letzte Chance, eine stabile Architektur der Zahlungssysteme aktiv mitzugestalten. Zu dem Schluss kommt Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, auf der Handelsblatt Jahrestagung „Bankentechnologie“ am 5. Dezember in Frankfurt am Main. In seinem Vortrag „Zahlungsverkehr der Zukunft – Weichenstellung für Deutschland und Europa“ reflektiert Balz die aktuellen Entwicklungen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und nennt Strategien, um den Herausforderungen eines digitalisierten Finanzsektors auf gesamteuropäischer Ebene zu begegnen. Dabei zeigt sich: Die EU muss das Ruder in die Hand nehmen, denn die BigTechs schlafen nicht.

2020 ist ein Schlüsseljahr für Europa. Laut Balz sei es unvermeidlich, im kommenden Jahr die Weichen zu stellen, um dem digitalen Zahlungsverkehr mittel- und langfristig einen regulatorischen Rahmen zu setzen. Angesichts der zunehmenden Bedeutung bargeldlosen Bezahlens und des wachsenden Krypto-Markts ist eine europäische Lösung notwendig, um „die globalen und grenzüberschreitenden Zahlungsströme weiter zu beschleunigen“.

Markt für bargeldlose Zahlungsdienste wächst

Der Markt des bargeldlosen Zahlungsverkehrs wächst stetig. Aus einem Bericht der Europäischen Zentralbank zur „Zahlungsverkehrstatistik“ geht hervor, dass die Gesamtzahl bargeldloser Zahlungsvorgänge 2018 im Euro-Währungsgebiet im Vergleich zum Vorjahr um 7,9 Prozent auf 90,7 Milliarden Euro gestiegen ist.


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Dahingehend kommentiert Balz:

Blicken wir nach Deutschland, zeigte sich in 2019 insbesondere die Girocard als Gewinner. Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden 2,14 Milliarden Girocard-Transaktionen getätigt, ein Plus von fast 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wachstumstreiber war insbesondere das schnelle und bequeme Kontaktlos-Bezahlen. Zuletzt war schon mehr als jede fünfte Girocard-Zahlung kontaktlos (22,2 Prozent).

Der Zahlungsverkehr über internationale Kartensysteme ist ein europaweiter Trend. Auf Basis von Instant Payments steigt zudem die Verwendung von Überweisungen durch mobile Bezahlverfahren. Diese Entwicklung wird vor allem durch die BigTechs (Google, Amazon, Facebook, Apple) vorangetrieben. Da deren Bezahlsysteme meist auf internationalen Kartensystemen basieren, wächst die Verbreitung digitaler Bezahllösungen parallel zu den Transaktionszahlen der BigTechs.

Monopolbildung durch BigTechs

Der Eintritt der BigTechs in viele Bereiche des Zahlungsverkehrs hat das Jahr 2019 maßgeblich geprägt. Apple Pay und Google Pay konkurrieren um Marktanteile im Bereich mobiler Bezahllösungen. Auch Amazon Pay verbreitet sich zunehmend im E-Commerce, während sich Facebook Pay gerade im US-amerikanischen Markt etabliert und künftig auch den europäischen Raum erobern soll. Die BigTechs erweitern somit allmählich ihre Angebote in Richtung Bankdienstleistung, ohne sich den Regularien auszusetzen und besetzen so „Stück für Stück die Schnittstelle zum Kunden“.

Für Balz besteht dadurch die Gefahr, dass die BigTechs den Finanzbereich monopolisieren und den Kunden letztlich keine Wahl mehr über ihr Angebot lassen. Daher müssen sich Banken zukünftig den Bedingungen digitaler Plattformen anpassen und gleichzeitig die Finanzstabilität gewährleisten.

Ein Weckruf für den europäischen Finanzraum war Facebooks Libra-Projekt. Als Facebook ankündigte, eine digitale Währung in Umlauf zu bringen, haben nicht wenige die Finanzstabilität des Euroraums in Gefahr gesehen. Obwohl es aktuell um das Libra-Vorhaben ruhig geworden ist, hat es die Zentralbanken aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt und aufgezeigt, „welche Defizite im globalen Zahlungsverkehr noch bestehen“.

Regulatorische Herausforderungen

Angesichts der Etablierung mächtiger BigTechs bedarf es nun einer Prüfung, ob die Instrumente der Kartellbehörden noch hinreichend sind. Insbesondere die „Bewertungskriterien für den Missbrauch von Marktmacht“ bedürfen einer Modernisierung, so Balz. Erst durch neue Regularien könne ein effektiverer Wettbewerb unter den Marktteilnehmern stattfinden.

Für einen fairen Wettbewerb sei es daher erforderlich, dass „Anbieter von Infrastrukturleistungen Zugang zu ihren Schnittstellen oder Betriebssystemen gewähren“. Mit dem Beschluss des Bundestags zur Anpassung des Zahlungsdienstaufsichtsgesetzes sei dahingehend der erste Schritt getan. Die Vorgaben des Beschlusses zielen darauf, bestimmte Zahlungslösungen an digitale Endgeräte anzupassen.

Mögliche Lösung: Digitales Zentralbankengeld

Eine vieldiskutierte Lösung für die Herausforderungen im Zahlungsverkehr stellt das digitale Zentralbankengeld dar (Central Bank Digital Currency, CBDC). Aktuell arbeiten viele nationale Zentralbanken mit Hochdruck an eigenen digitalen Währungen. Die chinesische Zentralbank hat bereits eine zeitnahe Einführung eines CBDC angekündigt, die Zentralbank Schwedens entwickelt aktuell die e-Krona und Tunesien testet die Möglichkeiten eines e-Dinar.

Eine andere Lösung wäre ein programmierbarer digitaler Euro. Dieser könne laut Balz beispielsweise „im Rahmen von Blockchain-Systemen für Zahlungen im Internet of Things (IoT) genutzt werden“. Der digitale Euro müsse dabei nicht unbedingt von Zentralbanken emittiert werden, sondern ließe sich auch über Geschäftsbanken vertreiben.

Modernisierung bestehender Infrastrukturen

Für Balz steht fest: Der traditionelle Zahlungsverkehr muss sich in vielen Bereichen weiterentwickeln. Dafür sei es wichtig, eine Infrastruktur für Echtzeit-Abwicklungen von Transaktionen zu schaffen. Darüber hinaus müsse geprüft werden, wie sich Instant-Payment-Systeme vernetzen und für grenzüberschreitende Zahlungen einsetzen lassen. Dahingehend verliefen erste Tests, die die Instant-Payment-Abwicklungsplattform des Eurosystems TIPS mit SWIFT gpi verknüpfen, erfolgsversprechend.

Dazu urteilte Balz:

Es gibt erfolgreiche etablierte Systeme und Lösungen in einzelnen Ländern, die deutsche Girocard ist hier das beste Beispiel. Doch europaweit funktionieren diese nicht oder nur, wenn mit den internationalen Kartensystemen kooperiert wird. Ähnliches gilt für Bezahlsysteme im e-commerce oder für Person to Person Payments (P2P).

Daher braucht es Lösungen, die im gesamten Euroraum funktionieren. Mit Instant Payment sei dafür der erste Grundstein gelegt. Um den Trend der Kartenzahlung aufzufangen, müssten zudem Kartenfunktionen in Smartphone-Wallets integriert werden. Darüber hinaus stellen PSD2-Schnittstellen der Banken ein Instrument dar, um die europaweite Interaktion der Banken im Zahlungsverkehr zu stabilisieren.

Nun sei es an der Zeit, dass das Bankensystem mit entsprechenden Innovationen und Regularien handelt. Balz mahnt:


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2020 haben die europäischen Anbieter vermutlich die letzte Chance, eine zukunftsfeste Architektur der Zahlungssysteme mitgestalten zu können. Nutzen Sie diese Chance, denn das Vertrauen auf bewährte Geschäftsmodelle und die Dominanz und Überlegenheit nationaler Lösungen sind keine gute Antwort auf die Herausforderungen der digitalen Zukunft.

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