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FTX-Gründer SBF im Porträt Vom Krypto-Helden zum gehassten Lügner – Aufstieg und Fall von Sam Bankman-Fried

Nur Mark Zuckerberg wurde schneller reich als der 30-jährige Gründer von FTX. Und niemand verlor so schnell sein Vermögen. Ein Porträt über Sam Bankman-Fried.

Giacomo Maihofer
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FTX-Gründer Sam Bankman-Fried

Beitragsbild: FTX

| FTX-Gründer Sam Bankman-Fried.

Zehn Milliarden ausgelöscht – über 94 Prozent seines Reichtums. In 24 Stunden. Ein Rekord. Noch nie hat ein Milliardär aus der Forbes-Liste an einem einzigen Tag so viel seines Vermögen verloren wie Sam Bankman-Fried nach dem Sturz seiner Börse, FTX, am 9. November 2022. Sie steht vor der Insolvenz. Ein Drama, das den ganzen Kryptosektor mit sich nach unten ziehen könnte. Manche sprechen schon vom “Lehman-Brothers”-Moment der Branche.

Die Geschichte von Sam Bankman-Fried ist die eines beispiellosen Auf- und Abstiegs. Mit einem Vermögen von über 11 Milliarden US-Dollar wird der FTX-Gründer in fünf Jahren der zweitreichste Krypto-Unternehmer der Welt, direkt nach Binance-CEO Changpeng Zhao. Nur Mark Zuckerberg wurde laut Forbes schneller reicher als der heute 30-Jährige.

Am Anfang seines Weges besitzt er nicht einmal einen Bitcoin. Dann kommt er als Krypto-Trader zu Millionen – durch das Ausnutzen eines Schlupflochs, einer beachtlichen Preisdifferenz des Bitcoin-Preises zwischen Japan und den USA, der “Kimchi Prämie”. Am Ende macht er 25 Millionen US-Dollar Gewinn mit einem Trade. Mit dem Geld und großzügigen Finanzierungen durch Fonds gründet er 2019 FTX. Nach nur drei Jahren ist es eine der wertvollsten und größten US-Krypto-Börsen, mit gigantischer Kriegskasse.

Alle aktuellen Ereignisse, rundum die Causa FTX, lest ihr im stets aktuellen Newsticker zum Thema.

Auf Luxus verzichtender Veganer mit Zockerherz

Sam Bankman-Fried wird 1992 auf dem Campus von Stanford geboren, als Sohn zweier Rechtsprofessoren der Elite-Uni. Nach Abschluss einer privaten High School in der Bay Area studiert er vier Jahre Physik am MIT. Die meiste Zeit verbringt er allerdings mit Videospielen wie “Starcraft” und “League of Legends”. Er liebt den Rausch, schnelle Entscheidungen unter Zeitdruck zu treffen: “Beim Schach oder anderen Spielen bestand er immer darauf, mit einem Timer zu spielen”, sagt ein Studienkollege über ihn einmal im Interview. Dieser Hang, er wird ihm jetzt zum Verhängnis.

Trotz seines Milliarden-Vermögens verzichtet Sam Bankman-Fried bewusst auf Luxus. Er ist Veganer aus Überzeugung, trägt einfache Kleidung und fährt einen Toyota Corolla über die Straßen der Bahamas, auf denen er seit 2021 lebt. Nachts schläft er im Büro, auf einem Sitzsack. Weniger als fünf Stunden pro Nacht. Die Mitarbeiter können ihn jederzeit wecken, wenn sie Rat suchen.

Vom Helden zum Gefallenen

Einige sahen in ihm bereits den J.P. Morgan der Krypto-Ära. Andere gleich: den Retter der Krypto-Branche, ihren Robin Hood. Laut eigenen Angaben hat er einen Rettungsfonds von über zwei Milliarden US-Dollar eingerichtet. Im Juni 2022 leiht Sam Bankman-Fried dem mittlerweile insolventen Krypto-Broker Voyager Digital über 250 Millionen US-Dollar, dann kauft er den angeschlagenen Krypto-Lender BlockFi zu einem Schnäppchenpreis (25 Millionen statt 4 Milliarden), vorher Anteile am Broker Robinhood.

Das Image des gewissenhaften Krypto-Helden stürzt nun in sich zusammen. Zum Vorschein kommt ein ganz anderer Charakter: ein pathologischer Lügner und Zocker. Noch vor fünf Monaten warnt er im Interview mit Forbes: “Manche Kryptobörsen sind bereits heimlich insolvent.” Damals muss er schon wissen: Sein eigenes Balance Sheet ist hochriskant, wenn nicht illegal; und dass irgendwann alles einstürzen wird.

Ein Tweet, der jetzt die Runde macht: Sam Bankman-Fried spielt nach dem Crash auf der PC-Plattform Steam eine Partie “League of Legends”. Wie damals, an der Uni. Nur dieses Mal scheint seine Zeit endgültig abgelaufen zu sein.

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