Der lange Weg zum Bitcoin Die Geschichte der Kryptowährungen

Bitcoin gilt als Mutter aller Kryptowährungen. Dabei war Satoshi Nakamotos Erfindung das Produkt jahrzehntelanger Vorarbeit. Vom Beginn einer digitalen Revolution.

Moritz Draht
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Beitragsbild: Shutterstock

| Das war nicht immer so: Heute wimmelt es voller Kryptowährungen

Mit Erscheinen des Bitcoin White Papers wird der Urknall für Kryptowährungen oftmals auf das Jahr 2008 datiert. Doch die Entwicklung beginnt bereits Jahrzehnte zuvor in den 70ern. Vieles von dem, was in Bitcoin zusammenschmolz, geht auf Forschungsarbeiten einer Generation zurück, die man heute als Krypto-Anarchisten oder Cypherpunks bezeichnet. Und von denen noch heute einige aktiv sind: David Chaum, Adam Back, Nick Szabo – und womöglich auch: Satoshi Nakamoto. Sie haben die Welt ein Stück weit verändert. Ein Rückblick auf ihr Erbe.

Wie alles begann

Während Ölkrise, Watergate-Affäre und Jom-Kippur-Krieg das politische Weltgeschehen des Jahres 1973 prägten, nahm im Schatten dieser Ereignisse eine Revolution ihren Lauf, die alles verändert hat: die Erfindung des Internets.

Die Grundlagen dafür, das Transmission Control Protocol (TCP) und das Internet Protocol (IP), stammten von den US-amerikanischen Informatikern Robert E. Kahn und Vinton G. Cerf. Das Internet, wie wir es heute kennen, war geboren. Und damit auch der Weg zu digitalen Währungen eingeschlagen.

1975 entwickeln Whitfield Diffie und Martin Hellman erstmals ein Verfahren, das als Vorlage moderner Verschlüsselungstechniken dient: den sogenannten Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch, das erste asymmetrische Kryptosystem. Hier kam zum ersten Mal ein Public-Key-Verfahren zum Einsatz, das auch heute bei Kryptowährungen angewendet wird. Das war auch Ralph Merkle zu verdanken. Der renommierte Wissenschaftler entwarf schon 1974 ein Public-Key-Protokoll – Merkles Puzzle – das allerdings erst 1978 veröffentlicht wurde.

Auch der britische Nachrichtendienst entwickelte ein ähnliches Verfahren Jahre zuvor, das aber blieb unter Verschluss. 1978 wurde das Verfahren mit dem RSA-Kryptosystem, benannt nach seinen Entwicklern Ronald L. Rivest, Adi Shamir und Leonard Adleman, verfeinert.

Die ersten Kryptowährungen

Es war der Kryptologe David Chaum, der 1983 mit dem Aufsatz “Blind Signatures for Untraceable Payments” die Blaupause digitaler Währungen schuf. Darin beschreibt er die Grundlagen für ein elektronisches Zahlungssystem, das als eCash Ende der 80er vermarktet wurde. eCash, das wie eine Art Gutscheinsystem aufgebaut war, leistete Pionierarbeit, behaupten konnte es sich aber nicht. Ende der 90er ging das dahinterstehende Unternehmen DigiCash Konkurs.

David Chaums Arbeit hat weitere Feldversuche inspiriert. Etwa Wei Dai mit seiner Währung “b-money” im Jahr 1998, oder Nick Szabos “BitGold”. Auch sie gelten als Wegbereiter für den ein Jahrzehnt später entwickelten Bitcoin. Sie basieren bereits auf dem Konsensverfahren Proof of Work, das 1993 von Moni Naor and Cynthia Dwork zum Schutz gegen DDos-Attacken entwickelt wurde.

Anfang der 2.000er hatte man schließlich alle Zutaten zusammen: Schlüsselpaare, Zeitstempel, Blockchain, Proof of Work, Smart Contracts, Byzantinische Fehlertoleranz, Lösungen für das Double-Spending-Problem. Diese Komponenten nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch in einen Guss zu bringen, war dann das große Verdienst von Satoshi Nakamoto, der 2008 ein bahnbrechendes White Paper veröffentlichte: “Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“.

Satoshis Vermächtnis

Der Rest ist Geschichte. Ein Jahr später ging die Bitcoin Blockchain mit dem Genesis Block in Betrieb. Es folgte die erste Welle an Kryptowährungen: Litecoin, Namecoin, Dogecoin, allesamt Bitcoin-Forks, sowie Peercoin, die erste Kryptowährung, die vom Proof-of-Stake-Verfahren Gebrauch machte. Mit Ripple, Dash und Monero folgten einige bis heute populäre Kryptowährungen. Bis schließlich 2015 mit Ethereum, der heute zweitgrößten Kryptowährung nach Marktkapitalisierung, die zweite Blockchain-Generation an den Start ging.

Das Spielfeld hat sich seitdem ständig erweitert: Neue Anwendungen kamen hinzu, technische Weiterentwicklungen, Narrative. Vorangetrieben von der inzwischen dritten Blockchain-Generation mit Vertretern wie Solana.

Was blieb, sind die darin verbauten Verschlüsselungsverfahren, an denen mehr und weniger bekannte Forscher seit Jahrzehnten arbeiten. So konsequent wie Satoshi Nakamoto, der uns vielleicht immer ein Rätsel bleiben wird, hat sie aber wohl niemand vorgelebt.

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