Nordirische Hauptstadt plant eigene Währung – Aufschwung dank Belfast Coin?
David Barkhausen

von David Barkhausen

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Quelle: Shutterstock

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Im Zuge einer internationalen Förderinitiative will die nordirische Hauptstadt Belfast noch in diesem Jahr eine eigene Kryptowährung herausgeben. Mit dieser will die Stadt Bürger für vorbildliches Verhalten wie Recycling belohnen. Übergeordnetes Ziel des Belfast-Coin soll es unter anderem sein, die stagnierende Wirtschaft in der ehemaligen Industriestadt anzukurbeln. Diese muss mit Blick auf den anstehenden Brexit und das Szenario einer harten Grenze auf der irischen Insel derzeit um ihre Zukunft bangen.

Weltweit wenden sich immer mehr Regierungen, Zentralbanken und staatliche Geldbehörden den Potentialen eigener Kryptowährungen zu. Während die Beispiele erfolgreicher Regierungs-Coins derzeit jedoch rar gesät sind, schrecken auch die meisten Städte und Regionen noch vor der durchaus heiklen Herausforderung einer eigenen Währung zurück.


Die erste europäische Stadtverwaltung, die sich diesen Schritt nun traut, ist die nordirische Hauptstadt Belfast. Wie der Stadtrat der britischen Exklave an diesem Mittwoch, dem 8. Mai, in einer Pressemitteilung verkündet, will die Metropole noch in diesem Jahr eine eigene Digitalwährung herausgeben.

Belfast-Coin belohnt Bürger für Recycling

Anders als bei herkömmlichen Kryptowährungen wie Bitcoin, Ether & Co. soll man den sogenannten Belfast-Coin jedoch nicht einfach mithilfe des britischen Pfunds eintauschen können. Vielmehr will die Stadt vorbildliches Verhalten belohnen: Das Einkaufen vor Ort, Recycling, Freiwilligenarbeit oder die Teilnahme an bürgerschaftlichen Aktivitäten – für all dies sollen die Einwohner der Millionenstadt bald Anreize in Form des Belfast-Coin erhalten. Dies soll vor allem die Wirtschaft der Region anfeuern.

Wir hoffen, dass der Belfast-Coin den lokalen Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhilft und den Stadtrat dabei unterstützt, langfristige Ziele wie Umweltverbesserungen zu erreichen,

erklärt Grainia Long, Resilienzkommissarin der Stadt, die Motivation hinter der Kooperation mit dem britisch-israelischen FinTech Colu.

Dies bietet uns die Gelegenheit zu untersuchen, wie eine Stadtwährung Anwohner, Unternehmen und Städtepartner zusammenbringen kann, um integratives Wachstum zu unterstützen.

Amos Meiri, Geschäftsführer von Colu, ergänzt:


Der Belfast-Coin wird einen enormen Beitrag zur Entwicklung der Stadt leisten – wirtschaftlich, sozial, ökologisch und sogar darüber hinaus.

Zunächst will die Stadt eine Pilotphase starten und Geschäftspartner finden, bei denen die Bürger mit dem Belfast-Coin künftig bezahlen können. Gelingt dies, soll im weiteren Verlauf des Jahres der offizielle Startschuss des Förderprojekts fallen.

Rockefeller-Projekt soll Abwehrmechanismen schaffen

Dabei ist die Stadtwährung Teil einer breiter angelegten Strategie der regionalen Förderung. Seit 2016 ist Belfast Mitglied der sogenannten 100-Resilient-Cities-Initiative der Rockefeller-Stiftung. Diese fördert neben Athen, Kapstadt oder Jakarta Städte und Gemeinden weltweit. Mithilfe der Fördergelder sollen sie Abwehrmechanismen für kommende wirtschaftliche, soziale und ökologische Herausforderungen aufbauen. Andererseits will die Initiative vor allem dort Wachstum schaffen, wo ebendiese Herausforderungen schon heute zu spüren sind.

Dass die nordirische Hauptstadt Teil der weltweiten Resilienz-Initiative ist, kommt dabei nicht von ungefähr. So war die ehemalige Industrie-Hochburg zwar zwischen 1998 und 2007 hinter London die am schnellsten wachsende Wirtschaft im Vereinigten Königreich. Die Finanzkrise hat das Land jedoch hart getroffen. Seit 2008 stagniert das ehemals galoppierende Wachstum. In diesem Jahr soll die britische Exklave sogar das geringste wirtschaftliche Plus aller Briten verzeichnen.

Belfast und der Brexit – Wo liegt die Zukunft der nordirischen Wirtschaft?

Unklar ist zudem, wo die Zukunft der nordirischen Hauptstadt liegt, kommt es trotz verlängerter Verhandlungsfrist zum harten Brexit – und damit zu einer harten Außengrenze zwischen UK und EU. Das Schicksal der inneririschen Grenze gilt als Knackpunkt der laufenden Verhandlungen zum Austritt der Briten. Dabei besteht die Republik Irland auf dem freien Waren- und Personenverkehr zwischen den Bruderländern. London wiederum will eine Sonderrolle im Vereinigten Königreich auch zum Preis von Zollkontrollen verhindern.

Sollte es im Oktober nun zu einer solchen harten Grenze zwischen der irischen Republik und dem einst umkämpften Nordirland kommen, brächte dies nicht nur vernichtende Konsequenzen für die Wirtschaft auf der grünen Insel. Von nordirischer Seite würde dies vor allem die Hauptstadt Belfast treffen.


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