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Es ist kompliziert “Nicht eine einzige Transaktion wurde auf Ethereum zensiert”

Ethereum sortiert Transaktionen nach Vorgaben des US-Finanzministeriums aus – wie berechtigt ist die Kritik am Umgang mit Tornado Cash?

Moritz Draht
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Ethereum

Beitragsbild: Shutterstock

| Der Aufschrei ist groß: Ethereum zensiert Tornado-Cash-Transaktionen.

Der Vorwurf wiegt schwer: Betreibt Ethereum Zensur? Über die Hälfte aller Transaktionen des umstrittenen Krypto-Mixers Tornado Cash werden von den Validatoren gemieden. Ethereum verspiele damit die Kernattribute einer Blockchain: Dezentralität, Zensurresistenz, Neutralität – so die Kritik. Doch es ist komplizierter.

Auslöser: Tornado-Cash-Verbot

Einige Transaktionen sind auf einer Blockchain anonymer als andere – wenn sie durch einen Mixer gejagt werden, der die Transaktionspfade verschleiert. Ideal für fragliche Finanzgeschäfte: Laut Chainalysis soll fast ein Viertel aller Transaktionen, die über Mixer verschlüsselt wurden, im ersten Halbjahr dieses Jahres von Adressen mit krimineller Historie stammen.

Vor diesem Hintergrund setzte die Kontrollbehörde des US-Finanzministeriums, das Office of Foreign Assets Control (OFAC), den Krypto-Mixer Tornado Cash Anfang August auf die schwarze Liste. Die Nutzung des Protokolls ist seitdem illegal und kann strafrechtlich verfolgt werden. Laut OFAC sollen seit 2019 über sieben Milliarden US-Dollar über Tornado Cash gewaschen worden sein. Ein Großteil davon von der nordkoreanischen Hackergruppe Lazarus.

Zensiert Ethereum Tornado Cash?

Der Krypto-Space lief daraufhin Sturm. Coinbase und Coin Center klagen gegen die kontroverse Entscheidung des US-Finanzministeriums. Eine Zensur des Codes einer Open-Source-Software käme nach US-Recht einer Verletzung der Meinungsfreiheit gleich, so die Argumentation der Verbotsgegner.

Über Ethereums Umgang mit den OFAC-Richtlinien ist nun eine Grundsatzdebatte entbrannt. 52 Prozent der Transaktionen, die über der Krypto-Mixer verschickt werden, werden aktuell nicht ins Netzwerk geleitet. Die Kritik an dieser Praxis ist deutlich: Ethereum setze seine Dezentralität aufs Spiel, mache sich unglaubwürdig und zum Handlanger behördlicher Zensur. Doch der Teufel steckt im Detail.

“Nicht eine einzige Transaktion wurde auf Ethereum zensiert”

CyberCapital-Gründer Justin Bons stellt nun seine Sicht dar: “Nicht eine einzige Transaktion wurde wegen OFAC auf Ethereum zensiert!” Selbst bei 50-prozentiger OFAC-Konformität” werde eine “nicht konforme ETH-Transaktion innerhalb von 30 Sekunden bestätigt”, so Bons, der klarstellt: “Es wird nur dann zur Zensur, wenn OFAC-konforme Blockproduzenten sich weigern, auf nicht-konforme Blöcke zu bauen”.

Das eigentliche Problem hänge laut Bons mit dem Miner Extracted Value – kurz MEV – zusammen. Blockproduzenten können grundsätzlich entscheiden, welche Transaktionen sie verarbeiten. Egal ob Proof of Work oder Proof of Stake. Dabei werden Transaktionen bevorzugt, die einen höheren Profit abwerfen.

In der Filterblase

Der Miner Extracted Value ist der maximal extrahierbare Wert, der aus der Blockproduktion geschöpft werden kann. Was voraussetzt, dass Transaktionen vorselektiert werden. Bons zufolge habe dieses System “zu verschiedenen Formen der Zentralisierung geführt”.

Die meisten Validatoren nutzen die MEV-Boost-Software von Flashbots, die die profitabelsten Blöcke herausfiltert, aber keine Transaktionen sanktionierter Adressen weiterleitet. Also auch keine von Tornado Cash. Etwa 80 Prozent der MEV-Boost-Blöcke wurden von Flashbots weitergeleitet – entsprechend viele Tornado-Cash-Transaktionen blieben auf der Strecke.

Der Vorwurf, Ethereum zensiere gezielt Transaktionen, scheint daher überzogen. Die Einflussnahme des Flashbots-MEV-Boost ist problematisch, aber kein direkter Eingriff an der Dezentralität des Netzwerks. Justin Bons verweist zudem auf Updates, die den Vergütungsmechanismus weiter dezentralisieren würden. Die aufgeworfene Debatte dürfte diese Entwicklung beschleunigen.

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