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Bitcoin profitiert Credit Suisse: Befeuert der Krieg eine “neue finanzielle Weltordnung”?

Zoltan Pozar, Stratege bei der Credit Suisse, erklärt in einem Bericht, warum der Russland-Ukraine-Krieg das Ende der Vormachtstellung des US-Dollars sein könnte und warum das die Inflationskräfte im Westen noch weiter verstärken könnte, Bitcoin aber davon profitieren dürfte.

Marlene Müller
 |  Lesezeit: 5 Minuten
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Dollar und Renminbi vor amerikanischer und chinesischer Flagge

Beitragsbild: Picture Alliance

Der Russland-Ukraine-Krieg kann zu einem “Regimewechsel auf den Finanzmärkten” führen, so Zoltan Pozsar. Er ist bei der Credit Suisse für die weltweite Handhabung der kurzfristigen Zinsstrategie verantwortlich. In seinem Montagsbericht vom 7. März 2022 schreibt er:

Wir sind Zeugen der Geburt von Bretton Woods III – einer neuen (Währungs-)Weltordnung, die sich auf rohstoffbasierte Währungen im Osten stützt und wahrscheinlich das Eurodollar-System schwächen und auch zu inflationären Kräften im Westen beitragen wird.

Zoltan Pozsar, 07. März 2022

Er kommt zu dem Ergebnis, dass “Geld” zum Ende des Krieges nicht mehr dasselbe sein wird – und Bitcoin, sollte es dann noch existieren, von diesem Wandel profitieren dürfte.

Credit Suisse über den “Regimewechsel auf den Finanzmärkten”

Für den internationalen Handel müssen Währungen in irgendeiner Form miteinander austauschbar sein. Dafür ist es notwendig, zu entscheiden, wie viel die jeweiligen nationalen Währungen eigentlich wert sind. Nach dem Zweiten Weltkrieg entschied man sich im namensgebenden Bretton Woods, New Hampshire, USA, für das Bestimmen fester Wechselkurse. Hierbei verpflichteten sich die Vereinigten Staaten, jederzeit die Währung in Gold einzutauschen. Somit war Gold als “der Anker” für den Weltmarkt gewählt. Nachdem 1971 dieser “Gold Standard” zusammengebrochen war, entwickelte sich “Bretton Woods II”. In diesem System erlebten wir bis jetzt, dass die Währungen mit sogenanntem “Inside Money” abgesichert sind – Verbindlichkeiten in Währungen anderer Nationen in den Bilanzen der Banken. Fakt ist, dass dieses Inside Money vor allem US-Dollar außerhalb der USA darstellt. Damit ist die amerikanische Währung das Leitgeld und die Hauptreservewährung für den Weltmarkt. Doch diese hat nun einen Knacks bekommen.

In Zotars Augen ist dieses System nun durch die Beschlagnahmung russischer Devisen durch die G7 an sein Ende gekommen. Denn Russland habe als “Überschussakteur” durch den Verkauf seiner Rohstoffe über die vergangenen Jahrzehnte eine Masse an nationalen Reserven aufgebaut. Diese sind nun durch das Einfrieren nicht mehr zugänglich für den russischen Staat. Somit hat das Land keine Möglichkeit mehr, über diesen Hebel die eigene Währung zu retten und die eigene Wirtschaft zu unterstützen. Eben das war die Idee der G7-Staaten, um Russland zu einem Einlenken im Kriegskonflikt der Ukraine zu zwingen. Doch das hat auch für den Westen seinen Preis. Denn:

Wenn Sie glauben, dass der Westen Sanktionen ausarbeiten kann, die den Schmerz für Russland maximieren und gleichzeitig die Risiken für die finanzielle Stabilität und die Preisstabilität im Westen minimiert, könnten Sie auch an Einhörner glauben.

Zoltan Pozsar, 7. März 2022

Was passiert nun?

Was man Zoltan Pozsar nach nun sehen kann, ist, dass es zu einem großen Unterschied zwischen den russischen und nicht-russischen Rohstoffpreisen kommt. Denn es zeigen sich jetzt zwei Dynamiken: Einerseits gehen die kaufenden Nationen und private Unternehmen in den Streik, wodurch russische Rohstoffe nicht mehr exportiert werden können, was zu sinkenden russischen Preisen führt. Andererseits müssen die gleichen Nationen zu gestiegenen Preisen von anderen Öl, Weizen und Co. aufkaufen, was zu steigenden Preisen im restlichen Weltmarkt führt. Das hat zum einen die Folge, dass sich die Inflationsdynamik im Westen (also auch in Deutschland) verschärft. Zum anderen müssen die russischen Akteure versuchen, ihre Produkte bei noch kooperierenden Partnern abzusetzen, um Geld für die eigene Wirtschaft einzunehmen.

Poszar zufolge ist der einzige Akteur, der genau das leisten kann und davon auch noch profitiert, die People’s Bank of China. Die chinesische Zentralbank kann diesen Spread ausnutzen, “da sie auf einen Staat setzt, der nach seiner eigenen Pfeife tanzt.” Über das Einkaufen der billigen russischen Rohstoffe gegen US-Dollar wird sich die chinesische Währung stärker auf Rohstoffe als auf die Konkurrenz-Währung stützen können. Dazu Poszar:

Wenn diese Krise (und dieser Krieg) vorbei ist, sollte der US-Dollar viel schwächer und der Renminbi, gestützt durch einen Korb von Rohstoffen, viel stärker sein … [und] wenn dieser Krieg vorbei ist, wird ‘Geld’ nie wieder dasselbe sein… und Bitcoin (wenn es dann noch existiert) wird wahrscheinlich von all dem profitieren.

Zoltan Pozsar, 7. März 2022

Damit endet, in Pozars Augen, die Ära des “Inside Moneys” und dafür beginnt eine Finanzwelt mit Fokus auf “Outside Money”. Das heißt für Zentralbanken künftig, die Bilanzen nicht (nur) mit dem US-Dollar als Reserven abzusichern, sondern gleichermaßen mit Nationen-unabhängigen Verbindlichkeiten (also Rohstoffen). Das schwächt Amerikas Hegemonialstellung mit dem US-Dollar und stärkt die chinesische Position. Auch die amerikanischen Politiker:innen haben diese Umstände bereits erkannt.

Bitcoins Rolle in diesem Szenario

Auf Rückfragen BTC-ECHOs bei Zoltan Pozsar, warum er selbst zu dem Ergebnis kommt, dass Bitcoin durch diese Entwicklungen an Einfluss gewinnen wird, äußerte sich der Stratege bislang nicht. Jedoch ist besonders eine Eigenschaft auffallend, die die älteste Kryptowährung attraktiv für die “Outside Money Ära” machen könnte. Denn Bitcoin ist genauso Nationen-unabhängig wie Gold. Wie sich aktuell zeigt, gibt es keinen Staat, der über Bitcoins Verwendung und seinen Preis bestimmen könnte. Ein Einfrieren von Konten oder Sperren von Transaktionen ist aufgrund der Dezentralität, zumindest On-Chain, nicht denkbar. Somit könnte es für Staaten ähnlich attraktiv sein, Bitcoin als Absicherung der eigenen Währung und Wirtschaft in die eigene Bilanz aufzunehmen.

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