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Inflationsangst nimmt zu Neue Rekordwerte in der Eurozone

Die Energiepreise steigen, Lieferengpässe nehmen weiter zu und die Unsicherheit aufgrund des Krieges, den Russland gegen die Ukraine führt, steigt – das sieht man auch an den bekannt gegebenen Inflationszahlen der statistischen Ämter von Deutschland und Europa.

Marlene Müller
 |  Lesezeit: 4 Minuten
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Lagarde wird sich auf stürmische Zeiten einstellen müssen

Beitragsbild: Picture Alliance

| Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB.

Bei den heute veröffentlichten Inflationszahlen wird auch EZB-Chefin Christine Lagarde zweimal hingeschaut haben. Die Expert:innen ihres Gremiums rechneten für den Monat Februar mit einer Inflationsrate von 5,6 Prozent. Nun muss man eine Inflationsrate von 5,8 Prozent notieren, wie das Statistikamt Eurostat nach einer ersten Schätzung bekannt gab. Das ist der höchste Wert, den die europäische Währungsgemeinschaft seit Einführung des Euros 1999 jemals gemessen hat. Damit steigen allein die Verbraucherpreise zwischen Januar und Februar um 0,9 Prozent.

Auch für Deutschland korrigierte das Statistische Bundesamt für den Monat Februar seine Zahlen. Gestern, am 1. März 2022, wurde bekannt gegeben, dass man mit einer Inflation von durchschnittlich 5,1 Prozent im Vergleich zum Februar rechnet. Zudem wird auch eine höhere jährliche Inflationsrate für 2022 als zunächst in Aussicht gestellt erwartet. Wie der Präsident der Deutschen Bundesbank, Joachim Nagel, bei der Vorstellung des Geschäftsberichts für das Jahr 2021 sagte:

Ich erwarte, dass wir unsere Prognose für die Inflationsrate in Deutschland 2022 abermals anheben müssen …, mittlerweile rechnen die Fachleute der Bundesbank damit, dass die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt fünf Prozent erreichen könnte.

Joachim Nagel, 02. März 2022

Was sind die Gründe für die steigende Inflation?

Bereits seit längerem sprechen viele Ökonom:innen von einer steigenden Inflation in Deutschland und in Europa. Wenn diese bislang in erster Linie sowohl auf die Lieferengpässe und fehlenden Produktionskapazitäten als auch auf die weltweite Pandemie geschoben wurde, kommt nun eine weitere Schwierigkeit hinzu. Dadurch, dass Russland ein wichtiger Energielieferant ist, kann man davon ausgehen, dass durch die Sanktionen des Westens zukünftig noch höhere Energiepreise zu erwarten sind. So verteuert sich diese Variable bereits im Februar um schätzungsweise 22,5 Prozent.

Infolgedessen, dass es zu einer Abwertung des Euros kommt, wird es für Menschen attraktiv, ihre Ersparnisse in “sichere Wertanlagen” zu stecken. Rein historisch gesprochen, hat sich dafür in der Vergangenheit häufig Gold als “sicherer Hafen” angeboten. Doch auch das “digitale Gold”, Bitcoin, verzeichnet in den letzten Tagen einen Preisanstieg. So hat der Bitcoin-Kurs hat in den vergangenen Tagen um etwa fünfzehn Prozent zugelegt. Möglicherweise versuchen sich einige vor der Entwertung ihres Geldes zu schützen. Besonders für russische Bürger:innen könnte das nach den Sanktionen von den Regierungen und Privatunternehmen eine attraktive Möglichkeit sein.

Wäre es jetzt Zeit, zu schalten?

Trotzdem sich die Notenbank-Präsidentin Lagarde Mitte des vergangenen Monats noch gegen eine rasche Zinserhöhung aussprach, steht weiterhin ein großes Fragezeichen hinter den kommenden Schritten der EZB. Damals erwartete sie noch eine “Stabilisierung auf hohem Niveau”. Sie ging nicht davon aus, dass die Ölpreise weiterhin mit einer solchen Geschwindigkeit steigen würden, wie in den Monaten zuvor. Lagarde verglich damals die Zinspolitik mit einer Auto-Schaltung: “Niemand macht das im fünften Gang in voller Fahrt, sondern man geht vom Gas und schaltet schrittweise zurück. Genau das machen wir gerade. Und sobald das Tempo richtig ist und die Situation es zulässt, kriegen wir die Kurve.”

Nun ja, die Energiepreise sind sichtlich ähnlich dynamisch gestiegen, wie zuvor. Wäre es also langsam Zeit zu schalten, Christine Lagarde?

Was ist eine Inflationsrate?

Eine Inflationsrate wird anhand des harmonisierten Verbrauchindex (HVPI) bestimmt. Dieser misst “wie sich die Preise von Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten erworben werden, im Zeitverlauf verändern”. Dabei werden unterschiedliche Güter mit unterschiedlichen Gewichtungen in die Berechnung mit eingespeist. Die Daten werden monatlich und jährlich ausgewiesen. Für das Jahr 2022 ergeben sich bislang die folgenden Gewichte:

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