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Kommentar Bitcoin-Kritik: Wieso Fabio De Masi Unrecht hat

Es sei zu viel “stupid money” im Spiel, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi mit Blick auf den Krypto-Sektor. Recht hat er. Sein Schuss auf Bitcoin geht allerdings kolossal daneben. Ein Kommentar.

David Scheider
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David Scheider Krypto-Villa FTX-Gründer Sam Bankman-Fried

Beitragsbild: BTC-ECHO, Seaside Bahamas

| Play stupid games, win stupid prices. Sam Bankman-Fried steht nicht für Bitcoin – auch wenn es Kritiker:innen immer wieder Glauben machen.

Bitcoin im Bärenmarkt zu kritisieren, ist einfach. Daher haben Artikel frei nach dem Motto “Bitcoin ist tot” dieser Tage Hochkonjunktur. Einer, der Bitcoin wiederholt für tot erklärt hat, ist der ehemalige Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi. Bei Finance Forward schreibt der Politiker, der im Zuge des parteiinternen Zoffs rund um Sahra Wagenknecht bei den Linken ausgetreten ist, vom “Pyramidenspiel des Bitcoins” und rechnet mit der Kryptowährung Nr. 1 ab. Hat er recht?

Bitcoin ist nicht Krypto

Was Bitcoin-Kritiker:innen regelmäßig verkennen, ist der gewaltige Unterschied zwischen “Krypto” und “Bitcoin”. Auch De Masi vermengt, was schlicht nicht zusammengehört. De Masi hat mit seiner Analyse der FTX-Pleite zwar recht, wenn er schreibt:

FTX war nicht nur Börse zum Handeln von Krypto-Assets, sondern eben eine Art Bank, die Einlagen entgegennahm und Kredite vergab. Sie nutze dabei den Bitcoin und Krypto-Einlagen als Sicherheit zur Beleihung.

Fabio De Masi

Die unlautere Verquickung mit dem Schwesterunternehmen Alameda Research war es letztlich, was das pyramidenartige System zwischen den beiden Entitäten zu Fall gebracht hat. Und auch da muss man De Masi beipflichten:

In dem Sektor ist viel „stupid money“ von Leuten investiert, die im Zweifel die Technologie gar nicht verstehen, aber wie Lemminge dem Trend folgten.

Solange die Leute in Coins wie Shiba Inu investieren oder es für eine gute Idee halten, sechsstellige Beträge in vermeintliche Affenunikate zu stecken, wird es immer wieder Crashs geben. Das FTX-Desaster hat dem ohnehin angezählten Krypto-Sektor einen Bärendienst erwiesen – das wurde hier hinlänglich thematisiert.

Für Bitcoiner:innen war FTX ein Non-Event

Was mich an den Doomsday-Abrechnungen der Fiat-Boomer aber wirklich stört, ist der unweigerliche Drang, alles, was im Krypto-Sektor passiert, auf Bitcoin zu münzen. Bitcoin ist nicht Krypto.

Bitcoin ist angetreten, die Abhängigkeit einfacher Bürger:innen von übermächtigen Dritten im Finanzsektor zu schmälern. Es ist ein Werkzeug für die Wahrung der finanziellen Unabhängigkeit, das man nutzen kann, aber nicht muss.

Daher pochen Bitcoiner:innen auch so sehr darauf, die Verantwortung für die Verwahrung der Coins selbst zu übernehmen – auch wenn sie sich auf Twitter zugegebenermaßen bisweilen im Ton vergreifen.

Bitcoin bedeutet, die Zügel für seine finanzielle Selbstbestimmung selbst in die Hand zu nehmen. Wer für ein paar Prozent Yields seine Coins auf dubiosen Börsen wie FTX oder Lending-Diensten wie BlockFi liegen hat, der ist es im Zweifel selber Schuld (sorry, liebe Day-Trader und Crypto Bros). Nicht ohne Grund wiederholen wir bei BTC-ECHO gebetsmühlenartig das Mantra: Not your Keys; not your Coins, und vergleichen in regelmäßigen Abständen neue Hardware Wallets für die sichere Selbstverwahrung. Der Unterschied zwischen Papierbitcoins, also IOUs auf zentralisierten Börsen, und physischen, selbstverwalteten Coins dürfte so manchem Crypto Bro im Zuge des Bärenmarktes schmerzlich bewusst geworden sein.

Auch De Masi kennt diesen Unterschied, unterschlägt ihn aber wissentlich, weil es sein Narrativ gefährdet.

Monetarismus als Totschlagargument

Doch De Masis Kritik an Bitcoin setzt noch viel fundamentaler an. Als Zahlungsmittel, so der Politiker, sei Bitcoin untauglich. “Denn wenn etwas vermeintlich immer wertvoller wird, warum sollte ich damit beim Bäcker bezahlen? Wir kaufen auch Brötchen nicht mit Gold oder einem Picasso.”

Ah ja, das alte “deflationäres-Geld-eignet-sich-nicht-als-Zahlungsmittel-Argument”. Vielleicht hat er recht – wer weiß. Gresham’s law, nachdem schlechtes Geld, gutes aus dem Markt treibt, würde dieser Denke sogar recht geben.

Der Punkt ist aber der: Bitcoin existiert. Und genau wie es eine Nachfrage nach Picassos und Gold gibt, gibt es eine Nachfrage nach Bitcoin. Und die ist offenbar so gewaltig, dass sie das Asset bereits über die Schwelle von einer Billion US-Dollar gehievt hat. Orange Coin ist eine Realität, die sich auch nicht mit Verweis auf (übrigens richtigerweise als veraltet deklarierte) Wirtschaftstheorien wie den Monetarismus wegdiskutieren lässt.

Es mag sein, dass sich BTC mittelfristig nicht als Zahlungsmittel eignet – muss es auch gar nicht. BTC hat Qualitäten, die sich auch von den MMT-Apologeten und De Masis dieser Welt nicht wegdiskutieren lassen:

  • Bitcoin ist die Erfindung absoluter, digitaler Knappheit.
  • Es ist das einzige Gut auf der Welt, das sich kontrollieren lässt, indem man sich 12 Wörter merkt.
  • Bitcoin ist zensurresistent und fälschungssicher.
  • Es lässt sich ohne Intermediär Peer-to-Peer übertragen.

Stromargument darf natürlich nicht fehlen

Als relativ schwache Argumente führt De Masis im weiteren Verlauf des Textes natürlich noch den obligatorischen Verweis auf den Stromverbrauch sowie Bitcoins vermeintliche Behäbigkeit beim Verarbeiten von Transaktionen an. Ersteres wurde bei BTC-ECHO nun wirklich hinlänglich behandelt. Du findest Einordnungen hier und hier.

Zweites Argument jedoch ist ein Strohmann. De Masi schreibt:

Die Technologie ist faszinierend. Sie ist aber keine effiziente Methode zur Abwicklung von Transaktionen: Visa schafft etwa 1.700 Transaktionen pro Sekunde, Bitcoin je nach Statistik sieben bis elf. 

Wer hier die Transaktionsabwicklung vom Visa-Netzwerk mit Bitcoin vergleicht, hat es entweder nicht verstanden oder will die Leser:innen bewusst für dumm verkaufen. Da De Masi als Ex-Bundestagsabgeordneter auch im Wirtschaftsausschluss saß und zweifelsohne ökonomischen Sachverstand besitzt, tippe ich auf Zweiteres.

Visa ist ein Zahlungsabwickler, der sich mindestens auf der dritten Ebene über der Geldbasis (in diesem Fall: Bargeld) befindet. Folglich sind Bitcoin-Transaktionen am ehesten vergleichbar mit der physischen Bargeld-Übertragung von A nach B – und sicher nicht mit Visa-Transaktionen.

Bitcoin: Honey badger don’t care

Am Ende des Tages spielt es aber auch nur eine geringfügige Rolle, ob BTC ins Weltbild seiner Kritiker:innen passt, oder nicht. Bitcoins normative Kraft des Faktischen lässt sich mit Argumenten leider nur schwer aus der Welt schaffen. Oder, wie es der Gigi ausdrückt:

Du kannst eine Meinung dazu haben, aber deine Meinung hat keinerlei Einfluss auf das Phänomen. Die Gezeiten kommen und gehen, die Sonne geht auf und unter, und Bitcoin wird einen neuen Block produzieren. Alle 10 Minuten.

Ich würde mir wünschen, dass Kritik an Bitcoin (die ja durchaus angebracht und berechtigt ist) der Komplexität des Phänomens gerecht wird und nicht aus einer privilegierten Position von oben herab geschieht. Denn eines ist klar: BTC ist gekommen, um zu bleiben.

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