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Bisq, Hodlhodl und Co.Bitcoin kaufen ohne KYC: So geht’s

Bitcoin kaufen, ohne dabei zu viele sensible Daten preiszugeben? Das geht – sogar in Deutschland. Alles, was du zu Bisq, Hodlhodl und Co. wissen musst.

David Scheider
 |  Lesezeit: 6 Minuten
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Anonymous

Quelle: Picture Alliance

Als Peer-to-Peer-Kryptowährung ist Bitcoin ein Symbol der finanziellen Inklusion. Satoshi Nakamoto hat die Kryptowährung explizit so designt, dass sie ohne Intermediär verwendet werden kann. Um loszulegen braucht man lediglich eine Wallet-Software, die man entweder auf dem Smartphone oder dem Rechner installieren muss. Eigentlich.

Denn wer nicht gerade Bitcoin per Airdrop geschenkt bekommt, der muss vorher einen kleinen, aber wichtigen Zwischenschritt einschieben: Bitcoin kaufen. Und hier war es das dann in der Regel die Methode Peer-to-Peer, denn ohne Intermediär keine Coins. Das ist erstmal kein Problem; die meisten Exchanges dieser Tage sind seriös (wer Tipps für die Wahl der Bitcoin-Börse sucht, wird in unserem Ratgeber fündig). Allerdings fallen beim Kauf von BTC über reguläre Broker wie Bitpanda und Bison recht umfangreiche KYC-Prozesse an. KYC steht für Know your Customer und bezeichnet den Sorgfaltspflichtprozess, den der Gesetzgeber Finanzinstituten auferlegt, um Straftaten wie Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung oder Steuerhinterziehung zu erschweren. Daran gibt es zunächst auch nichts auszusetzen. Konkret bedeutet KYC aber, dass Kundinnen und Kunden eine ganze Reihe an sensiblen Informationen bei den Unternehmen hinterlassen müssen: Ausweisdokumente, Versicherungsnummern, Bankdaten und die persönliche Anschrift gehören zum Standardrepertoire.

Und das kann schon mal nach hinten losgehen. Datenlecks wie das von Binance im August 2019 oder der Ledger Leak etwa ein Jahr später sind nur die Speerspitze einer Historie von Daten-Diebstahl im Krypto-Ökosystem. Dabei sind Informationen, die Rückschlüsse über Finanz-Daten zulassen, besonders schützenswert.

Doch auch wenn nichts schiefgeht, haben Binance, Kraken und Co. Zugang zu sensiblen Informationen, die nicht jeder in Firmenhand sehen möchte: So können die Exchanges etwa nachvollziehen, an welche Adresse eingekaufte Coins gesendet werden – und wie hoch der Hodl-Stack bereits ist. Es gibt also gute Gründe, sich über den Erwerb von Bitcoin Gedanken zu machen, bei dem die Daten-Hinterlassenschaften möglichst gering ausfallen. Und dafür gibt es Möglichkeiten.

In Bitcoin bezahlt werden

Die wohl naheliegendste Möglichkeit, an Bitcoin zu kommen, ohne auf eine Börse zurückgreifen zu müssen, ist wohl, das Gehalt in Bitcoin zu empfangen. Denn ähnlich wie Fiatgeld kann man auch Bitcoin verdienen. Für viele dürfte der Anreiz, in einem deflationären Geld bezahlt zu werden, höher sein, als inflationäres Geld auf dem Gehaltscheck zu haben.

Hier gibt es aber einige steuerliche Fallstricke zu beachten. Denn wer ausschließlich Bitcoin verdient, wird wohl oder übel den einen oder anderen Satoshi in Euro und Co. wechseln müssen, um etwa die Miete zu bezahlen. Die Erlöse aus dem Verkauf dürften dann allerdings einkommensteuerpflichtig sein.

Selber schürfen

Unberührte Bitcoins gibts nur frisch aus der Mine. Je Block kommen (aktuell) 6,25 BTC ins Netzwerk – also etwa alle zehn Minuten. Anders als häufig angenommen, muss man dafür auch nicht allzu tief in den Geldbeutel greifen: Wer sich einem Mining Pool anschließt, bekommt die BTC anteilig ausgeschüttet, gemessen an der Hashrate, die man beiträgt.

ASIC Miner in Action. Picture Alliance.

Dafür reicht theoretisch auch ein einziger gebrauchter Miner. Die unberührten und KYC-freien Coins bezahlt man in Deutschland allerdings mit einem saftigen Aufpreis. Denn die Strompreise hierzulande lassen einen profitablen Betrieb der ASICs in der Regel nicht zu.

Bisq, die dezentrale Exchange

Der Goldstandard für den Otto-Normal-Bitcoiner dürften dezentrale Exchanges wie Bisq sein. Bei Bisq handelt es sich eher um ein Netzwerk, als eine Exchange. Da die Software keinen zentralisierten Intermediär hat, kann man sie als Decentralized Exchange, kurz DEX, bezeichnen.

Bei Bisq gibt es verschiedene Möglichkeiten, mit anderen Peers in Kontakt zu treten und so ganz unabhängig von zentralisierten Orderbuch-Algorithmen Deals mit anderen Netzwerkteilnehmer:innen einzugehen. Wer etwa den Tausch gegen Bargeld per Post auswählt, kann sich seiner Anonymität sicher sein. Ganz risikofrei ist der Bitcoin-Handel auf Bisq aber nicht. Trotz obligatorischer Sicherheitsleistung ist es denkbar, dass die Gegenpartei mit dem Geld wegläuft und die BTC nicht freigibt.

Bisq
Wer sich traut, kann bei Bisq auch mit postalisch zugesendetem Bargeld BTC shoppen.

In aller Regel klappt der Handel auf Bisq aber reibungslos – und für den Fall der Fälle gibt es mit den Arbitators auch “Schiedsrichter:innen”, die Unstimmigkeiten moderieren.

HodlHodl und Localbitcoins

Ähnlich funktionieren Exchanges wie HodlHodl oder Localbitcoins.com. Zwar kann man diese im strengen Sinne nicht als DEX bezeichnen, da sie die Trades nicht automatisch abwickeln. Doch ähnlich wie bei Bisq gehen Trader hier auch eine Peer-to-Peer-Beziehung zu ihrer Gegenpartei ein. Gerade Localbitcoins hat sich in Ländern mit geringer finanzieller Inklusion einen Namen gemacht, da dort auch gegen Bargeld Bitcoin käuflich erworben werden kann. So können auch Menschen, die kein Bankkonto haben, in Bitcoin investieren. Es ist daher nicht verwunderlich, dass etwa 10 Prozent des Traffics auf Localbitcoins auf Venezuela entfällt.

Woher kommt der Traffic auf Localbitcoins? Quelle: https://www.similarweb.com/de/website/localbitcoins.com/.

Auch Nigeria ist hoch im Kurs: Mit einem Handelsvolumen von 182 Millionen US-Dollar macht Nigeria zum Zeitpunkt des Schreibens den zweitgrößten Anteil des Handelsvolumens aus.

Localbitcoins
Handelsvolumen auf Localbitcoins. Quelle: https://coinranking.com/de/exchange/PCrC7MBSss+localbitcoins/markets

Wenn Bitcoin tatsächlich zu einem Geld werden soll, muss jeder Zugang haben. Dafür sorgen dezentrale Lösungen wie Bisq oder Localbitcoins. Aber auch hierzulande kann es legitime Gründe geben, herkömmlichen Exchanges den Rücken zu kehren – etwa aus Datenschutzgründen.

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