Marktupdate Bitcoin auf dem Weg der Genesung? BTC-Dominanz holt auf
Moritz Draht

von Moritz Draht

Am · Lesezeit: 5 Minuten

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Der Krypto-Markt startet nach dem Crash mit gesenktem Haupt in die neue Woche. Der größte Erdrutsch scheint zwar verdaut, Nachbeben bremsen die Aufholjagd aber bislang aus.

Auch am Pfingstwochenende blieben Bitcoin und Co. nicht von den Turbulenzen verschont. Die Gesamtmarktkapitalisierung ist seit Freitag um 300 Milliarden US-Dollar gefallen und hält sich nur knapp über 1,5 Billionen US-Dollar. Der Bitcoin-Kurs konnte im gleichen Zeitraum zwar noch einmal auf 40.000 US-Dollar aufschließen. Gewinnmitnahmen drückten den Kurs aber wieder am Samstag bis auf 34.000 US-Dollar. Die Krypto-Leitwährung fällt im Wochenvergleich somit 21 Prozent zurück, startet jedoch den nächsten Aufholversuch und legt im Tagesvergleich 2,2 Prozent zu. Zu Redaktionsschluss notiert der BTC-Kurs bei 36.538 US-Dollar.


Altcoin-Schlachtfeld

Das Nachbeben an Panikverkäufen hat die ersten Bodenbildungsversuche am Krypto-Markt bislang erschüttert. Auch bei der zweitgrößten Kryptowährung. Seit Ethereum am Donnerstag knapp den Anschluss zur 3.000er Marke verpasst hat, rutscht die Nr. 2 immer weiter nach unten. Vom gestrigen Wochentief bei 1.850 US-Dollar hat sich der Ether-Kurs jedoch etwas erholt. Zur Stunde notiert Ethereum bei 2.291 US-Dollar – ein Wochenminus von 36 Prozent.

Beim Rest der zehn größten Kryptowährungen sieht die Lage in der Wochenansicht kaum rosiger aus. Cardano (ADA) fällt mit einem Minus von 35 Prozent auf 1,49 US-Dollar zurück. Binance Coin (BNB) rutscht knapp 47 Zähler zurück, Dogecoin (DOGE) und XRP lassen je 34 und 41 Prozentpunkte in den letzten sieben Tagen liegen.

Polkadot (DOT) und den neu im Ranking der zehn größten Krypto-Assets aufgenommenen Internet Computer (ICP) hat es mit 53 bzw. 30 Prozent Kursabschlag erwischt. Das anhaltende Blutbad spiegelt sich in der Gesamtmarktvisualisierung von Coin360 wider, die seit Tagen in roter Farbe getaucht ist.

Zumindest in der Wochenansicht. Etwas mehr Hoffnung kommt schon beim Anblick der Tagesperformance auf. Aktuell lassen Nachkäufe den Krypto-Markt wieder ins Plus drehen. Ob damit aber eine Trendwende eingeleitet wird, ist fraglich. Ähnliche Muster zeigen sich immer wieder nach einem solchen Crash. Sobald die Rendite wieder groß genug ausfällt, um die beim Flash Crash entstandenen Verluste zu begleichen, dürften Abverkäufe den Gesamtmarkt wieder nach unten drücken. Diese hochvolatile Bewegung könnte den Markt noch einige Tage auf dem Weg der Genesung begleiten.

Bitcoin-Dominanz holt auf

Der Bitcoin-Anteil an der Gesamtmarktkapitalisierung hat sich in den letzten Wochen konstant nach unten geschraubt. Noch vor einer Woche, am 18. Mai, stand die Bitcoin-Dominanz mit knapp unter 40 Prozent auf dem niedrigsten Niveau seit drei Jahren. Das Abrutschen der BTC-Dominanz hat vor allem die Rallye auf Altcoins signalisiert, die ungestüm von einem zum nächsten Rekordhoch eilten. Der niedrige Wert deutete bereits an, dass sich einige kleine Blasen am Markt gebildet haben. Eine hohe Bitcoin-Zentrierung und damit Abhängigkeit von der Krypto-Leitwährung schafft zwar ebenfalls eine Fallhöhe. Die Verteilung der Marktanteile zugunsten einiger Hype-Coins war aber Kennzeichen einer ungesunden und im nachhinein teuer erkauften Rallye.

Allmählich gleicht sich die Verteilung wieder einem gesunden Mittelmaß an. In der Spitze erreichte die Dominanz im gestrigen Handelsverlauf einen Wert von 48 Prozent und hat sich somit in nur einer Woche um 10 Prozent gesteigert. Aktuell liegt der Bitcoin-Anteil am Krypto-Markt wieder bei knapp 46 Prozent. Mit anderen Worten: Der Crash hat etwas Druck aus dem Kessel genommen und den Fokus wieder auf die Nr. 1 gelenkt.


China drückt Bitcoin Hash Rate

Gleich zwei Meldungen aus Fernost sorgten vergangene Woche für den größten Krypto-Crash seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Nachdem die chinesische Regierung Finanzdienstleistern ein Krypto-Verbot auferlegt hat, steuert auch das Mining auf eine stärkere Reglementierung zu. Wie genau diese verschärften Auflagen aussehen, ist bislang noch unklar. Vizeministerpräsident Liu He habe laut Reuters jedoch angekündigt, beim Krypto-Mining in Zukunft härter durchgreifen zu wollen. China hatte bereits einige Wochen zuvor strengere Kontrollen für Mining-Betriebe und die Nachverfolgung des Energiebedarfs angekündigt.

Der härtere Kurs gegen Miner hat die Hash Rate bereits sichtlich angekratzt. Noch am 15. Mai erreichte die Hash Rate mit 180 EH/s ein neues Rekordhoch. Seitdem ist Netzwerk-Rechenleistung um 20 Prozent auf aktuell 145 EH/s gefallen.

China, seit jeher der Mining-Knotenpunkt, in dem sich rund zwei Drittel der globalen Hash Rate bündeln, wird durch strengere Regularien immer unattraktiver für Miner. Bislang galten insbesondere die niedrigen Stromkosten als Hauptargument für Mining-Betreiber. Fällt dieses Argument weg und die Regierung hält am Sanktionskurs fest, könnten sich die Miner und mit ihr die Konzentrierung der Hash Rate schrittweise in andere Länder verlagern.

Insofern bietet die deutliche Ansage an die Mining-Industrie auch eine Chance, sich vom Reich der Mitte langfristig abzukoppeln. China übt mit seinem Zickzack-Kurs seit Jahren immer wieder Einfluss auf das Krypto-Ökosystem aus. Je weniger abhängig das Mining von der Gunst der Regierung ist, umso besser.

Bis sich das Mining aber neu verteilt und vollständig reorganisiert hat, dürften noch einige Monate vergehen. Zeit, in der sich die Hash Rate erst einmal neu justieren muss. Erstaunlicherweise hat ein drohendes Mining-Verbot, oder zumindest ein stärker kontrolliertes Mining, bislang keine Abverkaufswelle ausgelöst. Wie die Grafik von Cryptoquant zeigt, halten Miner auch während des Markt-Crashs an ihren Reserven fest.

Ein gutes Signal. Bei all den Panikverkäufen und Gewinnmitnahmen, die derzeit den Markt nach unten drücken, stabilisieren die Miner das Gefälle von Angebot und Nachfrage.


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