Mit Bitcoin zur Bombe: Finanziert Nordkorea sein Atom-Programm mit Kryptowährungen?

Selim Baykara

von Selim Baykara

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Selim Baykara

Selim Baykara ist seit 2015 im Tech-Journalismus unterwegs. Davor hat er Englisch an der Universität Mainz studiert und war mehrere Jahre als freiberuflicher Autor und Übersetzer tätig.

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Quelle: Shutterstock

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Nordkorea hat schon seit längerer Zeit Geschmack an Kryptowährungen gefunden, um die strikten Wirtschaftssanktionen der internationalen Gemeinschaft zu umgehen. Einem Bericht des Magazins Wired zufolge, verfolgt das Regime in Pjöngjang mit den Angriffen auf Krypto-Börsen ein ganz konkretes Ziel: Die erschwindelten Kryptowährungen sollen umgehend in das Nuklearprogramm des isolierten Landes weitergeleitet werden.

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Wired zitiert in dem Bericht verschiedene ungenannte Quellen aus westlichen Geheimdienstkreisen. Demnach sollen staatlich unterstütze Hacker aus Nordkorea zwischen Januar 2017 und September 2018 mindestens 571 Millionen US-Dollar in Kryptowährungen von fünf asiatischen Krypto-Handelsplattformen gestohlen haben. Auch ein kürzlich veröffentlichter Report der Vereinten Nationen (UN) kritisiert Nordkorea, die Sanktionen zu umgehen – konkret wird dort der Fall des in Hongkong ansässigen Blockchain-Start-ups Marine Chain genannt, das angeblich in Verbindung zu Nordkorea steht.

UN: „Angriffe von Nordkorea auf Krypto-Börsen nehmen zu“

Der Vorwurf: Marine Chain soll Investoren mit einem Token Offering dazu verleitet haben, in das Unternehmen zu investieren. In Wirklichkeit handelte es sich dabei um einen klassischen ICO-Scam. Von dem Geld sahen die Investoren nie wieder etwas. Marine Chain war eine Scheinfirma, deren einziges Ziel darin bestand, Mittel für das nordkoreanische Regime zu beschaffen. Offenbar kein Einzelfall – der UN-Bericht notiert eine „Zunahme der Angriffe auf Kryptowährungsbörsen, um die internationalen Sanktionen zu umgehen.


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Einer europäischen Quelle von Wired zufolge, sei das jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Im Zentrum der nordkoreanischen Cyber-Aktivitäten soll eine Elite-Hackergruppe namens APT 38 stehen, die direkt dem nordkoreanischen Geheimdienst untersteht. Die Gruppe besteht demnach aus rund 20 Personen und verfügt dank staatlicher Unterstützung über umfangreiche Ressourcen und technische Kenntnisse. Damit soll APT 38 2018 etwa eine Milliarde US-Dollar ergaunert haben – teils durch Hackerangriffe auf Krypto-Börsen, teils durch „traditionelle“ Angriffe auf schlecht gesicherte Banken, vor allem im asiatischen Raum.

Finanziert Nordkorea sein Atom-Programm mit Bitcoin?

Das so erbeutete Geld soll der Quelle zufolge „fast immer in das Militärprogramm von Nordkorea weitergeleitet werden.“ Damit würde der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un also die Entwicklung seines Nuklearprogramms direkt mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen finanzieren.

„Bei Cybersicherheit geht es heute nicht mehr nur um Kriminelle“, so eine andere Quelle. Stattdessen ginge es darum, zu verhindern, dass Regime wie Nordkorea die Mittel erhalten, einen nuklearen Angriff anzuzetteln. Man müsse sich die Frage stellen: „Ist es wirklich in Ordnung, wenn Nordkorea seinen nächsten Raketentest mit Bitcoin bezahlt?“

Nordkorea geriet beim Thema Kryptowährungen in den vergangenen Jahren immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit. Eine der bekanntesten Krypto-Hacker-Gruppen überhaupt, die „Lazarus-Gruppe“, soll direkt der nordkoreanischen Regierung unterstehen und gilt bei Angriffen auf Krypto-Börsen als weltweit erfolgreichste Hacker-Gruppe. Experten zeigen sich schon lange überzeugt, dass das Regime gezielt Kryptowährungen verwendet, um die US-Sanktionen zu umgehen. Denkbar sei sogar, dass Nordkorea dazu seine eigene Kryptowährung erschaffe.


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