Lisk – ein Gespräch über Ein Blockchain-Netzwerk

Dr. Philipp Giese

von Dr. Philipp Giese

Am · Lesezeit: 6 Minuten

Dr. Philipp Giese

Dr. Philipp Giese arbeitet als Chief Analyst für BTC-ECHO und ist auf die Bereiche Chartanalyse und Technologie spezialisiert. Der promovierte Physiker kann dabei auf jahrelange Berufserfahrung als technologischer Berater zurückgreifen. Zudem ist er zentraler Ansprechpartner im Discord-Channel von BTC-ECHO und pflegt als Speaker und Interviewer den Austausch mit Startups, Entwicklern und Visionären.

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Lisk ist nicht nur durch einen fulminanten ICO bekannt. In einem Interview mit Max Kordek wollten wir das Projekt genauer kennen lernen.

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 30. Juni 2019 05:06 Uhr von Mark Preuss

Holen wir dazu etwas aus: ich wollte immer was in den Bereichen Elektrotechnik, Informatik oder Investment machen. Ich habe letztlich Elektrotechnik an der RWTH Aachen studiert. Das Interessante an der Blockchain-Technologie ist, dass hier diese drei Themen sich überschneiden – Elektrotechnik kann im Kontext des Node-Aufbaus und des Minings hilfreich sein, während die Assoziationen zu Informatik bzw. Investment allgegenwärtig in der Blockchain-Technologie vertreten sind.

Vor ca 3.5 Jahren habe ich begonnen, mich mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen zu beschäftigen. Da die Konkurrenz im Bitcoin-Ökosystem schon damals groß war habe ich mit Litecoin-Mining begonnen. Diese Währung ließ sich damals noch sehr gut auf GPUs Minen, was allerdings aufgrund der Lautstärke und Wärmeentwicklung in einem kleinen Studentenappartement nicht sehr angenehm war.

Dadurch bin ich auf Nxt aufmerksam geworden, welches ein sehr energieeffizientes Netzwerk besitzt. Was mir jedoch auffiel – und ich denke, dass das ein Problem von Nxt auch heutzutage ist – war das Fehlen einer zentralen Governance Struktur, die Entwicklungen vorantreibt.


Deshalb habe ich mich dann einem Projekt namens Crypti angeschlossen. Die Kernidee war, dass man ein Blockchain-Ökosystem entwirft, in dem Dapps auf Sidechains laufen. Die Idee fand ich grandios – leider brachte der ICO zu wenig ein, um unsere große Vision zu erreichen. Das Projekt wurde deshalb nach 2 Jahren auf Eis gelegt.

Die Idee jedoch, dezentrale Applikationen auf Sidechains laufen zu lassen, ließ mich nicht los. Ich habe deshalb Anfang 2016 mein Studium pausiert, gemeinsam mit Oliver, dem späteren Co-Founder von Lisk, den Code von Crypti geforkt und damit Lisk geschaffen.

In dem Kontext habe ich mit Oliver ein großes Rebranding durchgeführt. Das Ganze geschah öffentlich, d.h. sowohl für die Community als auch für das ehemalige Crypti-Team einsehbar. Auch wenn wir uns bemühten, niemandem auf die Füße zu treten, gab es natürlich viel Streit mit den ehemaligen Mitstreitern.

Dennoch – das Rebranding war ein voller Erfolg, so sammelten wir beim ICO 14000 BTC ein. In dem Zusammenhang bin ich nach Berlin gezogen. Neben dem allgemeinen Fakt, dass diese Stadt einfach grandios ist, hat sich Berlin in letzter Zeit zu der Blockchain-Hauptstadt Deutschlands entwickelt.

Kannst Du kurz Lisk einführen? Wofür steht Lisk?

Fangen wir mit der zweiten Frage an, diese ist leichter zu beantworten: Lisk kommt von Obelisk. Wir suchten nach einem prägnanten Namen und in dem Zusammenhang ist Lisk catchy, klingt nicht nach schon bestehenden Währungen und ist einprägsam.

Zur ersten Frage hole ich etwas aus. Lisk ist zum Einen eine Kryptowährung mit eigener Blockchain. Dieses Token kann auf verschiedenen Exchanges gehandelt werden. Hauptsächlich jedoch ist Lisk ein Framework, dass es ermöglichen wird, dezentrale Apps auf mit der Lisk Blockchain verbundenen Sidechains zu schreiben.

Sidechains sind unabhängige Blockchains die neben der Mainchain laufen, mit jeder App wird eine neue Sidechain generiert. Diese Apps können auf der Lisk Mainchain registriert werden, so dass man Tokens von der Mainchain auf diese Sidechains schieben kann und so dann die jeweilige App Funktionalitäten nutzen kann. In der Hinsicht ist Lisk ein App-Netzwerk oder ein Blockchain-Cluster.

Als Programmiersprache des Frameworks haben wir uns für JavaScript/Node.js entschieden. Diese Sprache hat eine Menge an Entwicklern, denen wir den Weg, eigene Blockchains und eigene Blockchain Apps zu schreiben, erleichtern wollten.

Kannst Du kurz darstellen, was die Rolle von Lisk in einer von Ethereum und Bitcoin (wo es dank Rootstock und Blockstream auch Sidechains gibt) dominierten Kryptowelt ist?

Beginnen wir mit dem Vergleich zu Ethereum, da dieser am häufigsten aufkommt. Ich denke, dass es hier wichtig ist, zu betonen, dass Lisk Blockchain Apps im Fokus hat. Ethereum ist in erster Linie eine Smart Contract Plattform.

Der große Unterschied ist, dass in Lisk jede einzelne Applikation auf einer eigenen Sidechain existiert. Sollte eine davon attackiert werden betrifft das nur die eine Sidechain. Der Rest des Lisk-Netzwerkes ist nicht betroffen. Selbst ein Angriff auf die Mainchain wird die Apps auf den Sidechains nicht aufhalten, sondern lediglich die Interaktion mit der Mainchain für die Dauer des Angriffes blockieren.

Bei Rootstock ist der Unterschied ähnlich wie im Fall von Ethereum: Rootstock zielt in erster Linie auf Smart Contracts ab. Außerdem existiert Rootstock innerhalb einer einzigen Sidechain. Blockstream schließlich ist komplett intransparent und verschlossen, ich kann keine Aussage zu denen machen.

Lisk – Vision und nächste Schritte

Was ist deine große Vision mit Lisk? Was steht als nächstes an?

Wir gründen im Moment eine Non-Profit Organisation. Aktuell ist natürlich noch viel in den Startlöchern, aber wir arbeiten fleißig daran, dass das Sidechain Framework im Q1/2017 bereit für kleinere Projekte ist, sprich für erste, gute Gehversuche. Bislang haben wir lediglich sehr grobes Prototyping.

Nächsten Monat schließen wir erfolgreich unseren ersten Milestone namens “Mainchain Stabilisation”. Ab dann kann jedes Community Mitglied einen eigenen Lisk Node zur Verfügung stellen und eventuell sogar Einkünfte für sich generieren. Es stellt den Switch von einem dezentralen, aber zentral verwalteten Netzwerk, zu einem komplett dezentralen Netzwerk dar und ist also ein riesiger Schritt.

Die große Vision ist, dass jeder Besitzer eines Smartphones unsere spätere Mobile App installiert und mit einem Knopfdruck hunderte von Blockchain Apps starten kann. Sicher, dezentral, immer an, verschlüsselt, ohne Installation, einfach zu monetarisieren, mit geschützter Identität, und vielem mehr!

Was für Resonanz gab es bisher ? Du warst ja grad in China, worum ging es da?

Die bisherige Resonanz bisher war phenomenal! Natürlich ging der Wert von Lisk nach dem Launch erstmal runter. Das ist normal, man kann sich hier gerne an den Hype Cycle von Gartner erinnern. Unser ICO war extrem erfolgreich. Wir sind jetzt auf allen großen Exchanges gelistet und haben ein durchschnittliches Trading-Volumen von 200000$ täglich – was für eine Kryptowährung schon nicht schlecht ist.

Da der ICO von Lisk derart erfolgreich war, habe ich bereits andere Projekte beraten und ihnen bei ihrem ICO geholfen. Das war auch für mich sehr schön, da ich so doch einige Lessons learned gleich anwenden konnte.

In China war ich diesmal nicht primär wegen Lisk, sondern wegen der Devcon. Schauen was andere Projekte in der Industrie im Moment machen. In dem Zusammenhang konnte ich mir auch nochmal Chinas Blockchain-Ökosystem genauer ansehen, ein bisschen networken und den Lisk Ambassador aus China wieder treffen.

Willst sonst noch was loswerden?

Danke auf jeden Fall auch von meiner Seite für das Interview! Letztlich möchte ich nur betonen: Lisk is for the people! Der Code ist komplett Open Source, weshalb sich eine aktive Community mit vielen Commits um unser GitHub gebildet hat. Wir wollen mit der Anbindung an JavaScript möglichst viele zur Blockchain-Technologie bringen. Für uns läuft es gut und hoffen, dass wir den Markt verändern werden!

Max, vielen Dank für das Interview!

BTC-ECHO


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