Jetzt wird es ernst: Wie Facebook, Nike und Samsung die zweite Welle der Blockchain-Adaption einleiten

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Jetzt wird es ernst: Wie Facebook, Nike und Samsung die zweite Welle der Blockchain-Adaption einleiten

Bislang ähnelten sich die meisten Meldungen von Konzernen zur Blockchain-Adaption. Es wurden überwiegend Pilotprojekte auf privaten Blockchains durchgeführt. Typische Use Cases sind das Tracken von Lieferketten, die Abwicklung von Wertpapiergeschäften oder das Ausführen von Smart Contracts, um Prozesse effizienter zu gestalten. Nun rollt eine zweite Welle von Konzern-Blockchain-Anwendungsfällen auf uns zu. Warum es sich dabei eher um einen Tsunami handelt und jeden Einzelnen von uns direkt betrifft.

Die bisherigen Blockchain-Projekte großer Banken, Energiedienstleister oder Logistikunternehmen hatten vor allem die Optimierung der eigenen Infrastruktur und Wertschöpfungskette zum Ziel. Aus diesem Grund haben sich viele dieser Konzerne zu Konsortien zusammengeschlossen, um Transaktionen mit Stakeholdern durchzuführen und diese mithilfe von Blockchain-Features effizienter zu gestalten. Um den privaten Endkunden ging es dabei praktisch nie, sondern vor allem um die eigenen Hintergrundprozesse.

Aktuell kommt allerdings eine zweite Welle von Konzern-Applikationen auf uns zu. Diesmal steht der Endkunde im Vordergrund. Es geht um konkrete Blockchain-Dienstleistungen und Kryptowährungen für den Endverbraucher und nicht für die eigene Wertschöpfungskette von Unternehmen – Blockchain goes B2C. Die Konzerne, die diesen Wandel herbeiführen, sind zum Teil aber neue Player, deren Geschäftsmodell deutlich von den bisherigen Blockchain-Pionieren abweicht.

Facebook, Samsung und Nike bringen sich in Startposition

Was haben Facebook, Samsung und Nike gemeinsam? Alle drei Konzerne verfügen über einen zweistelligen Prozentsatz der gesamten Weltbevölkerung als Kunden. Auch zeichnen sich bei allen drei Konzernen Blockchain-Strategien ab. Unter anderem standen in den letzten Wochen folgende Meldungen im Fokus:

  • Facebook arbeitet an eigener Kryptowährung und Blockchain-Infrastruktur.
  • Samsung integriert dApps und eine Ether Wallet in das neue Smartphone Samsung Galaxy S10.
  • Insiderquellen berichten, dass Samsung an Blockchain arbeitet. Eigener Token nicht ausgeschlossen.
  • Nike meldet Patent für krypto-bezogene Güter und Dienstleistungen unter dem Namen CRYPTOKICKS an.

Ähnliche Meldungen und Gerüchte gab es auch von Konzernkonkurrenten wie Apple oder LG, deren Kundensegment ähnlich weit verbreitet ist. Entscheidend dabei ist, dass alle Konzerne über einen enorm großen Kundenkreis an privaten Konsumenten verfügen und ihr Ökosystem daher besonders gut für Blockchain-Transaktionen mit Endkunden nutzen können. Der Kunde wird dabei aktiv in die neue Transaktionsinfrastruktur eingebunden, wenn er beispielsweise via Smartphone dApp mit Token hantiert. Auch wenn sich Facebook und Nike bislang noch bedeckt halten, wie ihre Krypto-Dienstleistungen in Zukunft konkret aussehen werden, gibt es naheliegende Use Cases.

Die Blockchain-Strategie der Konzerne

Im Gegensatz zu Krypto-Start-ups besitzen die genannten Player bereits mehrere hundert Millionen Kunden auf der ganzen Welt. Entsprechend sind sie in der Lage, langsam und ohne ihre Kunden bzw. Nutzer zu überfordern, neue Krypto-Services in ihr Geschäftsmodell einfließen zu lassen. Das alte „Nicht-Blockchain-Modell“ bleibt bestehen, während zusätzlich, mit nachweislichen Kundenvorteil, krypto-bezogene Dienstleistungen angeboten werden. Natürlich werden Kunden auch weiterhin mit Euro, US-Dollar & Co. bezahlen können. Steigen sie hingegen auf die Kryptowährungen der Konzerne um, werden sie mit Vorteilen belohnt. Genauso wie Nutzer der neuen Kreditkarte von Apple, der Apple Card, Cashback bei Bezahlvorgängen erhalten, kann man so auch Transaktionen mit denen in Zukunft vielleicht existierenden Facebook, Samsung oder Nike Coin incentivieren.

Auf diese Art und Weise können die Konzerne nicht nur enorme Kosten sparen, sondern zusätzliche Dienstleistungen anbieten, die vorher anderen Unternehmen oder Branchen vorbehalten waren. Genauso wie Apple ins Banking-Geschäft drängt, spricht vieles dafür, dass auch Facebook zu einer globalen Bank werden möchte. Dementsprechend verwundert es nicht, dass sich Facebook mit seinen Diensten WhatsApp und Instagram noch stärker auf das Messengergeschäft konzentrieren möchte. Mit einem eigenen Coin können so Bankdienstleistungen wie das Versenden von Geld oder das Erwerben von Finanzprodukten und Krediten noch besser im eigenen Ökosystem abgebildet werden. Die Datenkraken könnten sich somit immer stärker von den Banken und anderen Infrastrukturdienstleistern lossagen.

Die Modeindustrie erobert den digitalen Raum

Inzwischen etablieren sich immer mehr „virtuelle“ Fashion-Models, die vor allem auf Instagram mit Markenkleidung posieren. Eines der bekanntesten virtuellen Models ist Lil Miquela, die über 1,5 Millionen Follower auf Instragram hat und regelmäßig diverse Modemarken bewirbt. Neben Gucci oder Diesel ist auch Nike dabei. Passend zu den digitalen Models gibt es aber auch erste Modelabels, wie beispielsweise die Digital Collection von Carlings, die virtuelle Kleidung für den digitalen Raum entwerfen. Vorerst für das Social-Media-Profil und zukünftig für den eigenen Avatar im Virtual Reality wird so jeder in ein paar Jahren eine digitale Garderobe besitzen. Was sich gegenwärtig noch nach Spielerei und Science Fiction anhört, sind die Blockchain Use Cases der gar nicht mal so weit entfernten Zukunft. Die Mode- und Lifestyle-Industrie kann so neben den Silicon-Valley-Plattformgiganten am meisten zur Krypto-Adaption in der Breite beitragen.

Das Patent Cryptokicks von Nike

So steht im Patentdokument von Nike zu Cryptokicks, dass diverse krypto-bezogene Dienstleistungen unter die Patenanmeldung fallen. Unter anderem: Krypto-Wallets und Krypto-Anwendungen für Collectibles, Crypto Art und Application Tokens. Auch ist die Rede von Token für eine Online-Community. Entsprechend ist es darstellbar, dass beispielsweise Käufer von Nike Sneakers einen Token zur Incentivierung bekommen, der wiederum zu extra Services berechtigt und beispielsweise Gutschriften und Rabatte inkludiert. Neben diversen Incentivierungsmodellen für Käufer und Social-Media-Influencer werden auch digital Collectibles respektive digitale Zwillinge via Blockchain-Ökonomie ein wichtiger Bestandteil der Branche werden.

Wer also Nike Sneaker kauft, könnte so zusätzlich eine digitale Version seiner Schuhe bekommen, die in der virtuellen Welt getragen werden kann. Um Kopierschutz von digitalen Items zu gewährleisten, braucht es wiederum eine Blockchain-Lösung. Schließlich hat Nike ein Interesse daran, dass bei einer limitierten Edition nicht digitale Sneaker-Kopien in der virtuellen Welt auftauchen. Die Lösung des Double-Spending-Problems – die Daseinsberechtigung von Bitcoin – kommt also auch hier zum Tragen.

Dadurch kann nicht nur unberechtigte Vervielfältigung unterbunden, sondern auch eine Handelbarkeit digitaler Collectibles ermöglicht werden. Auf industriespezifischen Blockchains kann so eine neue Transaktions-Ökonomie aufgesetzt werden. Dabei entsteht ein neuer Markt für digitale Güter, der wiederum eine neue Dimension der Interaktion zwischen Unternehmen, Influencern und Endkonsumenten ermöglicht. Erste Start-ups wie das Berliner Unternehmen LUKSO arbeiten bereits an entsprechenden Blockchain-Lösungen, die zukünftig derartige Transaktionen abbilden können.

Die vermeintliche Konzern-Dezentralität

Verbraucher sollten hier allerdings zwischen wirklich dezentralen Blockchain-Lösungen, wie sie einzelne Krypto-Start-ups versuchen umzusetzen, und den Blockchain-Lösungen der Konzerne unterscheiden. Dezentralität bei Facebook, Samsung, Nike & Co. bedeutet vor allem Dezentralität im eigenen Ökosystem bzw. in der eigenen Wertschöpfungskette. Die idealtypischen Blockchain-Modelle der Internet-Plattformen und Konzerne bleiben auf absehbare Zeit noch zentralistisch oder zumindest konsortial ausgerichtet. Schließlich würde eine wirklich dezentrale und offene Lösung in Anlehnung an Bitcoin das eigene Geschäftsmodell unterminieren.

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