Interview mit Finoa Co-Founder Christopher May zur Zukunft der Token-Verwahrung

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 10 Minuten

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Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Quelle: Christopher May

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Mit zunehmender Regulierung und Professionalisierung im Bereich der digitalen Assets stellt sich die Frage, wie eine sichere und regulierte Aufbewahrung von Token aussehen kann. Der Token-Verwahrservice Finoa aus Berlin gibt eine Antwort und bietet primär institutionellen Kunden an, die Token-Aufbewahrung zu übernehmen. Welche Gründe für eine professionelle Custody (Verwahrung) sprechen, was die Fallstricke aktuell sind und wie sich der Markt für Token-Verwahrstellen in den kommenden Jahren entwickeln kann, hat uns Christopher May, Co-Founder von Finoa, in einem persönlichen Interview erzählt.


Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert am 13. Dezember 2019 01:12 Uhr von Andre Winterberg

Das Interview erschien zuerst in der Kryptokompass-Ausgabe vom November. Zu unserer aktuellen Dezember-Ausgabe gelangst du hier.

BTC-ECHO: Steht euer Service nicht im direkten Widerspruch zur Krypto-Ökonomie? Das Narrativ „Be your own bank“ baut schließlich darauf auf, Mittelsmänner zu umgehen und nicht neue Krypto-Mittelsmänner zu erschaffen?

Christopher May: Auf den ersten Blick könnte sich ein vermeintlicher Widerspruch ergeben, da wir als Custody-Anbieter intermediär auftreten. In den letzten zehn bis elf Jahren hat man jedoch sehen können, dass es für die Entwicklung zum Mainstream eine Verbindung von der neuen Krypto-Welt zur traditionellen Finanzwelt bedarf. Es ist vor allem für nicht technologieaffine Investoren extrem wichtig, die User Experience über bekannte Bankentechnologie so einfach wie möglich zu gestalten und gleichzeitig die neuen Möglichkeiten der Krypto-Ökonomie dem institutionellen Markt zugänglich zu machen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Regulierung. So stark wir Dezentralisierung auf vielen Ebenen unterstützen, zeigt sich, dass Regulatoren auf dem Weg sind, die Krypto-Ökonomie in ihr bisheriges Finanzsystem einzubinden. Das ist aus Sicht des Investorenschutzes auch sinnvoll. Dementsprechend glaube ich, dass es für die Mainstream-Erweiterung einer regulatorischen Komponente bedarf. Wir sehen uns auch nicht als Banken-Intermediär. Unser Ziel ist es, mit einer Open-Bank-Infrastruktur eine Brücke zwischen den beiden Welten zu schlagen. Der Zugang zur Krypto-Ökonomie muss so maximal einfach sein wie in der traditionellen Welt der Zugang zu Wertpapieren ist.

BTC-ECHO: Warum soll man euch vertrauen, dass ihr in der Lage seid, meine Token sicher aufzubewahren? Was ist, wenn ihr gehackt werdet?

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Christopher May: Wir haben ein sehr erfahrenes Technologie-Team aus der Bankenindustrie und arbeiten mit gleichwertig bis höheren Sicherheitsstandards, mit denen auch die klassische Bankenindustrie arbeitet, unter anderem mit sogenannten Hardware-Security-Modulen. Diese Standards haben sich im Bankenwesen in den letzten Jahrzehnten etabliert. Andererseits haben wir auch ein großes Verständnis für die Kryptographie und Cybersecurity. Unser Team besteht zu einer Hälfte aus Cybersecurity-Experten und zur anderen Hälfte aus erfahrenen Banken-ITlern Das befähigt uns dazu, sichere Lösungen zu bauen. Krypto-Börsen und Krypto-Start-ups waren allen voran von Hacks betroffen. Das sind zumeist jüngere Entwickler mit sehr guten Ideen und Ansätzen. Letztlich fehlt es ihnen jedoch oft an Erfahrung, um sichere Systeme zu bauen. Vor allem aber fehlt es ihnen auch an der Verbindung in die traditionelle Welt. Denn so viel man auch über alte Banksysteme schimpfen mag: Am Ende des Tages sind sie sicher. Dass eine Bank von außen gehackt wird, ist in der Geschichte selten passiert. Wir versuchen, diese Sicherheit ins neue Ökosystem zu übertragen.

BTC-ECHO: Hat man dann eine Art Depot oder Bankkonto, von wo aus man seine Token überweisen und verwalten kann?

Christopher May: Richtig. Du findest bei uns ein klassisches Online-Banking-Frontend und unser Ziel war es immer, institutionellen Investoren, vermögenden Privatkunden und zukünftig möglicherweise auch Retail-Kunden bankenähnliche Lösungen anzubieten. Wenn sich jemand in unsere Lösung einloggt, sieht derjenige, wie viele Bitcoin oder andere Kryptowährungen er besitzt. Die User-Experience ist hier also nicht anders als im Umgang mit Euro, US-Dollar oder Aktien. Mit der Komplexität der Blockchain-Technologie kümmern wir uns im Backend, anstatt unsere Kunden damit zu belasten.

BTC-ECHO: Das können aber auch Security Token oder andere Token sein?

Christopher May: Genau, das können Kryptowährungen, Utility Token oder auch Security Token sein. Schlussendlich wollen wir die ganze Lösung so nutzerfreundlich und interaktiv machen, dass man keinen Unterschied zwischen einem Aktien-Depot oder einem Krypto-Depot bemerkt.

BTC-ECHO: Ab nächstem Jahr braucht jeder Krypto-Verwahrer eine Lizenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Wie reagiert ihr darauf? Seid ihr zuversichtlich, diese Lizenz zu bekommen?

Christopher May: Zu der Lizenz stehen wir sehr positiv und befürworten diese auch. Es ging jetzt alles sehr schnell, aber unser Ziel war immer, in den regulierten Markt zu kommen. Wie gesagt: Um Krypto wirklich auf der Investorenseite zum Mainstream zu machen, braucht man eine sichere Regulierung. Gespräche mit institutionellen Investoren, vor allem Asset Managern, die zum Beispiel Aktienfonds verwalten, haben gezeigt, dass immer zwei Fragen im Raum stehen: Was ist aktuell die regulatorische Sicht der BaFin und wie ist es um die Sicherheit der Infrastruktur bestellt? Ich denke, dass der Schritt der BaFin ein sehr wichtiger war, um zu zeigen, dass sie dieses Ökosystem ernst nehmen und auch die Chancen anerkennen, die diese Technologie generell mit sich bringt. Wir werden diese Lizenz beantragen, was ab Januar nächsten Jahres offiziell möglich ist und stellen unser Team aktuell gemäß der regulatorischen Anforderungen der BaFin auf.

BTC-ECHO: Das ist allerdings sehr teuer und aufwändig. Seht ihr daher nicht die Gefahr, dass Start-ups an den hohen Hürden scheitern und uns damit Innovation in Deutschland verlorengeht?

Christopher May: Die Antwort ist zweischneidig. Für kleinere technologieorientierte Start-ups ist das sicherlich ein Nachteil und ein großes Hindernis. Für sie stellt das Abwandern in eine andere Jurisdiktion, in der keine Lizenz gebraucht wird, die einzige Möglichkeit dar oder sie gehen eine Partnerschaft mit einer Bank oder einem regulierten Institut ein. Auf der anderen Seite müsste man sich fragen, ob diese Technologie-Start-ups große Summen von Investoren verwalten sollen dürften, ohne durch einen Regulator überwacht zu werden. Hier geht es natürlich in erster Linie auch um den Investorenschutz. Ich glaube, die jüngere Vergangenheit, speziell in der Krypto-Welt, hat gezeigt, dass es wichtig ist, dass die Regulatoren einen Blick darauf haben, wie die Assets verwahrt und gesichert werden.

BTC-ECHO: Seht ihr die Gefahr, dass euer Geschäftsmodell von Banken übernommen wird und diese den Token-Verwahrservice, ähnlich dem Wertpapierdepotservice, mitanbieten?

Christopher May: Über die Zeit wird es sicherlich einige Banken geben, die in den Markt einsteigen möchten. Ich glaube aber, dass es ein paar Gründe gibt, warum dies flächenmäßig nicht sehr schnell eintreten wird. Wenn man sich den europäischen Bankenmarkt anschaut, zeigt sich, dass Banken Probleme im IT-Bereich haben. Daneben ist der Krypto-Markt für Großbanken noch sehr klein, um mit ihren großen Administrationen und Kostenblöcken dort wirtschaftlich operieren zu können. Darüber hinaus gibt es eine technologische Diskrepanz zwischen der Krypto-Welt und der traditionellen Bankenwelt. Ein Beispiel ist, dass ein traditionelles Kernbankensystem nur Assets mit sechs Nachkommastellen abspeichern und verwalten kann. Bitcoin hat aber acht Nachkommastellen, ERC-20 Token haben 18 Nachkommastellen. Das bedeutet, dass man aktuell die Assets von einer traditionellen Bank nicht abgebildet bekommt. Dies ist nur ein Beispiel des Mismatches zwischen beiden Technologiestandards.

Für die Verwahrungen von Assets in der traditionellen Welt gab es nahezu immer einen physischen Beweis der Assets. Eine Aktie oder Anleihe konnte sehr schwer verlorengehen und auch ein Wertpapier war immer physisch beurkundet. Die Verwahrung von kryptographischen Token ist eine technologische Herausforderung, die von den Banken bislang nicht abgedeckt wird. Um diese Technologiediskrepanz zu umgehen, erwarten wir, und sehen dies bereits auch in ersten Ansätzen im Markt, dass viele Banken eine Krypto-Verwahrlösung extern beziehen. Dementsprechend positionieren wir uns neben unserer eigenen Marke auch als Technologieprovider für Banken, Börsen oder weitere Finanzdienstleister.

BTC-ECHO: Könnt ihr euch vorstellen, euren Verwahrservice um weitere Dienstleistungen zu erweitern und wenn ja, wie sehen die aus?

Christopher May: Wir starten mit der Verwahrung, weil wir gemerkt haben, dass die Sicherheit der Vermögenswerte das höchste Gut eines jeden Investors ist. Wir wollen aber sämtliche Features der dezentralen Finanzwelt ausschöpfen und einbauen und werden unseren Kunden im nächsten Schritt Krypto-Staking anbieten. Zusätzlich werden wir einen Zugang zum Sekundärmarkt schaffen und haben auch das Thema Krypto-Lending bereits auf der Roadmap. Unser Kerngeschäft bleibt jedoch der Verwahrservice. Dadurch werden wir Teile dieser Services natürlich über Partnerschaften gemäß eines Open-Banking-Ansatzes abdecken. Das hat für uns und unsere Kunden den Vorteil, dass alles aus einer sicheren Hand kommt. Denn die Assets bleiben bei uns immer sicher verwahrt. Wir ermöglichen zudem die Möglichkeiten der dezentralen Finanzwelt wahrzunehmen und zusätzliche Erträge zu generieren.

BTC-ECHO: Lass uns einen Blick in die Zukunft wagen. Wie wird sich der noch komplett am Anfang befindliche Security-Token-Markt in fünf Jahren entwickelt haben? Was kannst du dir in puncto Anzahl der Unternehmen, Börsen sowie Adaption im traditionellen Finanzsektor vorstellen?

Christopher May: Wir haben vor einem Jahr einen Marktbericht erstellt, um das Marktvolumen zu definieren. Da haben uns viele Leute ungläubig angeschaut. Wir hatten vorhergesagt, wir könnten bis 2027 24 Billionen US-Dollar an digitalen Assets auf der Blockchain haben. Die Einschätzung orientierte sich an der Prognose des World Economic Forum. Durch die Entwicklung der letzten zwölf Monate, so z. B. von Libra und die Diskussionen um einen digitalen Euro, glaube ich selbst nicht mehr an diese Zahl, denn diese ist meines Erachtens immer noch zu niedrig. Die Frage wird allerdings sein, wann diese große Welle an Tokenisierungen startet. Wir haben eine Regulierung, die sich allmählich dem Thema nähert. Es gibt jetzt die digitale Inhaber-Schuldverschreibung und es wird gerade ein Framework entwickelt, das die Tokenisierung aller Arten von Wertpapieren in der Zukunft vereinfacht. Anfangs wird man noch sehr viele Assets sehen, die sonst nicht öffentlich angeboten werden können, beispielsweise Start-up-Anteile, Immobilien oder Kunst etc. Aber ich denke, dass es in den kommenden fünf bis sieben Jahren ganz normal sein wird, wenn Unternehmen anstatt eines IPO einen STO durchführen. Ein Problem dabei ist zurzeit allerdings noch der Sekundärmarkt. Es gibt jedoch viele Börsen, die daran arbeiten und in Deutschland gibt es z. B. mit der Börse Stuttgart ja bereits einen Vorreiter, der auch andere Börsen zum Handeln zwingen wird.

BTC-ECHO: Nun stellt sich dabei die Frage, welcher technische Standard sich bei Token durchsetzen wird? Welche Rolle werden in diesem Zusammenhang Handelsplätze wie die von dir angesprochene Börse Stuttgart spielen?

Christopher May: Es ist eine Mischung aus den Emittenten bzw. den Tokenisierungsplattformen und den Börsen. Letztlich wird es hilfreich sein, einen Standard zu entwickeln. Wir kennen natürlich vereinzelt die Emittenten-Diskussionen, viel läuft momentan auf ERC-20. Viele schauen sich aber auch Stellar oder Tezos an. Meines Erachtens könnte die Frage langfristig dadurch beantwortet werden, welches Protokoll die meisten Entwickler stellt und welches Protokoll am besten skalieren kann. Ich halte es für wahrscheinlich, dass es ein Open-Source-Protokoll sein wird, also eine Public und keine Private Blockchain. Wir werden ein Ökosystem sehen, das sich in Deutschland oder auch in Europa bildet, in dem die Börsen mit den Custodians, den Brokern und Tokenisierungsplattformen zusammenarbeiten. Diese Integration und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Marktteilnehmern, die wir auch aus der traditionellen Finanzwelt kennen, müssen wir meines Erachtens zu einem gewissen Grad auch in der Krypto-Welt schaffen, um die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen. Hier bin ich für die Zukunft aber sehr positiv gestimmt.

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