Ethereum Classic leidet unter 51-Prozent-Angriff – eine Bestandsaufnahme

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Ethereum Classic leidet unter 51-Prozent-Angriff – eine Bestandsaufnahme

Ethereum Classic wurde angegriffen. Die Krypto-Exchange Kraken hat vorerst alle Ethereum-Classic-Transaktionen eingefroren. Coinbase berichtet über 13 Reorganisationen von Blöcken, bei denen Double Spendings auftraten und so insgesamt 219.500 ETC zweifach ausgegeben wurden. Die Community ist nicht begeistert.

Ethereum Classic versucht sich aktuell – erfolglos – gegen einen Angriff zu wehren. Verschiedene Seiten sprechen von einer 51-Prozent-Attacke, auch wenn dies von Entwicklerteams hinter Ethereums kleinem Bruder dementiert wird. Denn Coinbase berichtet aktuell über insgesamt 219.500 ETC, die doppelt ausgegeben wurden. Eine Bestandsaufnahme.

Was ist eine 51-Prozent-Attacke?

Blockchains haben von Haus aus eine Schwachstelle: Ein Miner mit einer genügend großen Hash Rate kann im begrenzten Rahmen die Historie der Blockchain ändern. Bösartige Miner können so eine neue Version der Blockchain in das Netzwerk einspeisen. Man spricht hier von einer Chain Reorganisation. Dadurch wird es unter anderem möglich, ein sogenanntes Double Spending durchzuführen: Der Angreifer kann dann dieselben Coins zweimal ausgeben, einmal vor der Chain Reorganisation und einmal danach. Mehr dazu in unserem Tutorial. Sowohl die 51-Prozent-Attacke als auch andere Angriffsvektoren gegen auf Mining basierende Netzwerke kann man einem älteren Artikel über die Sicherheit des Bitcoin-Netzwerks entnehmen.

Ethereum Classic und der Double Spend

Um diesem Problem vorzubeugen, erörterte Satoshi Nakamoto es in seinem Bitcoin White Paper ausführlich. Aktuell erleidet der Ethereum-Ableger Ethereum Classic allerdings genau einen solchen Angriff.

Coinbase, die größte Bitcoin-Börse der USA, berichtet aktuell darüber, dass sie eine Reorganisation der Blockchain entdeckt haben. Dabei haben es Angreifer geschafft, 13 Blöcke neu zu organisieren und damit insgesamt 219.500 Ethereum Classic (ETC) doppelt auszugeben. So heißt es in der Mitteilung:

„Coinbase entdeckte eine tiefgreifende Reorganisation der Ethereum Classic Blockchain, die einen Double Spend beinhaltete. Um die Kundengelder zu schützen, haben wir die Interaktionen mit der ETC-Blockchain sofort beendet. Nach diesem Ereignis entdeckten wir acht weitere Reorganisationen, darunter doppelte Ausgaben in Höhe von 88.500 ETC (ungefähr 460.000 US-Dollar). Aktualisierung: Nach diesem Ereignis entdeckten wir zwölf zusätzliche Reorganisationen, darunter doppelte Ausgaben in Höhe von 219.500 ETC (ungefähr 1,1 Millionen US-Dollar).“

Die Reorganisation der Ethereum-Classic-Blockchain, also die Umschreibung der Inhalte einzelner Blöcke macht es den angreifenden Minern also möglich, dieselben Coins zweimal auszugeben.

Kraken und Coinbase frieren Transaktionen vorerst ein

Wie man dem Blogeintrag von Coinbase weiter entnehmen kann, wurde die Börse bereits am 5. Januar auf Ungereimtheiten aufmerksam. Zu diesem Zeitpunkt stellte das Team jedoch lediglich eine Reorganisation der Blöcke fest. Erste Double Spends folgten dann am 6. Januar. Das lässt sich hier genauer nachverfolgen.

Auch die Krypto-Exchange Kraken hat Transaktionen von Ethereum Classic derzeit eingefroren. So heißt es auf der Homepage:

„Da der 51-Prozent-Angriff anscheinend andauert, haben wir die Einzahlungen und Auszahlungen von ETCs vorübergehend eingestellt. Wir werden die Situation weiterhin beobachten, aber ETC erst dann wieder online bringen, wenn wir glauben, dass dies sicher ist.“

Darüber hinaus beschloss Kraken, die Bestätigung für Transaktionen von 120 auf 500 hochzuschrauben. Dies folgte einer Empfehlung seitens der Ethereum Classic Community auf Twitter:

„Wir arbeiten gemeinsam mit Slow Mist und vielen anderen in der Krypto-Community. Wir empfehlen Exchanges und Pools, die Bestätigungszeiten zu erhöhen (400-4000+).“

Ethereum Classic im Kreuzfeuer der Kritik

Mit der Erhöhung der Transaktionszeiten erhofft sich Ethereum Classic, die Angriffe zu verhindern, da durch die Erhöhung der Konfirmationen die Blockchain sicherer wird. Die Community ist von diesen Vorgängen indes weniger begeistert:

„ETC ist tot. Minderheiten-Coins sind nicht sicher“,

weiß etwa Seth Hahn. Xen Token hingegen findet die aktuelle Situation etwas verdächtig. Er kritisiert Coinbase dafür, das Problem schon früh erkannt, jedoch erst zwei Tage später darüber berichtet zu haben:

„Also anstatt ETC am 5. Januar direkt zu kontaktieren, haben sie bis zum 7. gewartet, um es zu veröffentlichen? Interessant…“

Ohne direkt darauf zu reagieren, begründet Coinbase die Verzögerung damit, dass sie die Situation erst klären wollte, bevor sie FUD verbreiten:

„Aus Vorsicht haben wir vor der rechtlichen und technischen Überprüfung keinen Blogbeitrag erstellt. Ein falscher Alarm könnte versehentlich zu Marktinstabilität geführt haben“,

heißt es im entsprechenden Blogeintrag. Auf ihrem Twitter-Account versichert das Ethereum-Classic-Team indes, die Situation weiter zu beobachten.

Der Ethereum-Classic-Kurs sank in den letzten 24 Stunden um knapp drei Prozent und liegt aktuell bei 5,13 US-Dollar. Hier geht es zu unseren Kursseiten.

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