EOS-Studie: Keine „echte“ Blockchain

EOS-Studie: Keine „echte“ Blockchain

Die EOS-Plattform wurde von Whiteblock einem ausführlichen Benchmark unterzogen. Dabei konnten weder die kolportierten 5.000 bis 1.000.000 Transaktionen pro Sekunde erzielt werden, noch handelt es sich bei EOS um eine „echte“ Blockchain, so die Analysten.

S ist seinerzeit angetreten, um ein dezentralisiertes Betriebssystem zu schaffen. Wie die Ethereum-Blockchain erlaubt EOS das Ausführen von Smart Contracts und verspricht dabei eine höhere Skalierbarkeit als Ethereum und Bitcoin. Der Anspruch war, dazu die Blockchain-Technologie zu verwenden. Immer wieder wurde jedoch Kritik am Konsensmechanismus der Plattform laut. So soll der Delegated Proof of Stake Consensus (DPoS), bei dem die Blockerstellung Aufgabe der 21 gewählten Blockproduzenten ist, in Gegensatz zum Ideal einer vollständig dezentralisierten Governance einer Blockchain stehen.

50 TPS – unter idealen Bedingungen

EOS ist eine verteilte Datenbank, der einige entscheidende Charakteristika einer Blockchain abgehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine ausführliche Analyse von Whiteblock, einer Blockchain-Benchmarking-Firma. Am ersten November veröffentlichte Whiteblock die Ergebnisse ihrer Benchmark. Darin wurden neben der Architektur der EOS-Plattform auch ihre Leistungsfähigkeit und die Token-Ökonomie von Whiteblock untersucht.

Whiteblock stellt fest, dass die Plattform ursprünglich in der Tat als Blockchain angelegt war. Allerdings gelang es der Umsetzung nicht, diesen Anspruch zu erfüllen. Dies liege insbesondere an dem Umstand, dass bei EOS – anders als bei Bitcoin oder Ethereum – kryptographische Verifizierung lediglich implementiert wird, anstatt einen zwingenden Kernbestandteil der Plattformarchitektur zu bilden:

„Konten werden wie Benutzerprofile und nicht wie ein einfaches Private- und Public- Key-Paar mit kryptographischer Validierung verwendet. Basierend auf dieser Einschätzung ist das EOS-Netzwerk nicht unbedingt ein blockchainbasiertes Kryptowährungsnetzwerk, sondern ein homogenes, verteiltes Datenbanknetzwerk, das es verschiedenen Benutzerkonten ermöglicht, über das verteilte Datenbanknetzwerk zu kommunizieren und zu interagieren.“

Auch in Sachen Performance hinkt EOS noch seinem Anspruch hinterher. Nachdem zum holprigen Mainnet-Start von EOS Zahlen von 5.000 bis eine Million möglicher Transaktionen pro Sekunde (TPS) die Runde machten, konnten diese Werte in der Praxis noch nicht beobachtet werden. Whiteblocks Testläufe ermittelten lediglich 250 Transaktionen pro Sekunde – und das unter Idealbedingungen, mit 0ms Latenz und einem Datenverlust (packet loss) von null Prozent. Unter realistischeren Bedingungen (50 ms Latenz, 0,01 Prozent Datenverlust) fielen die TPS auf 50.

Lies auch:  Ethereum vs. EOS: Sind dApps die Programme der Zukunft oder Brückentechnologie?

Blockproduzenten zentralisieren EOS

Im Zentrum der Plattform – und der Kritik an dieser – befinden sich die 21 gewählten Blockproduzenten (block producer). Die Konsensfindung per Delegated Proof of Stake (DPoS), wie sie bei EOS umgesetzt ist, verfügt laut Whiteblock über keine Byzantinische Fehlertoleranz (BFT). Die Wahl der Blockproduzenten basiere ferner auf sozialem Konsens und nicht auf einem BFT-Konsens, der eine „echte“ Blockchain auszeichnet. Dazu kommt, dass es keine – algorithmischen – Mechanismen gibt, die greifen, wenn sich einer der Blockproduzenten nicht an die Regeln hält. Die Blockproduzenten bilden darüber hinaus einen zentralen Angriffspunkt für Hacker – genau das sollte eine echte Blockchain jedoch vermeiden:

„Die EOS Blockproduzenten sind stark zentralisiert und die Benutzer können nur auf das Netzwerk zugreifen, indem sie diese als Mittelsmänner verwenden. Blockhersteller sind ein Single Point of Failure für das gesamte System.“

Ein weiterer Kritikpunkt ist die mangelnde Einsicht in die tatsächliche Rechenkapazität der Blockproduzenten:

„Da die Konfigurations- und Verarbeitungsmöglichkeiten der 21 Blockproduzenten vor der Öffentlichkeit geschützt sind, ist es nicht möglich, den Umfang der im Netzwerk verfügbaren Berechnung zu erkennen […]“

Deshalb sei es nicht überprüfbar, ob die Token eine genaue Repräsentation der verfügbaren Rechenleistung des Netzwerks darstellen.

Whiteblock kommt zu dem Schluss, dass es bei EOS noch einiges zu tun gibt. Zumindest bis die Plattform sich als zuverlässiges Base-Layer-Protokoll behaupten kann. Bis dahin könnte die Plattform bestenfalls als Side Chain für Netzwerke, die über eine größere Sicherheit verfügen, in Betracht kommen. Doch selbst dafür müsste die Plattform tiefgreifenden Umbauten unterzogen werden.

Lies auch:  Altcoin-Marktanalyse KW46 - Stellar steigt über EOS, Bitcoin-Cash-Rallye eher Eintagsfliege

BTC-ECHO

Anzeige

Ähnliche Artikel

Grin: Zweite MimbleWimble-Implementierung nun offiziell gelauncht
Grin: Zweite MimbleWimble-Implementierung nun offiziell gelauncht
Altcoins

Nach einer Entwicklungsdauer von mehr als einem Jahr und insgesamt vier Testnets, erfolgte am 15.

Brave Ads: Werbung sehen, wann man will – und BAT verdienen
Brave Ads: Werbung sehen, wann man will – und BAT verdienen
Altcoins

Brave, die Firma hinter dem gleichnamigen Browser mit Privacy-Fokus, hat ein neues Feature vorgestellt.

Ethereum: Constantinople Hard Fork wegen Sicherheitslücken abgesagt
Ethereum: Constantinople Hard Fork wegen Sicherheitslücken abgesagt
Altcoins

Das Ethereum-Entwicklerteam hat die lang erwartete Hard Fork Constantinople abgesagt.

Newsletter

Die besten News kostenlos per E-Mail

Finde einen Job mit Zukunft

    Aktuell

    BitMEX-Studie: ICO-Token haben insgesamt über 50 Prozent an Wert verloren
    BitMEX-Studie: ICO-Token haben insgesamt über 50 Prozent an Wert verloren
    ICO

    In einer Analyse von Smart-Contract-Daten präsentiert eine aktuelle Studie von BitMEX die Auswertung der ICOs der letzten Jahre.

    Liechtensteiner Start-up veranstaltet Security Token Offering (STO)
    Liechtensteiner Start-up veranstaltet Security Token Offering (STO)
    Funding

    Es ist soweit: In Liechtenstein läuft derzeit ein Security Token Offering (STO).

    Nach Cryptopia-Hack: Wie sicher sind Bitcoin-Börsen?
    Nach Cryptopia-Hack: Wie sicher sind Bitcoin-Börsen?
    Invest

    Krypto-Börsen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit – daran haben auch zahlreiche Hacks wenig geändert.

    TenX-CEO Toby Hoenisch steht im Livestream Rede und Antwort – Weitere Details zu Hosp-Rücktritt
    TenX-CEO Toby Hoenisch steht im Livestream Rede und Antwort – Weitere Details zu Hosp-Rücktritt
    Szene

    Wie ist der Status quo bei TenX? Kann die Firma ohne ihre ikonische Führungsfigur Julian Hosp bestehen?

    Angesagt

    Zusammen, was zusammen gehört: Kooperation zwischen Genesis und BitGo bestätigt
    Sicherheit

    BitGo und Genesis Global Trading vermelden den Schulterschluss. Neben sicheren Cold-Storage-Verwahrlösungen für Bitcoin & Co.

    Bitcoin im All: Blockstream Satellite API Beta-Version live
    Bitcoin

    Blockstream kommt ihrer Vision, Bitcoin über Satelliten durchs All zu schießen, ein bisschen näher.

    Grin: Zweite MimbleWimble-Implementierung nun offiziell gelauncht
    Altcoins

    Nach einer Entwicklungsdauer von mehr als einem Jahr und insgesamt vier Testnets, erfolgte am 15.

    Brexit und Krypto: Warum es mehr um Blockchain-Unternehmen als um Bitcoin geht
    Kommentar

    Ein alt bekanntes Thema rückt wieder in den medialen Fokus: der Brexit.