Wall-Street-Opportunismus Diese Krypto-Strategie verfolgen Goldman Sachs und JPMorgan

Sven Wagenknecht

von Sven Wagenknecht

Am · Lesezeit: 7 Minuten

Sven Wagenknecht

Sven Wagenknecht ist Chefredakteur von BTC-ECHO. An der Blockchain-Technologie faszinieren ihn vor allem die langfristigen Implikationen auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft.

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Der Kopf vom Bullen und von einem Bärsen sind ineinander verschmolzen.

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Die beiden Investmentbanken Goldman Sachs und JPMorgan schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen, wenn es um das Thema Blockchain und Kryptowährungen geht. Warum es als Bank strategisch sinnvoll ist, in der Öffentlichkeit eine kritische Haltung gegenüber Bitcoin einzunehmen und wie das mit der eigenen Krypto-Strategie einhergeht. Das Freitagskommentar.

Alle paar Wochen gibt es Neuigkeiten von den großen amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs und JPMorgan, die einen Bezug zu Blockchain und Kryptowährungen haben. Oftmals handelt es sich um Berichte und Aussagen dortiger Mitarbeiter, die zu Diskussionen um die Etablierung von digitalen Assets in der Finanzindustrie führen. Letze Woche hatte es vor allem ein Bericht von Goldman Sachs geschafft, die Gemüter zu erhitzen. Dieser kam zu dem Schluss, dass Bitcoin und andere Kryptowährungen keine eigene Anlageklasse darstellen.


Auf der anderen Seite wurde zu gleichen Zeit ein Bericht von dem JPMorgan-Strategen Nikolaos Panigirtzoglou veröffentlicht. In dieser Analyse hat man Bitcoin nicht nur als eigene Anlageklasse behandelt, sondern dem digitalen Asset sogar einen inneren respektive intrinsischen Wert zugeschrieben. Bedenkt man, dass für den CEO von JPMorgan, Jamie Dimon, Bitcoin nichts weiter als heiße Luft ist, mag man sich die Frage stellen, ob die beiden Investmentbanken überhaupt so etwas wie eine Krypto-Strategie besitzen. Die Antwort dürfte mit Ja beantwortet werden können, auch wenn eine derartige Strategie nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist.

Bitcoin: Nicht wirklich attraktiv

Aus Sicht einer Bank sind Kryptowährungen grundsätzlich unattraktiv. So bauen diese auf einer fremden IT-Infrastruktur auf. Möchte man direkt Kryptowährungen erwerben und halten, so kann man nicht über die eigene Geschäftsbankeninfrastruktur gehen. Das Bankkonto, Wertpapierdepot oder die Transaktionsabwicklungsstruktur der Banken funktioniert nicht bei Kryptowährungen. Damit entsteht nicht nur ein zusätzlicher Aufwand, der in Teilen auch regulatorische Hürden mit sich bringt, sondern man ist auch gezwungen sein eigenes Ökosystem zu verlassen.

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Vor allem aber ist der Markt für Kryptowährungen wirtschaftlich kaum relevant für Banken. Der Krypto-Markt ist vergleichsweise klein und die Liquidität, um größere Volumina in regelmäßiger Frequenz auszuführen, kaum gegeben. Wenn überhaupt, dann müssten sowieso OTC Trades gemacht werden, da die Orderbücher der Krypto-Börsen kaum in der Lage sind, den Anforderungen einer JPMorgan oder Goldman Sachs gerecht zu werden. 

Niemand gibt gerne Kontrolle ab

Ebenfalls hinderlich ist das geringe Inhouse Know How. Während man im traditionellen Finanzmarkt fest im Sattel sitzt und man auf seinen Informations- und Kompetenzvorsprung setzen kann, funktioniert das bei Bitcoin nicht. Die Gefahr, dass der Krypto-Markt anders reagiert als angenommen und eigene Strategien nicht aufgehen, ist größer als in den etablierten und regulierten Aktien- und Anleihen-Märkten. Zumal der politische Einfluss im traditionellen Markt viel größer ist, um Einfluss auf die Makrolage, unter anderem durch Entscheidungen der Notenbank, zu nehmen. Eine derartige Option existiert bei Bitcoin schlichtweg nicht.

Womit soll überhaupt Geld verdient werden?

Des Weiteren fehlt es an attraktiven Finanzprodukten. Man denke hier nur an einen aktiv gemanageten Aktienfonds mit 3,5 Prozent Ausgabeaufschlag und 1,5 Prozent Mangementgebühr, den man sowohl dem kleinen Privatkunden für 100 Euro oder US-Dollar anbieten kann und dem institutionellen Kunden für 50 Millionen Euro oder US-Dollar.

Derartige Produkte, die auf einen breiten Markt ausgelegt sind, gibt es allerdings noch nicht, zumal der Krypto-Markt in vielen Punkten auch kaum die Vorrausetzungen dafür erfüllt.

Beispielsweise kann Goldman Sachs nur schwer einen hochdiversifizierten Krypto-Fonds aufzusetzen, bei dem dennoch jeder einzelne Vermögenswert ein Mindestmaß an Marktkapitalisierung und Liquidität gewährleistet. Aktuell existieren gerade einmal 17 Kryptowährungen, die eine Marktkapitalisierung von einer Milliarde US-Dollar aufweisen.

Letztlich stellt sich für die Banken auch die Frage nach der Bewertung. Schließlich muss jeder Vermögenswert bilanziert werden. Während man bei Unternehmen, Immobilien oder Anleihen klare bilanzielle Vorgaben und Erfahrungswerte besitzt, ist dies bei digitalen Assets etwas schwieriger.

Zukunft lässt sich nicht aufhalten

So viele Gründe es auch geben mag, um als Bank die Finger von Bitcoin und Co. zu lassen, bleibt am Ende des Tages die Erkenntnis, dass Banken ihre Infrastruktur “token-bereit” machen müssen. Losgelöst von Kryptowährungen wie Bitcoin, wird man in Zukunft Immobilien, Unternehmen oder schlichtweg Geldtransaktionen über Token-Infrastrukturen abwickeln. Kaum eine andere Bank hat das so gut verstanden wie JPMorgan. Auch wenn man um Bitcoin einen Bogen macht, hat man hinsichtlich Blockchain-Infrastrukturen mehr vorzuweisen als die meisten anderen Banken. Sei es die eigene Blockchain-Lösung Quorum oder der dazugehörige Stable Coin JMP Coin für bislang interne Transaktionen. Entscheidend ist dabei vor allem ein Aspekt: Zeit gewinnen, um die eigene Wertschöpfungstruktur an die nächste Infrastrukturstufe (Token und Blockchain) anzupassen.

Aus strategischer Sicht kann es richtig sein, vorerst als Bank eine negative Haltung gegenüber Kryptowährungen einzunehmen und diese wie Goldman Sachs nicht als eigenen Anlageklasse anzuerkennen. Es wäre ärgerlich, wenn Dynamiken bei den Kundengeldern entstehen, die eine immer stärkere Akkumulation von Kryptowährungen vorsehen, ohne dass man als Bank gleichermaßen daran verdienen kann wie mit den traditionellen Anlageklassen.   

Zwischen Deutungshoheit und Mitläuferzwang

Neben der Vorbereitung auf neue Infrastrukturen zählt vor allem aber die Deutungshoheit. Ob es Jamie Dimons abwertende Kommentare gegen Bitcoin sind oder der kürzlich herausgebrachte Bericht von Goldman Sachs, der Bitcoin den Status einer Anlageklasse abspricht. Man möchte die Kunden eher davon abhalten, Bitcoin-Finanzprodukte nachzufragen. Entsprechend wirkt die fadenscheinige Argumentation in der Goldman-Sachs-Analyse mehr nach einer Präsentation, die der eigenen Kommunikationsabteilung als dem tendenziell objektiven wissenschaftlichen Research-Team der Bank entsprungen ist.

Natürlich kann man Kryptowährungen nicht auf Dauer ignorieren oder klein halten. Zumal gerade kleinere Institute sehr wohl Finanzprodukte und regulierte Anlagemöglichkeiten auf den Basiswert Bitcoin entwickeln. Entsprechend kommt es vor allem auf das Timing an. Statements der Banken, die sich strikt gegen Bitcoin aussprechen, dürften daher schleichend immer weiter abnehmen. Schließlich ist es ab einem gewissen Punkt nur noch peinlich, Bitcoin mit der Tulpenblase oder einem Schneeballsystem gleichzusetzen. Die großen Banken können Innovation zwar verlangsamen, aber nicht aufhalten, da sie letztlich in Konkurrenz zu anderen Finanzangeboten stehen.

JPMorgan und Goldman Sachs sind in einer Sache absolut berechenbar

Wenn sich in Zukunft unter den Fondsmanagern die Erkenntnis durchsetzt, dass es klug sein kann, sein Portfolio mit einem neuen und stark unkorrelierten Asset wie eben Bitcoin anzureichern, um sowohl Risiko- als auch die Ertragsstruktur zu optimieren, dann wird sich davon keine große Investmentbank lösen können.

Selbstverständlich werden JPMorgan und Goldman Sachs in den nächsten Jahren immer mehr Dienstleistungen und Krypto-Finanzprodukte anbieten. Die Begründung dafür ist gerade zu trivial: Banken und Unternehmen müssen Geld verdienen, wenn sie überleben wollen. Da sich digitale Assets nun als fester Bestandteil unseres Finanzsystems etablieren dürften, ist die logische Schlussfolgerung, dass es auf der anderen Seite wiederum Akteure wie Banken, FinTechs und Blockchain-Start-ups geben muss, die die dazu passenden Angebote kreieren und um Marktanteile kämpfen.

Aus diesem Grund investieren die großen Investmentbanken auch in Start-ups mit Krypto-bezug. So war Goldman Sachs beispielsweise führender Investor bei dem Krypto-Payment-Anbieter Circle. Auch ist man inzwischen bereit, als Hausbank für Krypto-Unternehmen zu fungieren. Bislang hatten Unternehmen wie Krypto-Börsen es oft schwer, eine Bank zu finden, über die man sein klassisches Fiatgeldgeschäft abwickeln kann. Erst im Mai wurde bekannt, dass JPMorgan erstmals auch zwei namhaften Krypto-Unternehmen den Kontendienst eingeräumt hat. Die beiden Krypto-Schwergewichte Coinbase und Gemini sollen demnach ein Konto bei der Investmentbank eröffnet haben.

Im Gegensatz zu manchen Krypto-Enthusiasten agieren Banken nicht ideologisch. Ihre Entscheidungen sind in erster Linie ökonomisch getrieben, ganz gleich, ob es um Bitcoin, Staatsanleihen oder Kakaobohnen geht. Sollte also demnächst wieder ein Bericht von einer Bank erscheinen, der Bitcoin den Status einer Anlageklasse abspricht, dann heißt das nicht, dass Bitcoin deswegen keine Anlageklasse ist. Vielmehr heißt das nur, dass man aus Sicht der Bank gegenwärtig keinen wirtschaftlichen Sinn darin sieht oder in der Lage ist, Finanzprodukte und Dienstleistungen rund um Bitcoin anzubieten.

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