Der seidene Weg der Silk Road: Das Darknet als dunkle Parallelwelt?



Fast wie eine Schattenwelt existiert neben dem frei zugänglichen World Wide Web ein zwielichtiges Paralleluniversum: Die Rede ist vom Darknet, welchem der Ruf einer Brutstätte für Straftaten anhaftet. Doch ist eine Nutzung der „dunklen Seite des Internets“ stets illegal? Wie verhalten sich die Strafverfolgungsbehörden? Der nachfolgende Text bietet einen Überblick. – Jenna Eatough

Begriffsklärung: Von Darknet bis Deep Web

Vom illegalen Drogengeschäft bis hin zum Menschenhandel und Auftragsmord: Im Darknet treffen kriminelle Machenschaften auf Angebot und Nachfrage. Trotz des vermeintlichen, medial geschaffenen Kausalzusammenhangs, das Darknet sei lediglich in Verbindung mit illegalen Akten zu sehen, ist die Existenz dieser digitalen Unterwelt aber für sich genommen nicht rechtswidrig. Auch weite Teile des „regulären Internets“ (auch „Clear Web“ genannt) sind ihr zuzuordnen – sämtliche Seiten, welche nicht mit einem „Crawler“ gekennzeichnet werden, sind technisch gesehen als “zur Parallelwelt zugehörig” zu definieren. Seiten, die keine solche Markierung erfahren, gehören demnach dem Darknet an. Zur klaren Differenzierung zu gesetzeswidrigen Inhalten wird diesbezüglich vielmehr vom „Deep Web“ gesprochen. Trotz der Plausibilität der Annahme, Seiten seien über Suchmaschinen auffindbar, können bestimmte Optionen diese vor regulären Nutzern verbergen.

Unter einem Crawler versteht man ein Programm, welches das Netz nach Webseiten durchforstet und alle dort auffindbaren Inhalte markiert. Dies dient der entsprechenden Auffindbarkeit durch Suchmaschinen. Doch genügt ein einzelner Befehl auf einer Seite aus, um dem Crawler die Nutzung der dazugehörigen Adresse zu verwehren.

Anonymität: Chiffrierte Kommunikation

Das wohl wesentlichste Attribut des Darknets ist das der Anonymität, sprich einer verschlüsselten Kommunikation. Beim normalen WWW werden die Verbindungen zwischen Rechnern und entsprechenden Zielwebseiten vollautomatisch erzeugt; auf diesem Wege werden die jeweiligen Daten ausgetauscht. Vielfach unterliegen die Konnektionen einer solchen Chiffrierung, dass sich nur Sender und Empfänger im Klartext verständigen können; der Provider kann nicht mitlesen. Dennoch sind die an dieser Verbindung Beteiligten bekannt, so dass die Täter von im Clear Web vollzogenen Straftaten zur Verantwortung gezogen werden können (ein heiß debattiertes Thema unter Datenschützern). Im Darknet aber findet nicht ausschließlich eine Schaltung zwischen Internetanbieter und Ziel statt. Eingangs bedarf es daher eines spezifischen Browsers bzw. einer besonderen Browser-Einstellung. Nur so kann der Rechner Teil eines vielschichtigen Netzwerks werden. Der besondere Browser übernimmt indes die kryptografischen Tätigkeiten. Anzumerken ist, dass die Suchmaschinen des Clear Webs die Seiten des Darknets nicht aufzufinden vermögen. Die mitunter bekannteste Suchmaschine des digitalen Untergrunds kann in Grams, ein Hidden-Services, welches sich Google zum Vorbild nimmt, erblickt werden.

Die Auffindbarkeit der Seiten ist ohnehin mit Anstrengungen verbunden, ebenso wie ein Ausfindigmachen des Betreibers. Im Lichte der Anonymisierung sowie Verschleierung des jeweiligen Ursprungs kann das Darknet also als sicher bezeichnet werden. Auf die Gebiete des Rechts- und Datenschutzes kann dies allerdings nicht übertragen werden.

Anonym bezahlen: Rechtlich zulässig?

Im Clear Web gilt: Wer online Geschäfte abwickelt und bezahlt, der ermöglicht eine Rückverfolgung seiner Person, denn Bankkarten u. ä. sind eindeutig zuweisbar. Abhilfe verschaffen hier Kryptowährungen. Der Bitcoin gilt als erstes digitales Zahlungsmittel, welchem keine staatliche Stützung zukommt – er verkörpert stattdessen ein dezentrales Zahlungssystem, gänzlich losgelöst von Weisungen der Banken. Damit ist auch eine Nachverfolgung weitaus schwieriger als es beim herkömmlichen Zahlungsverkehr der Fall ist. Die Verwaltung von Bitcoin verlangt jedoch nach einer speziellen Software – einer Bitcoin-Wallets.

Zur Erfüllung von Schuldverhältnissen auf deutschem Boden stellt der Euro die unbeschränkte gesetzliche Währung dar. Der Gesetzgeber nimmt allerdings auch keine explizite Untersagung von alternativen Devisen vor: Stattdessen soll es genügen, wenn sich zwei Personen konsensual auf eine Schuldbegleichung mittels eines frei wählbaren Zahlungsmittels einigen. Bislang wurden die diversen Bitcoin-Wallets, welchen anfangs noch gravierende Unstetigkeiten anhafteten, von den Banken eher amüsiert zur Kenntnis genommen. Heute aber sichert sich der Bitcoin eine gefestigte Stellung innerhalb der Welt der Zahlungsmittel. Er gilt nach Auskunft des Bundesamts für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) als Rechnungseinheit sowie als Finanzinstrument im Sinne des Kreditwesengesetzes. Kritisieren könnte man einen damit verbundenen launenhaften Wechselkurs, der sich durch die Gerüchteküche, selbsterfüllende Prophezeiungen und wunden Punkten in der zugrundeliegenden Technik beeinflussen lässt. Insgesamt aber lässt sich diese digitale Währung ungeachtet der Vorwürfe als stabil bezeichnen.

Legale Nutzung?

Lässt sich das Darknet auch einer rechtmäßigen Nutzung unterziehen? In einer Reihe von Ländern ist jedweder Gebrauch der „dunklen Seite des Netzes“ untersagt. Doch hat die chiffrierte Kommunikation nicht nur Nachteile – in solchen Staaten, innerhalb welcher Journalisten keine Meinungsfreiheit genießen, kann diese Technik zu ihrer Behütung beitragen. Auch Wistleblower wie Edward Snowden nehmen diesen Weg zur anonymisierten Äußerung in Anspruch. Des Weiteren stellen einige Social-Media-Plattformen Darknet-Zugänge bereit, um sich selbst für Menschen aus mit Zensurmaßnahmen behafteten Nationen nutzbar zu machen.

Internationale Strafverfolgung

Drogen, Waffen, Prostitution, Geldwäsche – in den Tiefen des Darknets sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Wer sucht, der findet auch, und auch die entsprechende Suche nach derartigen Produkten und Dienstleistungen dürfte sich kurz gestalten. Wie immer gilt auch auf diesem Schwarzmarktumschlagsplatz: Ein gewisses Risiko zur Geschäftsabwicklung mit Betrügern schwingt stets mit; ob es überhaupt zum Abschluss kommt, steht in den Sternen.

Die Strafverfolgung schläft aber nicht und ist auch keinesfalls machtlos: Auf internationaler Ebene kooperieren nationale Strafverfolgungsbehörden miteinander, um sowohl Anbieter festzunehmen als auch illegale Waren zu beschlagnahmen. Ab dem Jahre 2011 etwa trieb ein „Hidden Service“, also ein Angebot im Darknet, sein Unwesen und bot im großen Stil illegale Rauschmittel und gefälschte Dokumente auf einer amazon-ähnlichen Oberfläche zum Verkauf an. Die Gegenleistung erfolgte über Bitcoin, was zum schlechten Ruf der digitalen Währung beitrug. Ungefähr zwei Jahre später kam es zur Festnahme des präsumtiven Betreibers der im Darknet beheimateten Seiten und zur entsprechenden Klage. Dennoch konstituierte sich die „Silk Road 2.0“ auf der immateriellen Datenautobahn – ein nahezu originalgetreuer Nachbau mit gesteigerten Sicherheitsvorkehrungen. Letztgenannte halfen aber nicht, als im Jahre 2014 ein Hacker sämtliche Bitcoins aus den Wallets der Nutzeraccounts an sich riss. Hinzu kamen gravierende DDoS-Attacken (Destributed Denail of Service). Im Zuge dieser Malheure erzielten die Behörden Erfolge im Kampf gegen Silk Road 2.0; durch eine gemeinsame Kooperation und Operation von Europol und FBI wurden eine Vielzahl von Betreibern hochgenommen und deren Seiten aus dem Darknet entfernt. Silk Road 3.0 ließ nur wenige Stunden auf sich warten, wobei jedoch die Sukzessoren lediglich Betrugsversuche starteten. Silk Road schien damit also am Ende zu sein. Seither gelang es auch keinen anderen Seiten derartige Triumphe durch den Drogenverkauf zu erzielen.

Weitere Informationen zum Thema „Darknet“ finden Sie unter https://www.anwalt.org/darknet/.

Über Jenna Eatough

Jenna EatoughJenna Eatough studierte an der Universität Regensburg zunächst Rechtswissenschaften mit Abschluss der juristischen Zwischenprüfung und dann Medienwissenschaften (BA). Heute lebt sie in Berlin und ist unter anderem als freie Journalistin für verschiedene Verbände tätig.

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3 Kommentare zu “Der seidene Weg der Silk Road: Das Darknet als dunkle Parallelwelt?

  1. “Seither gelang es auch keinen anderen Seiten derartige Triumphe durch den Drogenverkauf zu erzielen.” LOL… Schlecht recherchiert. MIt AlphaBay gab es einen Nachfolger, der um ein vielfaches größer war, als Silk Road und es gibt weiterhin mehr als ein Dutzend ähnliche Seiten… Den Artikel hätte man 2015 wohl für aktuell gehalten…

    1. Merkste selber, oder?
      “Gab” also Vergangenheit, bedeutet das es das nicht mehr gibt.
      “ein Dutzend” also Mehrzahl, bedeutet das es nicht DEN Nachfolger gibt.

      LOL… Schlecht geranteter Kommentar im Bumerang zurück. Den Kommentar hätte man schon 1995 als troll erkannt.

      1. Haste nicht gemerkt, oder?
        Das AlphaBay nicht mehr da ist, ändert ja nichts daran, dass die Aussage: “Seither gelang es auch keinen anderen Seiten derartige Triumphe durch den Drogenverkauf zu erzielen.” weiterhin falsch ist.
        Es geht auch nirgends um DEN Nachfolger. Aber die Triumphe von Silk Road sind mehrfach von Anderen übertroffen worden.
        Die Aussage klingt, als würde man vermitteln wollen, dass mit dem Ende von Silk Road die Entwicklung rückläufig wäre….. Aber genau das Gegenteil ist der Fall. Silk Road war nur Peanuts!

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