Der Iran bringt an Gold gekoppelte Kryptowährung heraus

Polina Khubbeeva

von Polina Khubbeeva

Am · Lesezeit: 3 Minuten

Polina Khubbeeva

Polina Khubbeeva studiert Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin. Im Studium setzt sie sich besonders intensiv mit dem Verhältnis von Macht und Raum auseinander, weshalb Kryptowährungen für sie besonders im Hinblick auf globale Machtverschiebungen spannend sind.

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Bei ihrem wirtschaftlichen Überlebenskampf im Angesicht gravierender US-Sanktionen setzt die Führung des Iran zunehmend auf Krypto. Ein auf Gold basierender Stable Coin namens „PayMon“ soll den freien Finanzhandel auch nach dem SWIFT-Ausschluss des Landes ermöglichen. Der Trend, mit nationalen Kryptowährungen auf internationale Sanktionen zu reagieren, setzt sich fort.

Die islamische Republik Iran zeigt sich innovationsfreudig, ihr Finanzsystem mithilfe von Kryptowährungen lebendig zu halten. Laut eines Berichts der Financial Tribune stellte die Ghoghnoos Company den goldbasierten Stable Coin PayMon (iranisch für „Bündnis“) vor. Der PayMon ist aus einer Kooperation zwischen Ghoghnoos, den vier nationalen Banken Bank Mellat, Bank Melli Iran, Bank Pasargad und Parsian Bank sowie dem Over the Counter Trading Desk Iran Fara Bourse entstanden.

SWIFT-Ausschluss stellt Regierung Irans vor Zugzwang

Die Experimentierfreudigkeit der islamischen Republik Iran beruht nicht auf Freiwilligkeit. Vielmehr ist sie ein Versuch, die internationale Handlungsfähigkeit der Volkswirtschaft zu erhalten. Im November 2018 wurden zahlreiche iranische Kreditinstitute von der Interbanken-Organisation SWIFT ausgeschlossen. Diese Entscheidung erfolgte als Reaktion auf verschärfte US-Sanktionen. Zudem übte das Finanzministeriums der Vereinigten Staaten Druck auf die in Brüssel ansässige SWIFT-Organisation aus. In der Folge war der Iran de facto vom internationalen Finanzverkehr ausgeschlossen, wie BTC-ECHO berichtete. Die Paralyse des internationalen Zahlungsverkehrs verstärkte den Druck auf das iranische Wirtschaftssystem. Die Machthaber sahen sich gezwungen, nach neuen Formen des Finanzaustauschs zu suchen.

Bitcoin im Iran – Zwischen Hoffen und Bangen

Schon damals kündigten Vertreter von staatlichen Handelsorganisationen eine nationale Kryptowährung an. Über den Stable Coin will das Regime die Abwertung des Rial eindämmen und sich gleichzeitig aus dem Schwitzkasten der US-Sanktionen befreien. Gegenüber dem äußerst beliebten Bitcoin zeigt es sich nur eingeschränkt wohlwollend: Zwar hat die iranische Notenbank den Bitcoin-Handel erlaubt, die Verwendung als Zahlungsmittel und die Akkumulation von Bitcoin über 10.000 Euro Gegenwert bleiben allerdings verboten.

PayMon, Petro & Co. – Kryptowährungen als geopolitisches Druckmittel


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Dass die Russische Vereinigung für Kryptowährungen und Blockchain (RACIB) dem Iran Unterstützung bei der Entwicklung seines Krypto-Sektors zugesagt hat, ist kein Zufall. Russland spielt bei der geopolitischen Instrumentalisierung von Krypto-Technologien insbesondere dann eine Rolle, wenn es darum geht, US-amerikanische und europäische Policies anzufechten. Auch Venezuela bekam bei der Entwicklung des ölbasierten Petros Hilfe von russischer Seite. Bislang hatte das sechstgrößte Land Südamerikas damit aber nur bedingt Erfolg.

Venezuela befindet sich politisch und ökonomisch in einem Zustand permanenter Instabilität und wird aktuell von massiven Protesten mit ungewissem Ausgang erschüttert. Es bleibt abzuwarten, ob der Iran mit seiner nationalen Kryptowährung erfolgreicher ist. Die iranische Wirtschaft hatte sich vor der Aufkündigung des Atom-Deals durch Donald Trump auf dem Weg der Erholung befunden. Die Öleinnahmen erreichten im April 2018 70 Milliarden Euro, der Handel mit europäischen und deutschen Unternehmen zog an. Ob ein nationaler Stable Coin der iranischen Wirtschaft wieder Antrieb verleiht, hängt auch von der Flexibilität kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland ab.


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